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Es war ein lauer Spätsommerabend in Uruguay, doch im Estadio Cerrense kochten die Emotionen schon nach wenigen Minuten. 33.056 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles hatte - frühe Tore, gelbe Karten, lautes Fluchen an der Seitenlinie und am Ende das Gefühl: Da war mehr drin. "Wir haben das Ding in der Tasche gehabt - und dann… na ja, Sie haben’s ja gesehen", grummelte Cerrense-Trainer Leahcim Gnipeur nach dem Schlusspfiff und sah dabei aus, als wolle er den Rasen eigenhändig umpflügen. Seine Mannschaft hatte losgelegt wie die Feuerwehr. Schon in der 4. Minute jagte Ryan Skene den Ball nach Zuspiel von Gerd Vilhelmsen humorlos ins linke Eck - 1:0. Kaum hatten die Fans ihre Matebecher abgestellt, legte Duarte Galindo in der 12. Minute nach, nach feinem Doppelpass mit Christian Petrizzi. 2:0, das Stadion bebte, und selbst der Stadionsprecher klang, als hätte er gerade im Lotto gewonnen. Doch Cerrense tat, was Cerrense in dieser Saison gerne tut: Es machte die Sache spannend. Parque del Plata, von Trainer Hans-Jürgen Strohmeier mit offensiver Ausrichtung und stoischer Ruhe eingestellt, brauchte nur eine Szene, um wieder Leben ins Spiel zu bringen. In der 20. Minute flankte Joao Goncalves butterweich auf die linke Seite, wo Caio Varela lauerte und den Ball per Direktabnahme in die Maschen drosch. 2:1 - und plötzlich war es still wie in einer Bibliothek. "Ich hab nur gehofft, dass der Ball nicht zu hoch springt", grinste Varela später. "Aber er kam perfekt. Ich schwöre, das war Absicht." Danach entwickelte sich ein offenes Spiel, das Cerrense eigentlich im Griff hatte. 57 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - Zahlen, die Trainer Gnipeur normalerweise zufriedenstellen sollten. Doch es war wie verhext: Galindo donnerte zweimal knapp vorbei, Skene traf die Latte, und Petrizzi kassierte kurz vor der Pause Gelb, weil er offenbar glaubte, der Schiedsrichter brauche Nachhilfe in Körpersprache. Nach dem Wechsel kam Parque del Plata mit frischem Mut aus der Kabine - und mit Jose Maria Aguas. Der rechte Flügelstürmer, der in der ersten Halbzeit kaum zu sehen gewesen war, machte in der 48. Minute kurzen Prozess. Nach einem schnellen Angriff über rechts legte Noe Tonel quer, Aguas hielt den Fuß hin - 2:2. Trainer Strohmeier riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Jackpot geknackt, während Gnipeur sich in sein Notizbuch vergrub und vermutlich "nicht schon wieder!" notierte. Die zweite Halbzeit war dann ein Lehrstück in verpassten Chancen. Cerrense drückte, Parque del Plata lauerte. Der junge Pol Longas, gerade 18, kam für Hans Jakobsen und machte auf der linken Seite ordentlich Dampf - aber seine Hereingaben fanden nur den gegnerischen Torwart Noah Carsley, der an diesem Abend über sich hinauswuchs. "Es war, als hätten die Cerrense-Spieler ihre Schussschuhe zu Hause gelassen", witzelte ein Fan auf der Tribüne, während neben ihm jemand verzweifelt auf die Uhr starrte. Selbst ein wuchtiger Kopfball von Salvador Meira in der 83. Minute fand nicht den Weg ins Tor. Auf der anderen Seite setzte Strohmeier auf Routine. Er brachte Ellis Haddock und den jungen Wladimir Adamczuk - frische Beine für das Mittelfeld, das am Ende mehr verteidigte als angriff. "Ein Punkt hier ist Gold wert", meinte der deutsche Coach zufrieden. "Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir die erste Viertelstunde komplett verschlafen haben." Cerrense versuchte es bis zur letzten Sekunde. In der 92. Minute hatte Skene noch einmal die große Chance, aber Carsley fischte den Ball aus dem Winkel, als wolle er seine Bewerbung für den "Save des Jahres" abgeben. 2:2 - und diesmal fühlte sich das Remis für die Heimelf wie eine Niederlage an. 57 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen - aber kein Sieg. "Wir müssen lernen, ein Spiel zuzumachen", seufzte Gnipeur, bevor er in der Mixed Zone verschwand. Und Parque del Plata? Die feierten den Punkt wie einen Sieg. "Wir sind gekommen, um zu bleiben", lachte Strohmeier, während seine Spieler den Bus bestiegen. Cerrense dagegen bleibt im Tabellenmittelfeld stecken, irgendwo zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Vielleicht sollte man im nächsten Training weniger "SURE"-Pässe und mehr "SURE"-Tore üben. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Schön spielen können sie. Jetzt müssten sie nur noch gewinnen." 18.03.643994 22:30 |
Sprücheklopfer
Ich war das erste Mal Kapitän, da muss man einfach ein Tor machen.
Oliver Kahn zu seinem Eigentor beim Länderspiel gegen Israel