De Standaard
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Cappellen siegt spät - Boulanger erlöst die Fans in der 88. Minute

Es war einer dieser Abende, an denen 10.500 Zuschauer im kleinen Stadion von Cappellen FC spürten: Hier liegt etwas in der Luft. Nur - es wollte lange nicht zünden. 87 Minuten lang belagerte Cappellen den Strafraum von Namur United, schoss, flankte, rannte - und scheiterte. An sich selbst, am Rasen, an der Gravitationskraft, und vor allem an einem glänzend aufgelegten Alexandre Nelis im Tor der Gäste. Erst als fast alle schon mit einem torlosen Unentschieden haderten, kam Luke Boulanger. 88. Minute. Eine Flanke von Sebastien Lisabeth, ein kurzer Blick, ein trockener Schuss. 1:0. Endlich.

"Ich hab’s einfach draufgehalten. Wenn du 19 Mal danebenhaust, darfst du beim 20. Mal ruhig treffen", grinste Boulanger nach dem Spiel, während ihm seine Teamkollegen die Haare zerzausten. Trainer Van Dijk - ein Mann mit der Geduld eines Uhrwerks - nickte zufrieden: "Wir haben genau das gespielt, was wir trainiert haben. Nur meistens eben ohne Tor."

Tatsächlich war das Spiel ein Musterbeispiel für Dominanz ohne Ertrag. Cappellen FC hatte 58,8 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, drei Gelbe Karten - und über 80 Minuten eine bemerkenswerte Mischung aus Verzweiflung und Zuversicht. Namur United dagegen kam auf exakt einen einzigen Torschuss - in der 56. Minute, abgegeben von Wout Debakker, der danach selbst überrascht wirkte, dass er einmal in der gegnerischen Hälfte stand.

Trainer José Delgardo von Namur nahm das Ergebnis mit einem Schulterzucken: "Wir wollten kompakt stehen. Das ist uns gelungen. Nur das Gegentor war - sagen wir mal - unkompakt." Sein Torwart Nelis, der bis zur 75. Minute ein Held war, musste da schon von der Bank aus zusehen. Der 17-jährige Nicolaas Van Vleck hatte ihn ersetzt - Delgardo nannte das "eine geplante Maßnahme". Die Fans von Namur nannten es später im Internet "pädagogischen Wahnsinn". Immerhin: Der junge Van Vleck kassierte nur ein Tor, und das war unhaltbar.

Cappellen spielte von Beginn an offensiv, wie es die Taktikdaten verraten: OFFENSIVE Ausrichtung, BALANCED Angriffsspiel, SURE beim Torschussverhalten - also geduldig Chancen suchen. Geduldig waren sie, keine Frage. Schon in der 2. Minute prüfte Jelle Dens den Keeper, kurz darauf folgten Viana, Boulanger, Bogusz, Cerny - ein Feuerwerk ohne Rauch. "Ich dachte irgendwann, der Ball ist verhext", sagte Kapitän Lubos Cerny. "Ricardo hat sogar mal den Pfosten angeschossen. Da hab ich kurz gebetet."

Der erste Durchgang endete 0:0, und auf der Tribüne fragte ein älterer Fan seinen Enkel: "Sind das eigentlich Trainingsspiele?" Der Enkel zuckte: "Vielleicht warming up für nächste Woche." Humor war nötig, denn Chancen für Namur gab es kaum. Die Gäste standen tief, so tief, dass selbst ihre Stürmer zeitweise als Innenverteidiger durchgingen.

In der zweiten Halbzeit das gleiche Bild: Cappellen drückte, Namur verteidigte - und zwar mit der Präzision eines Metronoms. Dries Lisabeth sah in der 58. Minute Gelb, Karsten Grimm vier Minuten später, Sebastien Lisabeth in der 81. - drei Verwarnungen, die sinnbildlich für den Frust standen. "Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen", meinte Grimm hinterher. "Der Schiri wollte das offenbar auch spannend halten."

Dann kam die 88. Minute. Lisabeth, der Ältere, zog auf links durch, flankte mit letzter Kraft - und Boulanger, immer wieder gescheitert an diesem Abend, traf endlich. Das Stadion explodierte. Kinder schrien, Erwachsene weinten, und irgendwo auf der Trainerbank verschüttete jemand seinen Kaffee. 1:0 - das Ergebnis stand, das Spiel war entschieden.

Nach dem Schlusspfiff war die Erleichterung greifbar. "Wir hätten heute auch 5:0 gewinnen können", sagte Cerny, "aber 1:0 ist eleganter. Weniger Stress für die Statistik." Der Trainer nickte. "Ich sag’s mal so: Wir haben heute Geduld trainiert. Und Boulanger hat bestanden."

Für Namur United blieb nur die Erkenntnis, dass man mit einem einzigen Torschuss selten ein Spiel gewinnt. Delgardo brachte in der 85. Minute noch zwei 17-Jährige - vielleicht als Zeichen, dass man an die Zukunft glaubt. Oder einfach, weil die Gegenwart zu anstrengend war.

So bleibt ein Abend, der weniger durch Spektakel als durch Durchhaltevermögen in Erinnerung bleiben wird. Cappellen FC hat sich mit diesem 1:0 (0:0) verdient drei Punkte gesichert - und bewiesen, dass Fußball manchmal einfach Kopfsache ist. Oder, wie Boulanger lächelnd sagte, während er zum Bus ging: "Wenn du’s oft genug versuchst, klappt’s irgendwann. Manchmal halt erst in der 88."

22.01.643997 20:26
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Beim Football muß man nicht ins Tor schießen, sondern oben drüber. Das konnte ich schon immer ganz gut.
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