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Capelle tanzt den Eindhoven-Blues - 2:1-Heimsieg mit Pop-Appeal

Wenn ein Trainer Michael Jackson heißt, darf man wohl auch ein bisschen Show erwarten. Und die bekamen die 34.011 Zuschauer in Capelle beim 2:1-Sieg ihres Teams gegen PVC Eindhoven reichlich geboten - inklusive Moonwalk am Spielfeldrand, zumindest gefühlt.

Das Spiel begann, als hätte Capelle die Choreografie schon im Schlaf geübt. Kaum fünf Minuten waren gespielt, da tanzte Finlay McShane, der 33-jährige Rechtsaußen mit der Ausstrahlung eines Rockstars, durch die Defensive der Gäste und vollendete eiskalt zum 1:0. Der Pass kam von Innenverteidiger Ivica Bisevac, der anschließend grinsend meinte: "Ich wollte eigentlich nur klären, aber Finlay hat wohl einen anderen Plan gehabt."

Eindhoven, defensiv eingestellt, aber mit jugendlichem Elan (Durchschnittsalter knapp 23, also noch in der Boyband-Phase), fand zunächst kaum in den Rhythmus. Die ersten Torschüsse von Jacques Diarra und Nelio Viana landeten zuverlässig in den Händen von Capelles Keeper Szabolcs Puskas, der nach dem Spiel trocken kommentierte: "Ich hatte mehr Ballkontakte als unser Mittelstürmer."

Trainer Markus Frey, der auf der Gäste-Bank zunehmend nervös mit seinem Kaugummi kämpfte, versuchte, seine Elf durch lautes Klatschen aufzuwecken. "Wir wollten über die Flügel kommen, aber Capelle hat uns die Bühne genommen", erklärte er später.

Und tatsächlich: Capelle spielte mit 15 Torschüssen klar zielstrebiger als Eindhoven (9), auch wenn der Ballbesitz mit 48 zu 52 Prozent eher auf Seiten der Gäste lag. Doch Statistik gewinnt keine Spiele - Tore schon.

Nach der Pause schien Eindhoven kurzzeitig das Drehbuch umzuschreiben. 47. Minute: Vincent Lansing, eigentlich linker Verteidiger, stürmte plötzlich nach vorne, bekam den Ball von Viana und versenkte ihn mit der Abgeklärtheit eines Routiniers. 1:1 - und plötzlich herrschte in der Capeller Kurve betretenes Schweigen.

"Da hab ich kurz gedacht: Jetzt kippt das hier", gestand Capelle-Coach Michael Jackson später. "Aber dann fiel mir ein: Wir sind Offensiv-Team - kein Thriller, sondern Smooth Operators!"

Und tatsächlich: 13 Minuten später, in der 60. Minute, kam der große Auftritt von Ari Peltonen. Der finnische Linksaußen, bisher eher unauffällig, bekam von Matej Moder einen Ball serviert, den man nur als Liebeserklärung bezeichnen kann - halb Flanke, halb Pass, ganz Magie. Peltonen nahm aus vollem Lauf Maß und schweißte das Leder unhaltbar unter die Latte. 2:1, das Stadion bebte.

Eindhoven versuchte zu reagieren, doch dann kam die 73. Minute - und Louis Masse, der junge Rechtsverteidiger der Gäste, traf zunächst den Gegner und dann die Dusche. Gelb-Rot, durchaus verdient, nach einem rustikalen Zweikampf, den selbst in der Bezirksliga niemand mehr sehen will. Trainer Frey stöhnte: "Er ist 19, er lernt noch. Leider in Echtzeit."

In Unterzahl wurde Eindhoven offensiv zwar wütender, aber nicht gefährlicher. Karel Cure sah noch Gelb (81.), Nicolaas Vanderveer ebenfalls (91.), und der Schlusspfiff kam für die Niederländer einer Erlösung gleich.

Capelle hingegen ließ sich feiern. McShane, der frühere Torschütze, scherzte: "Wenn der Trainer wirklich tanzt, tanze ich mit." Und tatsächlich, Michael Jackson - der Coach - lächelte nur geheimnisvoll und sagte: "Ich spar mir das für die Kabine auf."

Die Statistik erzählte am Ende eine klare Geschichte: Capelle gewann nicht, weil sie mehr Ballbesitz hatten, sondern weil sie wussten, was sie mit dem Ball anfangen sollten. 15 Schüsse aufs Tor, zwei davon drin, dazu eine Zweikampfquote von über 53 Prozent - das nennt man Effizienz mit Stil.

Für Eindhoven bleibt die Erkenntnis, dass Defensivfußball ohne Disziplin selten funktioniert. Und dass man Spiele nicht mit Gelben Karten, sondern mit Toren gewinnt.

"Wir haben zu spät den Mut gefunden", resümierte Frey, "aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir kämpfen können." - Ein Satz, der wohl als Trostpflaster taugt, aber kaum als Schlagzeile.

Capelle dagegen darf weiter träumen - von höheren Tabellenregionen, von weiteren Heimspielen mit 34.000 euphorischen Fans und vielleicht auch vom nächsten großen Auftritt ihres Trainers. Denn nach diesem Abend weiß man: Wenn Michael Jackson an der Seitenlinie steht, ist selbst ein 2:1 ein kleines Popkonzert.

Und wer weiß - vielleicht war das nicht nur ein Sieg, sondern der Beginn einer neuen Capelle-Ära. Der Beat stimmt jedenfalls.

30.05.643997 20:27
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Dazu müsste erst einmal ein Bundestrainer zum Betzenberg kommen. Der Letzte war meines Wissens Sepp Herberger.
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