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Capelle stolpert im Pokal-Halbfinale - Ayax jubelt in der Verlängerung

Es war ein lauer Maiabend in Capelle, 40.000 Zuschauer im Stadion, die Sonne war gerade hinter den Tribünen verschwunden, als der Ball zum Pokal-Halbfinale zwischen Capelle und Ayax Amsterdam freigegeben wurde. Und kaum hatten sich die Fans auf ihren Sitzen eingerichtet, bebte die Arena schon - Tomasz Pasieka hatte nach fünf Minuten getroffen. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste der bullige Mittelstürmer später, und fügte augenzwinkernd hinzu: "Wenn man so früh führt, denkt man ja kurz, das wird ein Spaziergang." Nun, es wurde keiner.

Ayax Amsterdam, von Trainer Jochen Eichhorst mit typisch niederländischer Ruhe eingestellt, ließ sich vom Rückstand nicht aus dem Konzept bringen. Vaclav Simak und Daniel Willoughby, die beiden Angreifer, kombinierten sich immer wieder durch die Capeller Abwehr. In der 28. Minute war es dann soweit: Willoughby drückte nach einem sehenswerten Zuspiel von Agemar Travassos den Ball über die Linie - das 1:1, und das völlig verdient. "Wir wussten, dass Capelle früh Druck macht", erklärte Eichhorst später. "Aber wir wussten auch, dass sie das nicht ewig durchhalten."

Capelles Trainer Micheal Jackson - der übrigens trotz seines Namens nicht tanzte, sondern schimpfte - sah das naturgemäß anders. "Die Jungs haben alles gegeben. Aber irgendwann war klar, dass Ayax mehr Power im Mittelfeld hatte." Tatsächlich zeigte die Statistik, dass Amsterdam über 56 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüsse verzeichnete, während Capelle mit 43,8 Prozent Ballbesitz und 11 Schüssen etwas hinterherhinkte.

Nach dem frühen Feuerwerk flaute das Spiel kurzzeitig ab. Capelle versuchte, mit langen Bällen auf Pasieka und später den eingewechselten Benjamin Keil Nadelstiche zu setzen. Die Gäste dagegen spielten geduldig, fast stoisch, mit kurzen Pässen durchs Zentrum. Besonders auffällig: der 23-jährige Vaclav Simak, der mit jugendlicher Unbekümmertheit immer wieder den Abschluss suchte - ganze acht Torschüsse gingen auf sein Konto. "Ich wollte unbedingt treffen", sagte er nach dem Spiel und grinste breit. "Hat nicht geklappt, aber Daniel hat’s zweimal gemacht, das zählt."

Die zweite Halbzeit blieb torlos, aber keineswegs langweilig. Zivojin Basta prüfte den Ayax-Keeper Nebojsa Jevtic mit einem satten Schuss in der 56. Minute, und Evan Broderick setzte in der 86. Minute noch einen drauf. Doch Jevtic, der Mann mit den Katzenreflexen, war nicht zu überwinden. Auf der anderen Seite musste Capelles Torwart Mattia Castello mehrfach sein ganzes Können zeigen - besonders gegen Espen Coeyman (92.) und wieder Willoughby (107.).

Dann kam die Verlängerung. Beide Teams wirkten erschöpft, die Beine schwer, die Gedanken träge. Und doch hatte Ayax noch eine Idee mehr. In der 111. Minute setzte Simak zum Solo an, legte quer zu Willoughby - und der traf eiskalt. 2:1 für Ayax. Der Jubel war grenzenlos, die Capeller Verteidigung dagegen stand wie eingefroren. "Wir wussten, dass sie irgendwann eine Lücke lassen", kommentierte Willoughby trocken. "Das war unsere Chance."

Die Schlussphase war ein einziger Sturmlauf der Gastgeber, angefeuert von 40.000 Kehlen. Fabio Caruso, der alte Haudegen, war da schon runter, Akakios Kyrastas rannte über rechts, als ginge es um sein Leben. Doch der Ausgleich wollte nicht fallen. Jackson trommelte an der Seitenlinie, Eichhorst kaute an seinem Kaugummi - und der Schiedsrichter pfiff schließlich ab.

Ayax Amsterdam zieht mit einem 2:1 (1:1) nach Verlängerung ins Pokalfinale ein. Capelle bleibt nur der bittere Applaus für eine couragierte Leistung. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Jackson, sichtlich enttäuscht, aber gefasst. "Wir waren nah dran. Vielleicht zu nah, um klar zu bleiben."

Und so endet ein Spiel, das alles hatte: frühe Euphorie, taktische Raffinesse, späte Dramatik - und den typischen Pokal-Zauber, der Helden und Herzschmerz zugleich produziert. Die Capeller Fans sangen noch lange nach Abpfiff, als die Ayax-Spieler längst in der Kabine verschwunden waren. Vielleicht, weil sie wussten: Manchmal ist Verlieren auch eine Art von Größe.

Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wir haben verloren - aber wenigstens gegen eine Mannschaft, die Fußball spielen kann." Ein Satz, der vermutlich noch bis zum nächsten Pokalhalbfinale in Capelle nachhallen wird.

11.05.644000 05:57
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Ich würde am liebsten zu Hause die Rollläden runterlassen, aus der Konservendose essen und mit einem Sack über dem Kopf Feldwege laufen.
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