// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Im Estadio Cerrense bebte am Donnerstagabend die Luft - und nicht nur wegen der 31.588 Zuschauer, die sich bei mildem Wetter auf den Rängen versammelt hatten. CD Cerrense bezwang Atletico Tacuarembo mit 2:1 (1:1) und zeigte dabei all das, was Trainer Leahcim Gnipeur unter "kontrolliertem Chaos" versteht. Zwei Tore, drei Gelbe Karten und ein Taktikwechsel, der beinahe in einer Herzattacke des Trainers endete: das war Fußball, wie er sein sollte - laut, wild und mit einem Schuss Ironie. Die Partie begann, als hätte jemand den Pausenknopf vergessen. Bereits in der ersten Minute prüfte Joao Gomes den gegnerischen Keeper Samuel Pienaar mit einem satten Schuss aus 20 Metern - ein Warnsignal, das Tacuarembo allerdings eher als Einladung verstand. In der 17. Minute konterten die Gäste blitzschnell: Lars Vetter flankte von rechts, und Juriaan Metternich, der Mann mit der Frisur eines Gitarristen und der Präzision eines Uhrwerks, köpfte zum 0:1 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht - und gehofft, dass er reingeht", grinste Metternich nach dem Spiel. Doch Cerrense antwortete postwendend. Nur zwei Minuten später kombinierte sich der Gastgeber sehenswert durch die Mitte: Jose Enrique Vazquez legte quer, und Ryan Skene schob eiskalt zum 1:1 ein. "Das war eine richtige Wutreaktion", meinte Skene später. "Wir hatten uns geschworen, nicht wieder wie letzte Woche mit leeren Händen dazustehen." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. 52 Prozent Ballbesitz für Cerrense, 48 für die Gäste - Zahlen, die genauso eng beieinanderlagen wie die Zweikämpfe, bei denen sich Hans Jakobsen in der 7. Minute prompt Gelb abholte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich der linke Verteidiger lachend, "aber der Ball war halt zufällig in den Beinen des Gegners versteckt." Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag: In der 49. Minute brachte Joao Gomes eine butterweiche Flanke auf Vazquez, der den Ball humorlos in die Maschen drosch. 2:1 - und das Stadion stand Kopf. Trainer Gnipeur sprang an der Seitenlinie so hoch, dass er beinahe in der Coaching-Zone von Matheo Ronaldo landete, der sichtlich genervt war. "Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen", knurrte der Tacuarembo-Coach später. Danach begann die Zeit der verpassten Chancen. Bent Johansson und Gabriele Mandatoriccio prüften mehrfach den Cerrense-Keeper Jose Yago, der an diesem Abend zur menschlichen Wand mutierte. Gleich dreimal flog er in bester Torwart-Manier durch den Strafraum, um den Ball zu entschärfen. "Ich hab einfach gemacht, was Goalkeeper so machen - fliegen und hoffen", sagte Yago mit einem breiten Grinsen. Tacuarembo reagierte und wechselte in der 51. Minute den Torwart aus - offenbar aus Aberglauben, denn Samuel Pienaar musste Joseba Ronaldo Platz machen. Der junge Keeper konnte sich immerhin gleich zweimal auszeichnen, als er Schüsse von Nael Marques (64.) und Skene (67.) parierte. Doch seine Offensivkollegen fanden kein Mittel gegen die Cerrense-Abwehr, die trotz zweier später Gelber Karten - für Alejandro Xuarez (63.) und den 18-jährigen Silvestre Verdasco (92.) - standhielt wie ein Bollwerk aus Beton und jugendlicher Unvernunft. In den Schlussminuten drückte Tacuarembo mit aller Macht: Sieben Torschüsse in den letzten zwanzig Minuten, darunter ein wilder Versuch von Gabriele Mandatoriccio in der 89. Minute, der eher in die Kategorie "Fan-Souvenir" als "Torgefahr" fiel. "Ich hab ihn gut getroffen", sagte er, "nur leider den Ball nicht." Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Cerrense-Spieler in den Armen. Trainer Gnipeur, der den Sieg mit einem energischen Fauststoß in die Luft feierte, fasste das Spiel mit einem Lächeln zusammen: "Manchmal gewinnt der, der mehr lacht - und wir lachen heute alle." Atletico Tacuarembo hingegen blieb nur der Trost, das aktivere Team gewesen zu sein: 13 Torschüsse, aber eben nur ein Treffer. "Wir haben richtig Gas gegeben, aber Cerrense hatte einfach das Glück des Tüchtigen", resümierte Metternich, der Torschütze des Abends auf Gästeseite. So endet ein Spiel, das mehr Herz als System zeigte - ein Duell, das den Fußball in seiner schönsten Form präsentierte: unberechenbar, emotional und mit einem Hauch von Wahnsinn. Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Cerrense so spielt, braucht keiner mehr Popcorn - das ist Kino genug." 18.03.644003 20:55 |
Sprücheklopfer
Da haben Spieler auf dem Spielfeld gestanden, gestandene Spieler.
Günter Netzer