Tuttosport
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Catania jubelt zu früh - Gela dreht das Spiel in 70 Minuten

Ein lauer Frühlingsabend, 43.500 Zuschauer im Stadio Angelo Massimino, Flutlicht, Gesänge, und für 20 Minuten sah es so aus, als würde AS Catania den Fußballgöttern ein Festmahl servieren. Am Ende aber grinste nur einer: Gela-Coach Michael Müller, der mit seinem Team einen 2:4-Auswärtssieg feierte - und zwar nach einem wilden, völlig unitalienischen Schlagabtausch.

Catania begann, als wolle es alle Kritiker Lügen strafen, die ihnen zuletzt Ideenlosigkeit vorgeworfen hatten. Schon in der 11. Minute klingelte es im Kasten von Gela: Sergi Capucho, der flinke Portugiese auf der rechten Seite, zog nach feinem Zuspiel von Emiliano Calabro ab - und traf. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil ich keine Lust auf noch einen Querpass hatte", grinste Capucho später. Die Tribünen bebten, und Trainer Albern Albert klatschte an der Seitenlinie so heftig, dass sein Notizblock in hohem Bogen davonsegelte.

Doch die Euphorie hielt exakt acht Minuten. Gela, bisher nur als Statist unterwegs, erwachte mit einem Schlag. Pablo Tarrega - 31 Jahre, stoisch wie ein Stier - nutzte einen Zuckerpass von Daniel Fabbri und glich eiskalt aus (19.). Kaum hatte Catania den Ball wieder am Anstoßpunkt, legte Emiliano Pietrafitta auf der Gegenseite nach. Der Youngster traf nach einer butterweichen Flanke von Eskil Larsson zum 2:1 (21.). "Ich dachte, wir hätten sie geknackt", seufzte Trainer Albert später. Denkste: Nur eine Minute später konterte erneut Tarrega, diesmal nach Vorarbeit von Marco Frechaut, zum 2:2. Vier Tore in elf Minuten - der Espresso auf der Pressetribüne war noch nicht mal ausgetrunken.

Bis zur Pause entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Catania hatte etwas mehr vom Ball (49 Prozent), aber Gela war zielstrebiger. Lucas Cochran prüfte Keeper Lorenzo Mazza mit einem satten Schuss in der 27. Minute, während Rafael Brito auf der anderen Seite mehrfach das Aluminium erzittern ließ. Und irgendwo dazwischen kassierte Catanias Innenverteidiger Michiel Panis eine Gelbe Karte, weil er "den Ball spielen wollte, aber leider zuerst den Gegner traf", wie er mit einem Schulterzucken erklärte.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Drehbuch. Gela kam mit breiter Brust aus der Kabine, während Catania irgendwie den Elan in der Halbzeitpause vergessen hatte. In der 66. Minute fiel die Führung für die Gäste: Innenverteidiger Tahsin Caliskan, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, versenkte nach einer Ecke von Javier Vazques den Ball per Kopf - 2:3. "Ich wusste gar nicht, dass er so hoch springen kann", witzelte Kollege Cochran danach. Vier Minuten später machte David Martin mit einem Schlenzer ins lange Eck alles klar (70.), nach feinem Zuspiel von - natürlich - Tarrega.

Catania-Coach Albert reagierte mit hektischen Wechseln: Capucho musste runter, Solana kam, dann Demo für Calabro. Doch statt eines Aufbäumens gab es vor allem Gelbe Karten: Pietrafitta (81.) und Larsson (82.) sahen Gelb für Frustfouls. "Wir haben zu sehr mit den Schiedsrichterentscheidungen gehadert", ärgerte sich Albert.

Die Statistik sprach am Ende Bände: 14 Torschüsse für Catania, 11 für Gela, fast ausgeglichen beim Ballbesitz (49 zu 51 Prozent). Doch Effizienz schlägt Ästhetik - und Gela war eiskalt, während Catania zwar schön spielte, aber im Strafraum die Orientierung verlor.

"Wir wussten, dass Catania offensiv startet. Also haben wir gewartet, bis sie müde sind", erklärte Gela-Trainer Müller mit einem schelmischen Lächeln. "Ein bisschen wie beim Angeln - man braucht Geduld, dann beißen sie irgendwann selbst an."

Für Catania bleibt nach dieser 2:4-Heimpleite die Frage, ob man sich mit Offensivdrang überhebt. Die Taktik blieb über 90 Minuten offensiv, das Pressing halbherzig, und defensiv klafften Lücken groß wie der Ätna-Krater. "Wir wollten nach vorne spielen", verteidigte Albert seine Marschroute, "aber offenbar hat Gela das wörtlicher genommen."

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Gewohnheit. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste das Spiel treffend zusammen: "Catania ist wie mein Fiat - schön anzusehen, aber in der zweiten Halbzeit geht’s bergab."

Und so fuhr Gela, das sich nach der Pause in einen kaltschnäuzigen Konterapparat verwandelte, mit drei Punkten nach Hause. Tarrega, der Mann des Abends, lachte beim Abgang: "Ich hätte gern noch ein drittes gemacht, aber unser Busfahrer wollte früh los."

Am Ende bleibt ein Abend voller Tore, Emotionen und kleiner Tragödien - italienischer Fußball eben. Und während Gela in der Tabelle klettert, bleibt Catania mit der Erkenntnis zurück, dass Schönheit selten belohnt wird - zumindest nicht, wenn man hinten vier kassiert.

22.06.643997 21:13
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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