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Es war ein lauer Abend in Uruguay, aber auf dem Rasen des Estadio Cerrense brannte die Luft. 29.596 Zuschauer sahen am Dienstagabend ein Spiel, das mehr nach Pokal-Endspiel als nach regulärem 34. Spieltag roch. Am Ende stand ein 2:0 für CD Cerrense - verdient, gradlinig und mit jener Prise südländischer Dramatik, die man in der 1. Liga Uruguay so liebt. Schon in der 19. Minute fiel das, was man gemeinhin den Dosenöffner nennt. Rechtsverteidiger Alejandro Nani, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, zirkelte eine butterweiche Flanke in den Strafraum. Dort lauerte Jose Enrique Vazquez, der mit einem tänzerischen Hüftschwung den Verteidiger abschüttelte und den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 über die Linie drückte. Ein Tor wie ein Espresso: kurz, kräftig, wachmachend. "Ich habe einfach gespürt, dass der Ball kommt", grinste Vazquez nach dem Spiel und zupfte an seinem Stirnband. "Und wenn Nani mal flankt, muss man die Gelegenheit nutzen - das kommt ja nicht alle Tage vor." Central Hispana, das Team mit dem stolzen Namen und dem blassen Auftritt, hatte theoretisch mehr Ballbesitz - 51,6 Prozent -, aber das war wohl eher kosmetischer Natur. Ihre drei Torschüsse, verteilt über 90 Minuten, wirkten wie freundliche Erinnerungen daran, dass sie auch mitspielten. In der 23. Minute prüfte Javi Prieto mit einem harmlosen Versuch Torwart Joseba Mendes, der den Ball vermutlich auch mit geschlossenen Augen gefangen hätte. Trainer Leahcim Gnipeur von Cerrense stand währenddessen an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und nickte zufrieden. "Wir wollten offensiv bleiben, aber nicht kopflos. Die Jungs haben das verstanden. Und Vazquez… naja, der macht das, wofür wir ihn bezahlen." Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand den Spielfilm auf Zeitlupe gestellt. Cerrense kombinierte ruhig, fast schläfrig, während Central Hispana auf seine eine große Chance wartete - die nie kam. Stattdessen schickte Gnipeur in der 62. Minute Salvador Meira für Nael Marques und zwei Minuten später den erfahrenen Gerd Vilhelmsen aufs Feld. Der 34-Jährige brachte sofort Ruhe ins Spiel, oder, wie er später sagte: "Ich hab einfach mal den Ball behalten. Irgendwer musste das ja machen." In der 87. Minute dann der endgültige Stich ins Herz der Gäste: Nach einer Ecke von Sean MacPhee stieg Innenverteidiger Alejandro Xuarez am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf zum 2:0 ins Netz. Da war nichts mehr zu halten, weder für Keeper Nestor da Costa noch für die Moral von Central Hispana. Xuarez jubelte wie ein Stürmer - und kassierte vier Minuten später dafür eine gelbe Karte, weil er offenbar vergessen hatte, dass Trikotausziehen immer noch verboten ist. "Das war’s wert", meinte er hinterher mit einem Grinsen, das fast so breit war wie sein Kopfballradius. Cerrense ließ danach nichts mehr anbrennen. Selbst der 19-jährige Pol Longas, der in der 93. Minute einen beherzten Schuss aufs Tor setzte, durfte sich noch ins Rampenlicht schießen - allerdings hatte er zuvor in der 85. Minute Gelb gesehen, weil er eine Grätsche ausführte, die eher an Eishockey erinnerte. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 14 Torschüsse für Cerrense, nur 3 für Central Hispana. Ballbesitz knapp ausgeglichen, aber Zweikampfquote 56 Prozent für die Hausherren - man könnte sagen, sie wollten es einfach mehr. "Wir haben zu brav gespielt", räumte Hispana-Trainer, der ungenannt bleiben wollte (und das wohl auch besser so), nach dem Spiel ein. "Cerrense war galliger, bissiger, frecher - und das sind meistens die Zutaten, die du brauchst, wenn du gewinnen willst." Als der Schlusspfiff ertönte, war das Stadion ein einziges rot-schwarzes Meer aus Fahnen, Rauch und Gesängen. Der Mann des Abends, Jose Enrique Vazquez, wurde von den Fans gefeiert, während Trainer Gnipeur mit einem trockenen "Gute Arbeit, aber wir können das noch besser" in den Kabinengang verschwand. Cerrense beendet damit eine kleine Durststrecke und schiebt sich wieder in die obere Tabellenhälfte. Central Hispana hingegen wird sich fragen müssen, wie man mit so viel Ballbesitz so wenig Torgefahr entwickeln kann. Vielleicht sollten sie beim nächsten Mal einfach auch mal schießen - sicher ist sicher. Und irgendwo im nächtlichen Montevideo, so munkelt man, hat Leahcim Gnipeur in sein Notizbuch geschrieben: "Nani darf wieder flanken." Wenn das kein Fortschritt ist. 08.07.644000 00:20 |
Sprücheklopfer
Ob der FC Bayern so viel Geld ausgeben würde, weiß ich auch nicht. Sollen sie lieber mir das Geld geben, dann laufe ich noch mehr.
Stefan Effenberg über Transfers im Bereich 60-70 Millionen