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Manchmal beginnt ein Fußballspiel, bevor die Zuschauer ihre Plätze finden - und manchmal endet es, bevor der Gegner überhaupt angekommen ist. Der 10. Spieltag der 1. Liga Uruguay bot beides: CD Cerrense zerlegte Bohemios Montevideo vor 30.393 Zuschauern mit 5:0 (2:0) und ließ dabei keinen Zweifel, wer an diesem Abend das Kommando führte. Schon nach zwei Minuten stand es 1:0. Nael Marques, der rechte Wirbelwind der Cerrense-Offensive, nutzte die erste Unsicherheit der jungen Bohemios-Abwehr und schob eiskalt ein - Vorlage vom unermüdlichen Mittelstürmer Jose Enrique Vazquez. "Ich wollte nur mal testen, ob der Keeper wach ist", grinste Marques später. Die Antwort fiel ernüchternd aus: Der Torwart war’s nicht. Cerrense spielte weiter, als gäbe es Prämien für jeden Torschuss. 25 Mal prüften sie den bedauernswerten Javier Jordao im Bohemios-Tor, der trotz fünf Gegentreffern vermutlich der Beste seines Teams war. In der 12. Minute legte Christian Petrizzi nach - ein satter Schuss aus der Distanz, wieder auf Vorlage von Vazquez. Da stand es 2:0, und die Partie fühlte sich bereits entschieden an. Bohemios? Nun ja. Die Gäste aus Montevideo wirkten, als hätten sie sich im falschen Stadion eingefunden. Kein einziger Torschuss, dafür zwei Gelbe Karten (Marco Galindez in der 52. und Bernardo Adao in der 64. Minute) und eine frühe Verletzung: Der 19-jährige Frank Wilke musste nach 23 Minuten humpelnd raus. Trainer Leahcim Gnipeur von Cerrense kommentierte trocken: "Wenn du jung bist und gegen Männer spielst, lernst du schnell, dass Talent allein nicht reicht." Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: mit Cerrense im Angriffsrausch. In der 67. Minute kam der frisch eingewechselte Salvador Meira - und traf prompt zum 3:0, assistiert von Joao Gomes. Nur vier Minuten später durfte auch Vazquez selbst jubeln, als er einen präzisen Pass von Duarte Galindo verwertete. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach zu mir", erklärte Vazquez später mit einem Augenzwinkern. Bohemios-Coach stand währenddessen regungslos an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als würde er sich wünschen, er wäre irgendwo anders. Seine Mannschaft hatte 41 Prozent Ballbesitz, aber ohne Idee, ohne Mut, ohne Plan. Als Meira in der 93. Minute noch einmal zuschlug - erneut auf Zuspiel von Gomes -, seufzten selbst die Cerrense-Fans mitfühlend. 5:0. Ein Resultat, das in seiner Klarheit fast unhöflich war. Statistisch war der Abend eine Lehrstunde: 58 Prozent Ballbesitz, 25 Schüsse aufs Tor, eine Zweikampfquote von knapp 60 Prozent. Die Gäste? Null Schüsse, null Gefahr, null Trost. "Wir wollten sicher spielen", sagte einer der jungen Bohemios-Spieler nach Abpfiff. "Hat geklappt - wir waren uns ziemlich sicher, dass wir verlieren." Am Rand gab’s noch zwei unschöne Szenen: Hans Jakobsen sah für Cerrense Gelb (57.), und Innenverteidiger Arnau Sa Pint verletzte sich spät, musste Platz machen für den jungen Xabier Sainz. Der aber hatte nichts zu verteidigen - höchstens den Ball vor Langeweile. Trainer Gnipeur lobte nach dem Spiel seine Mannschaft: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten - Druck, Tempo, Spaß." Und tatsächlich: Cerrense spielte mit einer Leichtigkeit, als sei das Ergebnis Nebensache. Die Zuschauer quittierten es mit stehenden Ovationen. Und Bohemios? Sie werden diesen Abend wohl als Lehrstunde abhaken. Ihre Spieler sind jung, ihr Mut größer als ihr Körperbau - aber Erfahrung ist das, was man bekommt, wenn man etwas anderes erwartet. Vielleicht war das 5:0 also kein Debakel, sondern ein Versprechen: dass diese Talente in ein paar Jahren zurückkommen und es besser machen. Bis dahin dürfen sie sich merken, was Nael Marques nach seinem Blitzstart sagte: "Im Fußball gilt das alte Gesetz - wer zuerst lacht, sollte wenigstens warten, bis das Spiel angefangen hat." Ein Abend, der in Cerrense als Fußballfest in Erinnerung bleibt - und in Montevideo vermutlich als Albtraum mit Flutlicht. 22.09.643999 18:20 |
Sprücheklopfer
Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.
Jürgen Klinsmann