// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Wenn ein Team namens Capelle unter einem Trainer namens Micheal Jackson auftritt, darf man wohl ein bisschen Show erwarten. Und tatsächlich - beim 2:1-Erfolg in Eindhoven tanzte der Außenseiter aus Capelle phasenweise auf dem Rasen, als hätte jemand "Smooth Criminal" eingelegt. 43.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger von taktischer Perfektion als vielmehr von Leidenschaft, Kontern und einem Hauch Chaos lebte. PVC Eindhoven begann stürmisch. Schon in der zweiten Minute prüfte Vitor Tonel den jungen Capelle-Keeper Szabolcs Puskas mit einem satten Linksschuss. Eine Minute später folgte Giuseppe Romagnoli mit der nächsten Chance. Doch wie so oft in dieser Saison fehlte dem Team von Markus Frey die letzte Präzision - oder, wie Trainer Frey später seufzte: "Wir schießen uns die Bälle schön warm, aber leider nur den gegnerischen Torwart." Capelle ließ sich vom frühen Druck nicht beeindrucken. Stattdessen konterte die Truppe taktisch klug, lauerte auf Fehler und schlug in der 11. Minute eiskalt zu: Linus Kukielka, der flinke Rechtsaußen, verwertete einen perfekten Steckpass von Manuel Derlei zum 0:1. "Ich hab einfach nur instinktiv abgeschlossen", grinste Kukielka nach dem Abpfiff, "der Ball wollte wohl selbst rein." In der Folge kämpfte Eindhoven gegen den Rückstand - und gegen die eigene Ungeduld. Zwei Gelbe Karten (Putnam in der 4., Thomassen in der 21.) dokumentierten, dass die Emotionen hochkochten. Die Fans auf den Tribünen schrien, als würde es um die Meisterschaft gehen, während Trainer Frey an der Seitenlinie wild gestikulierte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft Markus die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat", witzelte ein Journalist auf der Pressetribüne. Nach dem Seitenwechsel kam Eindhoven mit verändertem Gesicht zurück: statt Flügelspiel nun mehr Angriffe durch die Mitte, Kurzpassspiel statt langer Bälle. 52. Minute - endlich der Lohn: Nelio Sandoval traf nach Vorlage von Romagnoli zum verdienten 1:1. Das Stadion bebte. "Da dachte ich: Jetzt kippt das Spiel!", rief Kapitän Vidar Thomassen später. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Nur elf Minuten später schlug Capelle erneut zu. Diesmal war es der junge Evan Broderick, der aus der zweiten Reihe abzog und mit einem präzisen Flachschuss ins rechte Eck traf. Göran Vidarsson hatte klug aufgelegt, Broderick vollendete mit der Coolness eines Routiniers. "Ich bin kein Torjäger", sagte er bescheiden, "aber manchmal muss man einfach draufhalten." Trainer Micheal Jackson - nein, er moonwalkte nicht an der Seitenlinie - kommentierte trocken: "Wir wollten nicht nur tanzen, wir wollten auch treffen." Eindhoven drückte, Capelle verteidigte. 8:9 Torschüsse, 42 zu 57 Prozent Ballbesitz - die Zahlen sprechen von einem ausgeglichenen, aber diszipliniert geführten Spiel der Gäste. Besonders auffällig: Capelles Kompaktheit im Mittelfeld, wo Derlei und Broderick fast jeden Passweg zustellten. Eindhoven versuchte es mit allen Mitteln - selbst Innenverteidiger Dedrick Dag tauchte im gegnerischen Strafraum auf, wurde aber in der 60. Minute ausgewechselt. In der Schlussphase brachte Frey frische Kräfte: Nemeth, später Viana und am Ende der junge Vincent Lansing. Doch der erhoffte Lucky Punch blieb aus. Im Gegenteil - Capelle lauerte weiter auf Konter und hätte durch Ari Peltonen beinahe noch erhöht, doch Torwart Samuel Poe rettete spektakulär. Nach dem Schlusspfiff wirkte Frey gefasst, aber enttäuscht: "Wir haben das Spiel bestimmt, aber nicht gewonnen. Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz - nur lacht keiner." Sein Gegenüber Jackson grinste breit: "Ich finde, das war ein ziemlich guter Witz heute." Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus - vielleicht auch, weil sie wussten, dass sie ein Spiel gesehen hatten, das mehr zu bieten hatte als bloß Zahlen. Leidenschaft, Drama, kleine Patzer, große Momente - das ganze Fußballleben in 90 Minuten. Und irgendwo in der Kabine von Capelle soll Trainer Jackson leise gepfiffen haben - kein Popklassiker, sondern einfach nur ein zufriedenes Summen. Wer weiß, vielleicht war es der Soundtrack eines Abends, an dem Capelle nicht nur gewann, sondern Eindhoven auch ein bisschen Rhythmus beibrachte. 22.01.643997 06:00 |
Sprücheklopfer
Denen wurde anscheinend kalt da draußen. Da haben sie halt hin und wieder die Fahne gehoben, damit sie nicht einfrieren!
Thomas Häßler über zwei Schiedsrichterassistenten