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Manchmal schreibt der Fußball einfache Geschichten. Zum Beispiel die von einem Team, das von Beginn an Lust auf Tore hat, gegen eines, das den Ball lieber streichelt, als ihn gefährlich zu spielen. 40.400 Zuschauer erlebten am Donnerstagabend in Montevideo das, was man wohl eine klare Angelegenheit nennt: CA Alto Peru besiegte CD Cerrense mit 3:0 - und das völlig verdient. Schon in der ersten Minute knallte Knud Noll den Ball Richtung Tor, als wolle er den Abend gleich selbst entscheiden. Der 20-jährige Linksaußen war von Beginn an der Unruheherd schlechthin. Trainer Daniel Düsentrieb hatte sein Team auf "Offensivfreude mit Kurzpassspiel" programmiert - und genau das bekamen die Fans. Es dauerte keine zwanzig Minuten, bis die Belohnung folgte: Linksverteidiger Albert Nani, sonst mehr für rustikale Grätschen bekannt, zog nach einem Doppelpass mit Noll einfach mal ab - 1:0. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Nani später, "aber Knud hat so laut ’Jetzt!’ geschrien, da musste ich einfach draufhalten." Nur eine Minute später revanchierte sich Noll: Nach feinem Zuspiel von Pol Bauza versenkte er selbst zum 2:0. Düsentrieb jubelte, als hätte er gerade den Physik-Nobelpreis gewonnen, und rief seinem Team zu: "So sieht angewandte Spieltheorie aus!" Während Alto Peru kurzzeitig über die Flügel tanzte, suchte Cerrense noch nach der Bedienungsanleitung für den eigenen Angriff. Mehr Ballbesitz (53 Prozent) half nichts, wenn man daraus nur drei magere Torschüsse produziert. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur nach dem Spiel, "aber irgendwann war es einfach zu ruhig." Seine Spieler wirkten, als hätten sie Angst, den Rasen aufzuwühlen. Die zweite Halbzeit startete, wie die erste endete: mit einem Team, das wollte, und einem, das musste, aber nicht konnte. In der 57. Minute machte Rechtsverteidiger José Moreno den Deckel drauf. Wieder war Noll beteiligt, wieder war Cerrense zu spät. Moreno, gerade einmal 20 Jahre alt, zog aus vollem Lauf ab - 3:0. "Ich dachte erst, der Schiri pfeift ab, so still war’s im Gästeblock", lachte der Youngster nach Abpfiff. Cerrense versuchte es danach mit etwas mehr Aggressivität und Pressing - laut Statistik sogar "starkem Einsatz" -, aber es blieb beim Versuch. Eine Gelbe Karte für Innenverteidiger Alejandro Xuarez in der 30. Minute war sinnbildlich: zu spät, zu ungestüm, zu erfolglos. Alto Peru hatte am Ende 15 Torschüsse, Cerrense ganze drei. Das Tackling-Verhältnis? 56 zu 44 Prozent - und das, obwohl die Gäste den Ball häufiger hatten. Man könnte sagen, Alto Peru spielte mit Verstand, Cerrense mit Statistik. "Manchmal ist weniger Ball einfach mehr Fußball", philosophierte Düsentrieb auf der Pressekonferenz. Knud Noll, der an allen drei Treffern beteiligt war, wurde natürlich zum Mann des Abends gewählt. Der junge Stürmer gab sich bescheiden: "Ich hab einfach gemacht, was der Coach gesagt hat - laufen, schießen, lächeln." Sein Lächeln dürfte noch eine Weile halten, denn mit diesem Sieg klettert Alto Peru in der 1. Liga Uruguay an die Tabellenspitze. Beim Abpfiff brandete minutenlanger Applaus auf, während Gnipeur mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand. "Wir lernen daraus", murmelte er, "hoffentlich schneller als die Tore heute gefallen sind." Ein augenzwinkerndes Schlusswort sei erlaubt: Wenn Fußball Mathematik wäre, hätte CD Cerrense gewonnen - mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Geduld. Aber Fußball bleibt eben ein Spiel für jene, die aus Prozenten Tore machen. Und das kann derzeit keiner besser als CA Alto Peru. 02.04.643997 23:39 |
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Heute herrscht schweigende Stille.
Rudi Assauer