Jornal do Brasil
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Campina Grande schießt Natal ABC aus dem eigenen Stadion

32.000 Zuschauer im Estádio Maria do Sol rieben sich am Mittwochabend verdutzt die Augen. Ihr Team, Natal ABC, dominierte den Ball - fast 60 Prozent Ballbesitz! - doch am Ende stand ein bitteres 2:4 gegen ein eiskaltes Campina Grande auf der Anzeigetafel. Und während die Heimfans noch überlegten, wie man so viel Kontrolle mit so wenig Ertrag kombinieren kann, grinste Gästecoach Tobias Wassermann auf der Pressekonferenz nur milde: "Ballbesitz ist was für Philosophen. Tore sind für Sieger."

Dabei begann alles gar nicht so hoffnungslos für die Gastgeber. Sie hatten den Ball, die Kontrolle, den Rhythmus - nur eben nicht den Killerinstinkt. In der 15. Minute zeigte Campina Grande, wie man’s macht: Rechtsverteidiger Bartilomiej Bogusz, 21 Jahre jung und offenbar mit Turbo im Schuh, rauschte die Linie entlang, bekam den Ball von Alberto Talao und drosch ihn humorlos ins lange Eck. Zwei Minuten später war es wieder Talao, diesmal als Vorbereiter für Noah Huxley, der eiskalt zum 0:2 einschob. "Da hab ich kurz gedacht, ich sei im falschen Film", seufzte Natal-Verteidiger Pavel Kulic später.

Doch Natal ABC wäre nicht Natal ABC, wenn sie nicht wenigstens für Unterhaltung sorgen würden. In der 41. Minute flankte Joan Jorge butterweich von links, Samuel Cunningham stieg am höchsten - und plötzlich war wieder Leben im Stadion: 1:2! "Da war für einen Moment Gänsehaut", berichtete ein Fan, "bis wir merkten, dass Campina gar nicht beeindruckt war."

Denn die Gäste kamen nach der Pause mit derselben kalten Präzision zurück. Wieder Bogusz, wieder mit Nachdruck, wieder nach Vorlage von - richtig geraten - Alberto Talao. Der Mann war an diesem Abend das personifizierte Chaos für Natal. "Ich wollte eigentlich defensiv stehen", sagte Heimtrainer (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) mit leicht zynischem Lächeln, "aber offenbar hat das meine Abwehr anders verstanden."

Doch Hoffnung keimte noch einmal auf. Der 17-jährige Lew Prudnikow, ein Lokalheld in der Mache, traf in der 60. Minute nach Vorlage von Harrison Bosworth zum 2:3. Ein Tor, das mehr nach Zukunft als nach Gegenwart schmeckte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Teenager später - und das Publikum tobte. Für ganze zehn Minuten. Dann übernahm wieder die Realität das Kommando.

Campina Grande wechselte in der Schlussphase klug, brachte frische Beine - und einen weiteren Teenager. Der 17-jährige Pedro Pacos kam in der 83. Minute, und in der 87. zeigte er, dass auch er nicht zum Sightseeing angereist war. Nach Vorarbeit von Innenverteidiger Nelson de Freitas jagte er den Ball zum 4:2-Endstand ins Netz. "Ich hab gar nicht viel nachgedacht", sagte Pacos hinterher, "ich wollte nur nicht auffallen - das hat wohl nicht geklappt."

Statistisch betrachtet war das Spiel eine kleine Ironie des Fußballgottes: 59,7 Prozent Ballbesitz für Natal, 9 Schüsse aufs Tor - aber vier Gegentreffer bei 15 Versuchen von Campina. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", fasste Maarten Haswell trocken zusammen. Gelbe Karten gab’s auch: Joan Jorge sah nach einem rustikalen Einsteigen Gelb, ebenso Campinas Dauerläufer Talao, der sonst an fast allem beteiligt war, was gefährlich roch.

Die letzte Viertelstunde war dann ein Lehrstück in Spielverwaltung. Campina Grande, taktisch durchgehend offensiv, spielte plötzlich mit der Abgeklärtheit eines Schachmeisters, während Natal ABC zwar weiter anlief, aber sichtlich die Ideen ausgingen. "Wir wollten unser Spiel machen", sagte Keeper Humberto Barros, "aber irgendwann war’s eher Kunstturnen als Fußball."

Coach Wassermann dagegen schien mit sich und der Welt im Reinen: "Wir waren effizient, zielstrebig, und ehrlich gesagt: ein bisschen frech. Genau so soll Fußball sein."

Fazit: Campina Grande gewann verdient, weil sie das Spiel ernst nahmen, als Natal ABC noch philosophierte. Zwei junge Torschützen, ein Assist-Dauerbrenner und ein Gegner, der sich selbst im Weg stand - das sind die Zutaten für eine Geschichte, die in Campina mit Applaus und in Natal mit Kopfschütteln endete.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn Ballbesitz Punkte gäbe, wären wir Meister. Leider zählt immer noch das Runde im Eckigen."

11.10.643996 04:33
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Wenn ich über das Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.
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