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Wer zu spät kam, den bestrafte diesmal nicht das Leben, sondern der Verkehr rund ums Stadion: Schon in der ersten Minute stand es 1:0 für Tirat Carmel FC - ein Treffer, der am Ende den Unterschied machte. 43.644 Zuschauer sahen eine Partie, die furios begann und dann in eine Mischung aus Geduldsspiel und Nervenschlacht überging. Sigurd Carlsen, der rechte Flügelflitzer der Gastgeber, hatte offenbar keine Lust, sich erst einzuspielen. Nach einem schnellen Doppelpass mit Rasmus Clausen zog er von rechts in den Strafraum und schob eiskalt ins lange Eck ein. Torwart Morgan Lewis von den Kafr Kanna Greens streckte sich vergeblich - 1:0 nach 60 Sekunden. "Ich dachte ehrlich, der Schiedsrichter pfeift noch für den Anstoß an", grinste Carlsen später. Die Greens wirkten von diesem Blitzstart wie benommen. Während Tirat Carmel weiter im Offensivmodus blieb - Trainerin Babsi Klemm hatte ihre Elf klar offensiv ausgerichtet -, kamen die Gäste kaum zum Atmen. 20 Torschüsse verbuchten die Hausherren am Ende, Kafr Kanna brachte es auf magere drei. Besonders Isidoro Oliveira und Claude Gaudin prüften den gegnerischen Keeper mehrfach, allerdings ohne Fortune. "Das war wie Fliegen gegen eine Windschutzscheibe - immer wieder, aber ohne Durchkommen", kommentierte ein Fan auf der Tribüne mit Galgenhumor. Und so blieb es trotz drückender Überlegenheit beim knappen Vorsprung. Kafr Kanna wirkte zwar bemüht, aber harmlos. Ihr junger Mittelfeldmann Rechawam Ben-Shushan, gerade einmal 17 Jahre alt, sorgte in der 62. Minute immerhin für den einzigen gefährlichen Abschluss seiner Mannschaft in Halbzeit zwei. Ansonsten igelten sich die Greens ein, als wollten sie die 0:1-Niederlage möglichst stilvoll über die Zeit bringen. "Wir wollten ruhig bleiben, aber das frühe Gegentor hat uns den Plan zerlegt", erklärte Gästetrainer Curt Kraus nach dem Spiel. Seine Worte klangen abgeklärt - vielleicht auch ein wenig resigniert. Denn sein Team spielte über weite Strecken "balanciert", wie es auf dem Taktikzettel hieß, aber eben ohne Durchschlagskraft. Tirat Carmel dagegen drückte bis zum Schluss. Bram Sleeper, der linke Mittelfeldmann, versuchte es aus allen Lagen - in der 54. Minute rauschte sein Schuss knapp vorbei. Innenverteidiger Eugenio Conte wollte offenbar auch mal in die Torschützenliste, feuerte gleich zweimal aus der Distanz (68. und 70. Minute). "Wenn der reingeht, ist das eine Bewerbung fürs Mittelfeld", witzelte Trainerin Klemm später. Doch trotz aller Offensivlust blieb es beim frühen 1:0. In der 66. Minute gab es immerhin noch Farbe: Verteidiger Leandro Djalo sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, das den Gegner auf der Laufbahn landete. "Ich wollte nur den Ball treffen - der Ball war halt schnell", verteidigte sich Djalo lachend. In den letzten Minuten mobilisierte Tirat Carmel noch einmal alles. Oliveira drosch in der 87. Minute aus kurzer Distanz über das Tor, und in der Nachspielzeit versuchte sich Clausen mit einem Schlenzer, der knapp vorbeiging. "Irgendwann dachte ich, der Ball mag uns einfach nicht mehr", sagte Oliveira hinterher - ein Satz, der das Spiel treffend zusammenfasst. Statistisch war es eine klare Angelegenheit: 54 Prozent Ballbesitz, fast doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe und eine Schussbilanz wie aus einem Trainingsspiel. Doch auf der Anzeigetafel stand nur 1:0. Coach Babsi Klemm nahm es gelassen: "Ein frühes Tor ist wie ein Geschenk - aber manchmal weiß man nicht, ob’s eine Uhr oder eine Zeitbombe ist." Am Ende blieb die Zeitbombe entschärft. Die Greens fanden kein Mittel, und Tirat Carmel feierte einen Sieg, der knapper aussieht, als er war. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - und vielleicht auch mit einem Seufzer der Erleichterung. Denn wer gleich in der ersten Minute trifft und dann 89 Minuten die Nerven behält, hat nicht nur drei Punkte verdient, sondern auch einen Platz im kollektiven Gedächtnis der Liga. Und Sigurd Carlsen? Der grinste breit: "Wenn ich wieder so früh treffe, können wir uns alle früher schlafen legen." Ein Satz, der nach diesem Spieltag wohl vielen gefallen dürfte. 08.07.644000 12:12 |
Sprücheklopfer
Eines möchte ich noch kurz anfügen. Auf der Homepage meines Kollegen Thomas Sobotzik habe ich gelesen, dass ich seinem Sohn so ähnlich sehe. Mit Frau Sobotzik habe ich aber schmunzelnd ausgemacht, dass an dieser Geschichte nichts dran ist.
Jan-Aage Fjörtoft