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Es war Samstagabend, 20.30 Uhr, Flutlicht, 8236 Fans im Stadio Erasmo Iacovone - perfekte Bedingungen für einen heißen Fußballabend in Taranto. Nur: heiß wurde es ausschließlich für die Gäste. Cassino spielte mit einer Leichtigkeit, als sei der Ball ihr bester Freund, während der AC Taranto wirkte, als habe er gerade erst herausgefunden, dass man Tore auch schießen darf. Am Ende hieß es 0:3 (0:2) - und das war fast noch schmeichelhaft für die Hausherren. Schon nach zwei Minuten war die Stimmung im Stadion so frostig wie ein Apulischer Wintermorgen. Carlo Cocco, Cassinos quirliger Mittelfeldmann mit der Eleganz eines Dirigenten, traf früh, nach schöner Vorarbeit von Davide Mantovani. Während der Ball noch im Netz zappelte, drehte sich Tarantos Keeper Friedrich Hesse ungläubig um - und fand statt einer Abseitsfahne nur das hämische Lächeln des Schiedsrichterassistenten. "Das war ein Weckruf, aber keiner ist aufgewacht", knurrte Tarantos Trainer Lasse Reden später. Cassino legte nach, als Taranto gerade begann, den Ball länger als zehn Sekunden in den eigenen Reihen zu halten. In Minute 32 dribbelte sich der 20-jährige Anthony Roggiano über links durch, bekam den Ball vom aufrückenden Linksverteidiger Piergiorgio Sabatini perfekt serviert und schob eiskalt ins lange Eck. 0:2 - und man hatte das Gefühl, dass im Stadion nur die Gästefans noch Stimme hatten. Taranto mühte sich, keine Frage. Attila Soos, der erfahrene Stürmer, versuchte es mehrfach - in der 5., 73. und 77. Minute, laut Statistik. Doch seine Schüsse erinnerten eher an Warnsignale für die Tauben auf der Tribüne als an ernsthafte Torversuche. Insgesamt brachte Taranto sechs Schüsse aufs Tor, während Cassino stolze 18 Mal auf Hesse einhämmerten. Kurz vor der Pause gab’s dann noch einen Schuss in die Magengrube: Andrew Benett holte sich Gelb ab - für ein Foul, das man wohlwollend als "übermotiviert" bezeichnen darf. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", verteidigte er sich später mit einem müden Lächeln. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Cassino ließ den Ball laufen, Taranto lief hinterher. In der 49. Minute machte Roggiano endgültig den Deckel drauf - sein zweiter Treffer, diesmal nach Vorarbeit von Pietro Marconi. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Doppelpass, Sprint, Schuss, Jubel. Tarantos Verteidiger schauten sich gegenseitig an, als wollten sie sagen: "War das jetzt wirklich schon wieder der Gleiche?" Während Cassino weiter kombinierte, reagierte das Publikum zunehmend mit Galgenhumor. Ein Fan rief laut: "Wir sollten vielleicht auch mal schießen!" - woraufhin ein anderer trocken antwortete: "Erst müssen wir den Ball haben!" Die Statistik bestätigte den Spott: Cassino hatte mit knapp 53 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber deutlich mehr Kontrolle. In den letzten Minuten wurde es nur noch ruppig. Gelbe Karten für Salvador Simao (70.) und Cassinos Rechtsverteidiger Eugenio Marino (83.) sorgten für kurze Unruhe, aber nicht für Spannung. Cassino spielte das Ergebnis souverän herunter, als wüssten sie gar nicht, wie man ein Spiel noch verliert. Nach dem Abpfiff sprach Cassinos Torhüter Christian Saracena von einem "fast perfekten Auswärtsspiel". Trainer Reden hingegen suchte nach Worten: "Wir wollten kompakt stehen und mutig nach vorne spielen. Am Ende standen wir offen und mutlos hinten." Er grinste gequält. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach den Bus vorm Tor parken." Cassino-Coach, der nach Spielschluss gelassen auf der Bank blieb, fasste es nüchtern zusammen: "Wir haben früh getroffen, das hat vieles leichter gemacht. Und wenn man sieht, mit welcher Spielfreude die Jungs auftreten - da geht mir das Herz auf." Für Taranto hingegen wird es eine lange Woche. Die Fans pfiffen, die Spieler schauten betreten zu Boden, und selbst der Platzwart wirkte resigniert. "Ich hoffe, sie lassen mir wenigstens den Rasen heil", murmelte er, während Cassino jubelnd in die Kabine verschwand. So bleibt ein Abend, der für den AC Taranto als Warnung dienen sollte: Fußballspiele beginnen nicht erst nach 15 Minuten. Cassino hingegen zeigte, dass Effizienz manchmal schöner ist als jedes Ballbesitzgeplänkel. Drei Tore, drei Punkte, und ein Gegner, der noch immer nach Antworten sucht. Oder, wie ein älterer Cassino-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn man so spielt, darf man auch ein bisschen träumen." Und Taranto? Die dürfen weiter üben - am besten schon morgen früh. 09.04.643994 18:56 |
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