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Brommapojkarna zerlegt Malmö - ein Feuerwerk nach der Pause

Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, ob die erste Halbzeit nur als Tarnung für das kommende Spektakel diente. IF Brommapojkarna gegen IFK Malmö war exakt so ein Fall. 31 427 Zuschauer im Stockholmer Grimsta IP sahen zunächst 45 Minuten gepflegten Leerlauf - und dann eine zweite Hälfte, die man eher in einem Actionfilm erwartet hätte. 5:0 stand am Ende auf der Anzeigetafel, und keiner wusste so recht, ob man applaudieren oder Mitleid mit Malmö haben sollte.

Trainer Andreas Godejohann stand nach dem Spiel mit verschränkten Armen vor der Presse und grinste: "Ich hab’ in der Pause nur gesagt: ’Vielleicht könnten wir anfangen, Fußball zu spielen.’ Offenbar haben sie mich beim Wort genommen." Offenbar.

Die erste Halbzeit verlief wie ein Schachspiel ohne Figuren. Brommapojkarna hatte etwas mehr Ballbesitz (54 Prozent), kombinierte gefällig, aber ohne Tiefgang. Aleksandar Stankovic prüfte Malmös Torhüter Emanuele Romano mehrfach (33., 36., 42.), Juanito Carvalho tänzelte links elegant, doch es blieb beim Versuch. Die Gäste beschränkten sich auf zwei harmlose Torschüsse - was wohlwollend als Minimalismus bezeichnet werden kann.

Dann aber, kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, explodierte das Heimteam. In der 50. Minute war es Juanito Carvalho, der nach feinem Zuspiel von Anders Hansen den Ball ins Netz drosch. "Ich hatte das Gefühl, der Torwart schaut noch, ob’s Abseits war", lachte Carvalho später. Sieben Minuten später legte Stankovic nach, diesmal nach Vorlage von Innenverteidiger Serhat Adatepe - ja, genau der, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte. Fußball schreibt die besten Drehbücher.

Malmö, ohnehin wackelig in der Defensive, verlor danach völlig die Ordnung. Brommapojkarna kombinierte plötzlich wie im Rausch. Sergi Antunes bediente Carvalho in der 60., der Portugiese traf erneut - 3:0. Spätestens da war der Widerstand der Gäste gebrochen. Antunes selbst durfte sich in der 67. Minute auch in die Torschützenliste eintragen. Als dann in der 73. Minute Anders Hansen nach Vorlage von Hugo Nani das 5:0 erzielte, war der Jubel im Stadion ohrenbetäubend.

"Ich hab’ ihn einfach machen lassen", meinte Nani später trocken. "Hansen hatte heute diesen Blick - den, bei dem man besser nicht im Weg steht."

Während Brommapojkarna eine Offensivshow abzog, wirkte IFK Malmö zunehmend konsterniert. Trainer Mikael Lindström (der Gastcoach, der sich nach dem Spiel hinter seiner Kappe versteckte) sprach von einer "Lerngelegenheit". Auf Nachfrage, was er gelernt habe, antwortete er: "Dass man ein Spiel auch nach 45 Minuten noch verlieren kann - und zwar gründlich."

Statistisch war das Ganze eine klare Angelegenheit: 19 Torschüsse zu 2, eine Zweikampfquote von 58 Prozent, fünf verschiedene Vorlagengeber - wenn’s läuft, dann läuft’s. Das Pressing der Gastgeber blieb laut Taktikdaten zwar offiziell "nicht aktiv", aber Malmö dürfte das anders empfunden haben.

Hinter den Kulissen war die Stimmung ausgelassen. In der Mixed Zone neckte Torwart Duarte Ramirez seinen Stürmerkollegen Stankovic: "Endlich hast du mich erlöst - 45 Minuten nix zu tun, das war Folter!" Stankovic konterte: "Ich wollte dir nur eine ruhige Schicht gönnen."

Andreas Godejohann gab sich nach dem Kantersieg pragmatisch: "Wir haben den Ball laufen lassen, wir haben Chancen genutzt - das ist Fußball. Nächste Woche fangen wir vielleicht schon in der ersten Halbzeit damit an."

Malmö hingegen steht nach dieser Abreibung vor einigen Fragen. "Wir sind kein schlechtes Team", versuchte Abwehrspieler Morten Hangeland zu erklären, "aber heute hat uns einfach der Stecker gezogen. Vielleicht sollten wir mal den Stromanbieter wechseln."

Das Publikum feierte seine Mannschaft noch lange nach Abpfiff. 31 000 Menschen sangen, winkten Fahnen, und selbst der Stadionsprecher wirkte überrascht, dass es kein Pokalspiel war.

So bleibt von diesem Abend die Erkenntnis: Manchmal braucht es eine torlose erste Halbzeit, damit die zweite zur Legende wird. Brommapojkarna hat bewiesen, dass Geduld eine Tugend ist - solange man sie nach 45 Minuten über Bord wirft.

Und irgendwo in Malmö dürfte man sich wünschen, das Spiel wäre nach der Pause einfach abgesagt worden.

21.11.644002 17:41
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