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Es gibt Spiele, die schreibt man als Reporter mit hochgezogener Augenbraue und kaltem Kaffee. Und dann gibt es Abende wie diesen: Der FC Bystrc-Kninicky fegte Jarota Jarocin in der Europaliga-Gruppenrunde mit 7:0 vom Rasen, als wolle er den Rasen gleich mit kurz und klein spielen. "Das war heute eher Kunstunterricht als Fußball", grinste Trainer Carsten Achenbach nach dem Schlusspfiff - und er durfte es. Schon nach zwei Minuten fiel das erste Tor, als Filipe Meira einen butterweichen Pass von Ole Arst per Direktabnahme ins Netz hämmerte. Jarocins Torhüter Alejandro Ziganda sah den Ball wohl nur aus dem Augenwinkel vorbeifliegen - und das war noch einer der besseren Momente des Gastes. Der Rest der ersten Halbzeit glich einer Lehrstunde: August Brun erhöhte in der 13. Minute nach Vorlage von Timo Dietrich, Adam Davonport legte in der 27. nach, erneut auf Pass von Dietrich, und kurz vor der Pause traf Brun zum zweiten Mal - diesmal nach feinem Zuspiel des 20-jährigen Rechtsaußen Tomas Bejbl. 4:0 zur Halbzeit, und die Fans sangen bereits Lieder von "Europapokalnächten", die sie wohl so bald nicht vergessen werden. "Ich habe in der Kabine nur gesagt: Macht bitte nicht zu viel kaputt", erzählte Achenbach später lachend. Seine Spieler nahmen ihn offenbar nicht ganz ernst. Denn auch nach der Pause rollte Angriff um Angriff auf Ziganda zu. Jarocin, von Trainer Henryk Kasperczak mit versteinertem Blick an der Linie begleitet, brachte keinen einzigen Torschuss zustande - null, nada, niente. Stattdessen sah man verzweifelte Abwehrversuche, lange Bälle ins Niemandsland und einen jungen Wladimir Boniek, der schon in der ersten Minute Gelb kassiert hatte und fortan jeden Zweikampf wie einen Tanz auf rohen Eiern führte. In der 61. Minute durfte dann der 35-jährige Luca Beck ran - und wie! Nach einer feinen Kombination über Meira traf er trocken ins linke Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Beck später verschmitzt zu. Acht Minuten später revanchierte sich Meira selbst, als er einen präzisen Querpass von Dietrich zum 6:0 einschob. Und weil’s so schön war, legte Beck in der 86. Minute noch einen drauf - diesmal nach Vorlage des eingewechselten Rafael Götz. 7:0, und das Publikum tobte. "Wir haben heute alles falsch gemacht, was man falsch machen kann", murmelte Jarocin-Coach Kasperczak nach dem Abpfiff. Sein Team hatte 44 Prozent Ballbesitz, aber das war wohl eher der Anteil an Rückpässen. "Manchmal ist es besser, wenn der Bus auf dem Parkplatz bleibt", fügte er mit Galgenhumor hinzu. Bystrc-Kninicky dagegen zeigte einen Fußball, der so selbstverständlich wirkte, dass man sich fragte, ob sie heimlich mit zwölf Mann gespielt hatten. 24 Torschüsse, davon sieben drin - Effizienz einer chirurgischen Präzision. Filipe Meira war der Dirigent im Mittelfeld, Timo Dietrich der unermüdliche Taktgeber, August Brun der eiskalte Vollstrecker. Das Pressing? Praktisch nicht nötig. Die Gäste kamen nie nah genug, um überhaupt gedrückt zu werden. Torwart Lewis Giles hätte sich derweil fast einen Liegestuhl aufstellen können. "Ich hab mir in der 70. Minute gedacht: Vielleicht fang ich mir wenigstens eine Flanke ab, aber dann fiel das sechste Tor - also hab ich’s gelassen", flachste der Keeper. In den letzten Minuten wechselte Achenbach munter durch; Beck, Götz und Carreras kamen, als das Spiel längst entschieden war. Das Tempo blieb, der Spaßfaktor auch. 41.300 Zuschauer sahen, wie die Gastgeber die Kugel laufen ließen, als ginge es um ein Trainingsspiel mit Spaßgarantie. Und während Jarocins Spieler nach dem Abpfiff niedergeschlagen in den Kabinengang trotteten, stand Meira noch auf dem Rasen, applaudierte den Fans und sagte mit einem breiten Grinsen: "So ein Abend - der riecht nach Frühling und Viertelfinale." Ein bisschen übermütig? Vielleicht. Aber wer 7:0 gewinnt, darf das. Fazit: Der FC Bystrc-Kninicky in Galaform - Spielfreude, Präzision und eine Prise Spott für den Gegner. Jarota Jarocin dagegen sollte sich schleunigst erinnern, dass man ein Fußballspiel nicht allein mit guter Haltung bestreitet. Oder, wie Coach Achenbach zum Abschluss meinte: "Wir wollten zeigen, dass wir Europaliga können. Ich glaube, das war heute ein ganz gutes Bewerbungsschreiben." 07.03.643994 03:09 |
Sprücheklopfer
Das Schlechteste am heutigen Spiel ist, daß ich nichts zu meckern habe.
Felix Magath nach einer überzeugenden Leistung seiner Mannschaft