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Ein lauer Aprilabend, 30.215 Zuschauer im Estádio de Campina, und die Gastgeber in Spiellaune: Campina Grande hat am 6. Spieltag der 1. Liga Brasilien den Gästen von CD Sao Paulo einen Fußballabend beschert, den diese wohl lieber schnell vergessen möchten. 3:0 hieß es am Ende - und das war noch schmeichelhaft für die blassen Gäste. Von Beginn an war zu spüren, dass Trainer Tobias Wassermann seine Elf auf Angriff gepolt hatte. "Offensiv ist das neue Defensiv", grinste er vor dem Spiel, und seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. Schon in der zweiten Minute prüfte Jacinto Hernando den gegnerischen Keeper Pedro Pauleta mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Es war der Auftakt zu einer Einbahnstraße Richtung Sao-Paulo-Tor. Liam Sterling, der quirlige Linksaußen, hatte an diesem Abend offenbar Koffein im Blut. In der 30. Minute nutzte er eine butterweiche Flanke von Linksverteidiger Frederic Reacock und köpfte zum 1:0 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", lachte Sterling später - und man glaubte es ihm sofort. Sao Paulo? Nun ja. Es gab einen zarten Versuch von Archie Monroe in der 10. Minute, der den Ball immerhin in Stadionnähe ließ, aber Torwart Filipe Dominguez musste sich kaum bewegen. Trainer der Gäste, der sich nach dem Spiel nur mit einem müden "Wir waren heute nicht da" zitieren ließ, hatte wenig Gründe zur Freude. Sechs Torschüsse in 90 Minuten - statistisch gesehen fast jeder 15. Angriff ein Versuch. Zur Halbzeit führte Campina Grande verdient mit 1:0, und Wassermann stapfte zufrieden in die Kabine. "Nur nicht nachlassen", soll er dort gerufen haben. Seine Spieler hielten sich daran - und wie! Nach einer Gelben Karte für Javier Pelayo (25.) und dessen Auswechslung zur Pause - "Ich wollte ihn vor sich selbst schützen", so Wassermann - kam Charles Aimee, der prompt für Ruhe im Mittelfeld sorgte. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Campina Grande drückte, Sao Paulo duckte sich. In der 74. Minute dann das nächste Highlight: Innenverteidiger Vicente Zuloaga, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, stieg nach einer Ecke von John Hartshorn in die Luft und köpfte das 2:0. Der Jubel war so groß, dass selbst die Ersatzspieler kurz vergaßen, dass sie eigentlich auf der Bank sitzen. "Ich hab selten so einen perfekten Kopfball gesehen", schwärmte Hartshorn später - bescheiden wie immer. Sao Paulo hatte zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben. Dimitar Slawkow versuchte es in der 78. Minute mit einem rustikalen Foul, sah Gelb und schüttelte danach den Kopf, als wäre ihm das Universum persönlich böse. "Ich wollte nur den Ball treffen, aber der Ball war zu schnell", murmelte er in Richtung des Schiedsrichters - der grinste nur. Das Sahnehäubchen setzte in der 87. Minute erneut Liam Sterling. Nach einem perfekten Steckpass von Hartshorn tauchte er frei vor Pauleta auf und schob eiskalt ein. 3:0 - das Stadion bebte. Sterling riss die Arme hoch, sein Trainer klatschte an der Seitenlinie wie ein Dirigent im Takt der Fangesänge. Die Statistiken sprachen eine klare Sprache: 18 Torschüsse für Campina Grande, 6 für Sao Paulo, 51 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - also fast Gleichstand, wenn man ignoriert, dass die einen Fußball spielten und die anderen ihm zusahen. Die Zweikampfquote von 55 Prozent für Campina war nur die Kirsche auf der Torte. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur schön, sondern auch effektiv spielen können", resümierte Wassermann nach dem Spiel. Sein Gegenüber, sichtlich bedient, nickte nur stumm. Vielleicht dachte er schon an das nächste Heimspiel, vielleicht aber auch an Urlaub. Campina Grande klettert mit diesem Sieg weiter nach oben, während CD Sao Paulo dringend Antworten finden muss - am besten noch vor dem nächsten Anpfiff. Und irgendwo auf der Tribüne hörte man einen Fan sagen: "Wenn sie so weiterspielen, müssen wir bald das Stadion vergrößern." Wer weiß - nach diesem Abend klang das nicht einmal übertrieben. 19.05.643997 06:57 |
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