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Es war ein lauer Sommerabend im Stadion von Novi Pazar, 40.000 Zuschauer hatten sich eingefunden, um am 10. Spieltag der serbischen Superliga ein Fußballspiel zu sehen - und bekamen eine Geduldsprobe serviert. 85 Minuten lang war das Duell zwischen dem FK Novi Pazar und Pivara Celarevo ein Beispiel dafür, dass Ballbesitz keine Tore garantiert. Celarevo hatte mehr vom Spiel, mehr Schüsse, mehr Kontrolle - aber am Ende grinste nur einer: Rechtsverteidiger Luke Bridges. Sein Tor in der 86. Minute, ein wuchtiger Abschluss nach einem beherzten Vorstoß über die rechte Seite, entschied die Partie mit 1:0 für die Gastgeber. "Ich dachte eigentlich, Damir schießt selbst", sagte Bridges später über seinen Mitspieler Damir Mladenovic, der den Angriff vorbereitet hatte. "Aber er hat einfach gerufen: ’Mach du!’ - und dann hab ich halt gemacht." Diese Nonchalance passte zu einem Spiel, das lange Zeit so aussah, als würde es mit einem klassischen 0:0 enden. Denn obwohl Celarevo mit elf Torschüssen deutlich aktiver war als die Hausherren (acht Versuche), fehlte den Gästen ausgerechnet das, was man in der Brauerei-Stadt sonst im Überfluss hat: die Zielgenauigkeit. Schon in der fünften Minute hatte Jamie MacLean, quirliger Rechtsaußen und unermüdlicher Wirbelwind, die erste Gelegenheit - der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei. In der 17. Minute prüfte er erneut Novi Pazars Keeper Dimas Bischoff, der mit einer Flugparade zeigte, dass er nicht nur auf der Linie stark ist, sondern auch eine gewisse Vorliebe für theatralische Landungen hat. "Ich wollte einfach sicher gehen, dass die Fans auch was zu sehen bekommen", grinste Bischoff später und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Pivara Celarevo blieb druckvoll, stellte die Abwehr von Novi Pazar immer wieder auf die Probe. Gerade Göran Nilsson und Marko Smiljanic spielten gefällig, vergaben aber ihre Chancen. Die Gäste wirkten offensiv, fast übermotiviert - was sich auch in zwei frühen Gelben Karten zeigte: Kezman sah schon in der vierten Minute Gelb, Kujovic in der 35. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", sagte Trainer Andreas Go trocken. "Vielleicht waren wir ein bisschen zu sehr da." Novi Pazar hielt sich an seinen Plan: tief stehen, lange Bälle, kontern. Trainer Reinhard Wild hatte seine Elf auf Offensive und Konter eingestellt, aber das sah man erst spät. Bis zur Pause blieb das Spiel zerfahren, die Pässe zu lang, die Ideen zu kurz. "Ich hab in der Halbzeit gesagt: ’Jungs, ihr dürft auch mal aufs Tor schießen’", verriet Wild mit einem Schmunzeln. Die zweite Hälfte begann ähnlich, bis Wild reagierte: Haim Mitzna kam in der 63. Minute für den blassen Heinemann, später wurde auch Stürmer Riley Stanton durch den jungen Diego Costa ersetzt. "Ich hab mir gedacht, wenn uns schon die Alten nicht erlösen, dann vielleicht der Nachwuchs", meinte Wild lachend. Doch es war am Ende ein Verteidiger, der das Spiel entschied. Die 86. Minute: Mladenovic zieht auf links los, spielt flach nach innen, Bridges rauscht heran, ein Kontakt, ein Kracher - Tor! Das Stadion bebte, die 40.000 rissen die Arme in die Höhe. "Ich hab kurz überlegt, ob ich jubeln oder wegrennen soll, weil ich gar nicht glauben konnte, dass der drin ist", so Bridges. Celarevo warf danach alles nach vorn, aber ihre Offensive wirkte nun müde. Nilsson und Perlman scheiterten in der Schlussphase an Bischoff. "Wir haben 56 Prozent Ballbesitz gehabt, aber null Punkte", knurrte Trainer Go. "Das ist wie ein gutes Bier zapfen und dann verschütten." Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - ein Torschussfestival ohne Tore bis zur Schlussphase. Doch was Zahlen nicht zeigen: Novi Pazars Wille, das Spiel in der Schlussphase zu drehen, war beeindruckend. Am Ende blieb es beim 1:0 für den FK Novi Pazar, einem Sieg, der vielleicht etwas glücklich, aber keineswegs unverdient war. Trainer Wild brachte es auf den Punkt: "Wenn du 85 Minuten wartest und dann einmal triffst, nennt man das Effizienz. Wenn du 85 Minuten anrennst und nicht triffst, nennt man das Pivara Celarevo." Und so verabschiedeten sich die 40.000 Zuschauer in die Nacht - zufrieden, erleichtert und mit einem kleinen Lächeln über diesen Fußballabend, der beweist: Manchmal braucht es keinen Stürmer, um Spiele zu gewinnen. Manchmal reicht ein rechter Verteidiger mit Mut, Humor und einem satten Schuss. 31.01.644003 11:35 |
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