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CD Cerrense schlägt Atletico Albion spät - Geduld zahlt sich doppelt aus

Es war einer dieser Abende, an denen man im Stadion noch das Echo der Geduld hören konnte. 31.086 Zuschauer hatten sich im Estadio Cerrense eingefunden, um am 24. Spieltag der 1. Liga Uruguay ein Duell zu sehen, das lange nach einem 0:0 mit Stil aussah - ehe CD Cerrense in den letzten zehn Minuten beschloss, den Geduldsfaden selbst in Gold zu spinnen. Mit einem 2:0 gegen Atletico Albion setzt das Team von Trainer Leahcim Gnipeur ein Ausrufezeichen im Rennen um die internationalen Plätze.

Die erste Halbzeit ließ sich zusammenfassen wie eine gute Opernprobe: viel Bewegung, wenig Klang. Cerrense stürmte, Albion hielt den Ball - 52 Prozent Ballbesitz sprechen für die Gäste -, aber die besseren Chancen gehörten den Hausherren. Ruben Benitez, der zentrale Mittelfeldmotor mit der Präzision eines Uhrmachers, prüfte in der 17. Minute erstmals Albion-Keeper Nelson Diaz, der den Ball so spektakulär abwehrte, dass die Südtribüne spontan applaudierte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er kam wieder wie ein Bumerang", lachte Diaz später, wohlwissend, dass er seinem Team vorerst das Remis gerettet hatte.

Bis zur Pause sammelte Cerrense 14 Torschüsse - Albion brachte es auf magere vier. Doch das Netz blieb unberührt, die Fans ungeduldig, und Trainer Gnipeur rieb sich an der Seitenlinie öfter die Stirn als mancher Mathematiklehrer in der Abiturprüfung. "Wir spielten, als hätten wir Angst, das Tor zu treffen", kommentierte er trocken.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: mit Cerrense am Drücker und Albion im Ballbesitzmodus. Der junge Carles Meira, gerade 18 Jahre alt, kam in der 61. Minute für Benitez und brachte frischen Wind. "Ich habe einfach gespielt, wie im Hof meiner Schule", sagte er später verschmitzt. Albion verteidigte weiter diszipliniert, aber ohne Biss - das Pressing blieb, wie die Statistik verriet, auf "NO" gesetzt.

Dann kam die 82. Minute, und plötzlich war alles anders. Meira, der Schüler, schickte Sean MacPhee auf der rechten Seite, und der 30-Jährige traf mit einem wuchtigen Schuss ins linke Eck. 1:0 Cerrense, das Stadion explodierte. MacPhee rannte zur Eckfahne, Meira hinterher, beide lachten, als hätten sie gerade einen Zaubertrick vollführt. "Das war pure Erleichterung", meinte MacPhee später. "Ich habe gar nicht gesehen, dass der Ball drin war - ich habe nur das Geschrei gehört."

Albion, bis dahin taktisch ausgewogen, wirkte plötzlich ratlos. Traineranweisungen verpufften, die Beine wurden schwer. In der Nachspielzeit legte Christian Petrizzi nach - in der 94. Minute, nach feiner Vorarbeit von Gerd Vilhelmsen. 2:0, Spiel entschieden, Stimmung auf dem Siedepunkt. "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", grinste Vilhelmsen. "Aber wenn schon, dann richtig."

Die Schlussphase war eine Mischung aus Jubel und Gelben Karten: Hans Jakobsen sah in der 86. Minute Gelb, Christiano Gelmirez bei Albion in der 96. - sinnbildlich für die späte Hektik eines Spiels, das lange in der Schwebe hing.

Statistisch war es ein Lehrstück: Albion hatte mehr Ballbesitz, Cerrense mehr Mut. Die Hausherren gewannen 56 Prozent ihrer Zweikämpfe und nutzten ihre Chancen, als es darauf ankam. "Wir haben einfach aufgehört, schön zu spielen, und angefangen, effektiv zu sein", sagte Trainer Gnipeur mit einem zufriedenen Nicken.

Albions Coach, der anonym bleiben wollte - vielleicht aus Selbstschutz -, kommentierte nur knapp: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Leider haben wir es eingeschläfert."

Im Stadion lachten einige Fans noch lange nach Abpfiff. Einer rief: "MacPhee for President!" Ein anderer: "Carles zur Schule zurück, aber bitte nur in der Nachspielzeit!" Der Fußball hatte an diesem Abend in Uruguay seine einfache Wahrheit gezeigt: Wer Geduld hat, wird belohnt - und wer sie verliert, bekommt spät zwei Tore eingeschenkt.

Cerrense feierte bis in die Katakomben, die Spieler tanzten, und Trainer Gnipeur hob ein letztes Mal den Blick zum Flutlicht: "Manchmal," sagte er, "muss man einfach nur 80 Minuten warten, um zu sehen, dass alles nach Plan läuft."

Ein bisschen Ironie, ein bisschen Magie - und drei Punkte für CD Cerrense.

22.10.643996 23:00
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