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Es war ein Mailänder Abend, wie ihn die Fußballgötter lieben: laut, hitzig, leicht chaotisch - und am Ende mit einem Sieger, der sich das Lächeln nicht verkneifen konnte. Real Milano entführte beim 1:2 (0:1) drei Punkte aus dem Stadion von AS Mailand und bewies, dass jugendlicher Übermut und ein erfahrener Rechtsaußen eine explosive Mischung sein können. 38.528 Zuschauer sahen ein Spiel, das taktisch ausgewogen begann, aber spätestens nach 20 Minuten in puren Offensivdrang mündete. Real-Trainer Dennis Hees hatte seine Mannschaft auf Kurzpassspiel und gezielten Druck eingestellt. "Wir wollten ihnen keine Luft lassen - und manchmal auch keinen Rasen unter den Füßen", grinste Hees nach dem Abpfiff mit einem Augenzwinkern. Schon nach wenigen Minuten brannte es mehrfach im Strafraum der Gastgeber. Louis MacCallum, der 19-jährige Linksaußen, prüfte Torwart Jan Groat gleich dreimal in den ersten zehn Minuten. Der Keeper von AS Mailand reagierte glänzend, doch die Vorzeichen waren gesetzt: Real Milano wollte das Spiel diktieren. In der 27. Minute war es dann soweit. Landon Donovan, ebenfalls 19, flankte von der rechten Seite so präzise, dass Ewan Burton, der 30-jährige Dauerbrenner mit dem Selbstbewusstsein eines Rockstars, nur noch den Fuß hinhalten musste - 0:1. "Ich hab’ einfach gespürt, dass Landon diesmal nicht über den Ball stolpert", witzelte Burton später. AS Mailand, geführt vom stoisch dreinblickenden Trainer Onerom Jackson, reagierte mit Wut im Bauch. Marc Cortes, Routinier im linken Mittelfeld, kassierte früh Gelb (6.), spielte danach aber, als wolle er den Schiedsrichter persönlich überzeugen, dass er es besser kann. Und tatsächlich: In der 52. Minute bereitete Cortes das 1:1 vor. Sein Pass auf Corentin Voet, der von rechts hereinstürmte, war so punktgenau, dass Voet ihn volley in den Winkel drosch. Das Stadion tobte, Jackson ballte die Fäuste - und manch Real-Fan griff nervös zum Espresso. Doch Real Milano wäre nicht Real Milano, wenn es die Spannung nicht noch einmal auf die Spitze treiben würde. Nur zwölf Minuten später - Minute 64 - schlug wieder Ewan Burton zu. Eine flache Hereingabe glitt durch den Strafraum, vorbei an Freund und Feind, und Burton stand da, wo ein Stürmer eben stehen muss. 1:2. "Ich wollte eigentlich nur den Ball stoppen, aber dann dachte ich, warum nicht gleich abschließen?", erzählte der Doppeltorschütze hinterher und lachte, als wäre er gerade aus dem Kino gekommen, nicht aus einem 90-Minuten-Kampf. AS Mailand drückte in der Schlussphase, doch es blieb bei halbgaren Chancen. Luigi Soveria Simeri vergab in der 84. Minute die größte Möglichkeit, als er freistehend über das Tor zielte - vielleicht der Moment, in dem Onerom Jackson innerlich mit dem Universum diskutierte. "Wir hatten genug Ballbesitz, aber zu wenig Mut", seufzte er später. Tatsächlich zeigte die Statistik ein fast ausgeglichenes Verhältnis: 49,3 Prozent Ballbesitz für AS, 50,7 für Real. Doch bei den Torschüssen war Real Milano mit 15:6 klar vorn - ein Spiegel des Spielverlaufs. In den letzten Minuten wurde es noch ruppig: Reals Youngster Galaktion Katranas sah Gelb (74.), nachdem er Luigi Soveria etwas zu herzlich an der Seitenlinie "begrüßt" hatte. Und irgendwo auf der Trainerbank von AS Mailand soll ein Kaffeebecher geflogen sein - unbestätigt, aber sehr wahrscheinlich. Dennis Hees brachte in der 70. Minute den 21-jährigen David Neres für den müden Doppelpacker Burton, der sich unter Applaus verabschiedete. "Ich wollte ihm nicht noch die dritte Bude zutrauen. Manchmal muss man das Schicksal nicht provozieren", scherzte Hees über seine Wechselentscheidung. So blieb es beim 1:2, einem Sieg, der Real Milano in der Tabelle Auftrieb gibt und AS Mailand in Grübeln versetzt. Der eine Trainer grinste, der andere schrieb eifrig Notizen - wahrscheinlich über die fehlende Flügelverteidigung. Zum Schluss sagte Ewan Burton mit einem Augenzwinkern: "Zwei Tore im Derby - ich könnte schlechtere Abende haben. Vielleicht lad’ ich das Team jetzt auf Pizza ein. Aber nur, wenn sie mich nicht wieder zum Singen zwingen." Ein bisschen Ironie, ein bisschen Glanz - und ein Derby, das noch lange nachhallt. Bleibt die Erkenntnis: In Mailand kann man vieles teilen - aber selten die Punkte. 23.02.644003 18:09 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner