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CD Cerrense schießt Deportivo Marde aus dem eigenen Stadion

Es war einer dieser Abende, an denen die Heimfans schon nach einer halben Stunde wussten: Das wird heute nichts. Deportivo Marde verlor am 11. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 0:3 (0:2) gegen ein entfesseltes CD Cerrense, das die Gastgeber nach Belieben dominierte - und das, obwohl Marde laut Statistik sogar mehr Ballbesitz hatte. "Wenn du den Ball hast, aber nicht weißt, was du damit anfangen sollst, bringt dir das auch nichts", knurrte Trainer der Hausherren nach dem Spiel, während er demonstrativ seine Kappe in die Kabine warf.

Dabei hatte es zu Beginn noch so ausgesehen, als wollte Deportivo Marde tatsächlich mitspielen. 52,9 Prozent Ballbesitz, das klingt auf dem Papier ordentlich. Doch was die Gäste aus ihren 47 Prozent machten, war schlicht klinisch - 28 Torschüsse, drei Treffer, und vermutlich jede Menge Kopfschmerzen bei Heimkeeper Diego Morais. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", murmelte der 17-jährige Schlussmann, der trotz dreier Gegentore noch der Beste seines Teams war.

Schon in der ersten Minute setzte Cerrense ein Zeichen, als Stürmer Jose Enrique Vazquez aus 18 Metern draufhielt. Der Ball rauschte knapp vorbei - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Minute 33: Duarte Galindo tankte sich auf der rechten Seite durch, legte quer, und Nael Marques vollendete eiskalt zum 0:1. Die 32.000 Zuschauer im Estadio de Marde verstummten. Sie ahnten wohl, dass das erst der Anfang war.

Sieben Minuten später erhöhte Galindo selbst - diesmal nach feinem Zuspiel von Mittelfeldmotor Christian Petrizzi. Wieder rechte Seite, wieder kein Zugriff, wieder Tor. "Wir wussten, dass sie da verwundbar sind", erklärte Cerrense-Trainer Leahcim Gnipeur später mit einem Grinsen, das man als höflich oder als hämisch deuten konnte.

Deportivo Marde dagegen fand in der ersten Halbzeit kaum statt. Zwei kümmerliche Torschüsse, beide eher von der Sorte "Verzweiflungsversuch". Der eine kam von Cesc Ramos in der 20. Minute, der andere von Louis Reid kurz vor der Pause - beide landeten sicher in den Armen von Cerrense-Keeper Joseba Mendes.

Nach dem Seitenwechsel brachte Gnipeur dann den 18-jährigen Jose Yago für Mendes - offenbar, um dem Nachwuchs etwas Spielpraxis zu gönnen. Eine Entscheidung, die man sich nur leisten kann, wenn man sich seiner Sache sehr sicher ist. Und Cerrense war sich sicher.

In der 57. Minute folgte der endgültige Knockout: Innenverteidiger Arnau Sa Pint stieg nach einer Ecke von Galindo am höchsten und köpfte wuchtig zum 0:3 ein. Galindo, mittlerweile mit einem Tor und zwei Vorlagen, wurde zum Mann des Abends. "Ich fühle mich gut, aber wichtiger ist, dass wir als Team funktionieren", sagte er hinterher mit einem Lächeln, das deutlich verriet, wie sehr er sich über seine Gala freute.

Deportivo Marde hatte zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben. Spätestens nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Marcio Aganzo in der 43. Minute - er humpelte vom Platz und wurde durch Xavi de la Sota ersetzt - fehlte den Hausherren jegliche Struktur. "Wir müssen über unsere Einstellung reden", meinte Kapitän Alejandro Galvao später trocken. Man kann davon ausgehen, dass das Gespräch in der Kabine nicht leise verlief.

Cerrense dagegen zeigte über die gesamte Partie eine erstaunliche taktische Disziplin. Offensiv, aber nicht kopflos, aggressiv, aber selten unfair - die einzige Gelbe Karte sah Joao Gomes früh in der achten Minute, danach blieb die Mannschaft abgeklärt. Selbst in der Schlussphase, als Gnipeur noch munter durchwechselte (unter anderem brachte er den jungen Salvador Meira für den starken Marques), blieb Cerrense gefährlich. Meira selbst hätte in der 80. Minute fast das vierte Tor erzielt, doch Morais parierte glänzend.

"Wir wollten zeigen, dass wir auswärts dominieren können", sagte Trainer Gnipeur nach Abpfiff - und das tat sein Team in beeindruckender Manier. Deportivo Marde dagegen steht nach dieser Vorstellung vor einem Scherbenhaufen. "Manchmal wünscht man sich, das Spielfeld hätte eine Reset-Taste", witzelte Verteidiger Tim Scifo bitter.

Einziger Trost: Schlechter kann es kaum mehr laufen. Und vielleicht war dieses 0:3 ja der Weckruf, den Marde brauchte. Denn wer 28 gegnerische Torschüsse zulässt und selbst nur zweimal ernsthaft aufs Tor schießt, sollte sich nicht über Pfiffe wundern.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sarkastisch rief: "Immerhin haben wir den Ball oft gehabt!" - ein Satz, der an diesem Abend wohl als bittere Zusammenfassung des Geschehens taugt.

Und so bleibt die Erkenntnis: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. CD Cerrense weiß das. Deportivo Marde weiß es jetzt auch.

04.10.643999 08:31
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