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Es war einer dieser Abende in Cerrense, an denen man die Luft im Stadion fast knistern hören konnte - und nicht nur wegen der 29.326 Zuschauer, die sich am 8. Spieltag der uruguayischen Liga die Stimmbänder wund schrien. Denn was CD Cerrense gegen UD Durazno auf den Rasen zauberte, war phasenweise so einseitig, dass man fast Mitleid mit den Gästen haben musste - aber nur fast. Schon in den ersten Minuten machte die Elf von Trainer Leahcim Gnipeur klar, wer hier das Sagen hat. Nach zwei Minuten prüfte Joao Gomes den Gästekeeper Dimas Capucho erstmals ernsthaft. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der Kerl schießt wirklich aus jeder Lage", murmelte ein Durazno-Verteidiger kopfschüttelnd in Richtung seiner Bank. In der 25. Minute dann die logische Konsequenz: Nael Marques, der Wirbelwind auf der rechten Seite, vollendete nach einem feinen Steilpass von Ruben Benitez zum 1:0. Ein Treffer, der so präzise war, dass man fast eine Wasserwaage danebenhalten wollte. "Ruben hat mir den Ball serviert wie ein Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant", grinste Marques später. Durazno versuchte, sich in die Partie zu kämpfen, doch Cerrense hatte einfach zu viel Kontrolle, zu viel Ballbesitz (52 zu 48 Prozent) und vor allem: zu viele Ideen. Nach 20 Minuten Dauerpressing kam der nächste Schlag. Kurz vor der Pause, in der 45. Minute, erhöhte der erfahrene Ryan Skene auf 2:0 - diesmal nach Vorarbeit von, na klar, Nael Marques. Ein perfekt abgestimmtes Duo, das Duraznos Hintermannschaft aussehen ließ, als hätten sie sich erst im Bus auf dem Weg zum Stadion kennengelernt. "Wir wussten, dass sie offensiv stark sind, aber die Schnelligkeit hat uns einfach überrollt", gab Duraznos Innenverteidiger Juanito Galvez nach dem Spiel zu, kurz nachdem er sich seine Gelbe Karte aus der 47. Minute noch einmal erklären lassen musste. Sein Kollege Marcio Chalana war weniger glücklich - nach zwei Verwarnungen (61. und 69. Minute) durfte er vorzeitig duschen. "Ich wollte doch nur den Ball treffen", rechtfertigte er sich, während der Schiedsrichter schon das Notizbuch zuklappte. Ab da war das Spiel praktisch entschieden. Cerrense spielte die Partie mit einer fast schon arroganten Leichtigkeit herunter. 20 Torschüsse standen am Ende auf dem Konto der Hausherren, während Durazno ganze drei Versuche verbuchen konnte - einer davon segelte in der 86. Minute weit über das Tor, was den Cerrense-Fans ein kollektives "Olé!" entlockte. Auch in der zweiten Hälfte blieb Gnipeurs Team offensiv eingestellt, taktisch sauber, aber ohne Hektik. Der Trainer selbst nahm’s gelassen: "Ich habe den Jungs gesagt: Macht’s ordentlich, aber lasst mir keine Herzinfarkte auf der Bank." Ein Wechsel in der 62. Minute brachte frischen Wind: Der junge Adrian Tonel kam für Routinier Sergio Gnabry - und zeigte gleich, dass er keine Angst vor großen Namen hat. Durazno dagegen verlor nicht nur Chalana, sondern später auch noch den verletzten Fernando Makukula (82.), der humpelnd ausgewechselt wurde. "Das war sinnbildlich für unser Spiel", seufzte Durazno-Coach nach Abpfiff. "Wir waren immer einen Schritt zu spät." Cerrense hätte locker noch das 3:0 oder 4:0 nachlegen können - Skene scheiterte gleich mehrfach (53., 90.), Vazquez hatte zwei gute Möglichkeiten (55., 77.), und selbst Innenverteidiger Alejandro Xuarez probierte es kurz vor Schluss. Doch Capucho im Durazno-Tor verhinderte Schlimmeres. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte das Stadion, als wäre der Titel schon sicher. Und vielleicht war das Spiel tatsächlich mehr als nur drei Punkte - es war eine Demonstration. "Wir wollten zeigen, dass wir oben hingehören", sagte Doppeltorschütze Skene, der seine Antwort gleich auf dem Rasen gegeben hatte. Statistisch betrachtet ein klarer Fall: 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 20 Schüsse, 52 Prozent Ballbesitz - Cerrense dominierte in allen Belangen. Durazno hingegen wirkte nach dem Platzverweis wie ein Boxer, der zwar noch steht, aber längst ausgezählt ist. Zum Schluss zwinkerte Trainer Gnipeur bei der Pressekonferenz: "Ich kann mich nicht beschweren. Zwei Tore, kein Gegentor - und niemand hat mir heute Abend eine Gelbe Karte gezeigt. Das ist Fortschritt." Fazit eines lauen Fußballabends: CD Cerrense tanzt, UD Durazno taumelt - und die Liga hat wieder einen heißen Titelkandidaten. 08.01.644003 10:38 |
Sprücheklopfer
Wir stecken mitten im Abschiedskampf.
Mario Basler