Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Carlsen trifft früh, Carmel hält dicht - ein Arbeitssieg mit Stil

Es war ein lauer Aprilabend im Stadion von Tirat Carmel, 40 362 Zuschauer hatten sich eingefunden, um zu sehen, ob ihre Mannschaft den "Möwen von Acre" die Flügel stutzen würde. Nach 90 Minuten stand fest: Ja, sie taten es - wenn auch ohne großes Spektakel, aber mit bemerkenswerter Konsequenz. Tirat Carmel FC gewann am 17. Spieltag der 1. Liga Israel mit 1:0 (1:0) gegen die Acre Seagulls, und das frühe Tor von Sigurd Carlsen in der vierten Minute reichte, um drei Punkte einzutüten.

Die Partie begann, als hätte Trainerin Babsi Klemm ihren Spielern statt einer Taktiktafel eine Stoppuhr gegeben: "Schnell zuschlagen, bevor sie merken, dass das Spiel begonnen hat", scherzte sie später. Und genau das tat ihr Team. Nach einer kurzen Kombination über die linke Seite landete der Ball über Ansgar Henriksson bei Carlsen, der aus zwölf Metern trocken ins lange Eck schoss. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste der Torschütze - und das war vermutlich auch der realistischste Spielplan des Abends.

Danach entwickelte sich ein Spiel, das in der Statistik einseitiger nicht hätte aussehen können: 20 Torschüsse für Tirat Carmel, null für Acre. Ja, null. Die Seagulls präsentierten sich wie ein Vogel im Sturm - ständig flatternd, aber ohne Richtung. Ihr Ballbesitz war mit 48 Prozent zwar respektabel, doch alles, was sie damit anfingen, endete im Niemandsland zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum.

Torhüter Edward Whitman von Tirat Carmel hätte sich vermutlich einen Liegestuhl mitbringen können. "Ich hab’ in der Halbzeit gefragt, ob ich mir ein Buch holen darf", witzelte er nach dem Spiel. "Aber Babsi meinte, das wäre unsportlich."

Während Carmel weiter anrannte, verzweifelten die Gäste zunehmend an der eigenen Ideenlosigkeit. Vier Gelbe Karten - Sercan Cetin (37.), Philip Kosowski (49.), Eyal Levinger (83.) und Dani Tamuz (88.) - erzählten die Geschichte einer Mannschaft, die irgendwann anfing, mehr zu treten als zu spielen. Trainer der Seagulls, dessen Name in den offiziellen Unterlagen nicht auftauchte, stand stoisch an der Seitenlinie und schien innerlich stoßgebete zu murmeln.

"Wir wollten kompakt stehen", erklärte er später mit einem Lächeln, das eher nach Zahnarztbesuch aussah. "Leider standen wir zu kompakt, also eigentlich alle gleichzeitig im eigenen Strafraum."

Tirat Carmel hingegen spielte mutig und offensiv, wie es auch die taktische Marschroute vorgab. Frans Dahl, der quirlige Linksaußen, prüfte den Torwart der Gäste gefühlt im Zehn-Minuten-Takt. Zwischen der ersten und der 84. Minute feuerte er sieben Schüsse ab - und sah jedes Mal den verzweifelten Schaul Ehrlich (nein, kein Witz, der Torwart hieß wirklich so) fliegen.

Besonders auffällig: Trotz der Vielzahl an Chancen blieb Carmel erstaunlich geduldig. Kein wildes Ballgeschiebe, kein blindes Gebolze. Die Passquote stimmte, das Pressing blieb strukturiert. "Wir wollten nicht einfach nur draufhauen", erklärte Mittelfeldmotor Henriksson. "Wir wollten schön draufhauen."

Die zweite Halbzeit verlief wie ein Déjà-vu der ersten - Carmel kombinierte, Acre verteidigte, das Publikum seufzte, weil das 2:0 einfach nicht fallen wollte. Einmal, in der 70. Minute, als Carlsen wieder frei vor dem Tor auftauchte, brandete schon Jubel auf, doch der Ball zischte Zentimeter am Pfosten vorbei. "Ich wollte’s spannend machen", sagte der Norweger hinterher und zwinkerte.

Trainerin Babsi Klemm, die als eine der wenigen Frauen in der Liga an der Seitenlinie steht, war nach Schlusspfiff spürbar erleichtert: "So ein 1:0 ist wie eine Tasse starker Espresso - kurz, intensiv, und man ist froh, wenn’s vorbei ist."

Taktisch war ihr Team klar auf Angriff getrimmt: offensive Ausrichtung, stark in der Aggressivität, konzentriert im Abschluss. Die Seagulls dagegen blieben in ihrem "balanced mode" gefangen - ein Begriff, der auf dem Papier gut klingt, auf dem Platz aber wirkte, als hätten sie vergessen, den Offensivgang einzulegen.

Am Ende jubelte Tirat Carmel über einen verdienten, wenn auch glanzlosen Heimsieg. Die Fans sangen, die Mannschaft klatschte, und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Herr gemurmelt haben: "Wenn man 20-mal aufs Tor schießt und nur einmal trifft, dann ist das wenigstens effizient im Unterhaltungswert."

Vielleicht trifft er den Kern. Carmel holte drei Punkte, zeigte Kampfgeist und Humor - und beweist, dass auch ein 1:0 manchmal mehr über Charakter aussagt als ein 4:3.

Oder wie es Babsi Klemm in der Pressekonferenz zusammenfasste: "Manchmal reicht ein Tor. Hauptsache, es ist unseres."

02.08.643996 03:13
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Sprücheklopfer
Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten
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