// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Ein lauer Maiabend, 30. Spieltag der 1. Liga Uruguay, und 30.110 Zuschauer im Estadio Cerrense sahen, wie CD Cerrense seinem Gegner Villa Hispana mit einer Mischung aus Spielfreude und Abgeklärtheit das Leben schwer machte. 2:0 stand es am Ende - ein Ergebnis, das klarer klingt, als es der Ballbesitz (47 zu 53 Prozent) vermuten lässt. Aber Zahlen lügen selten, und in diesem Fall sagten sie: Cerrense schoss doppelt so oft aufs Tor, rannte doppelt so viel und grinste am Ende doppelt so breit. Schon in der ersten Minute war klar, wohin die Reise ging. Sean MacPhee prüfte den Gästetorhüter Futre mit einem satten Rechtsschuss - der erste von insgesamt 15 Versuchen der Hausherren. Nur acht Minuten später tanzte Ryan Skene am Flügel, als wolle er die Eckfahne zum Walzer bitten. Villa Hispana wirkte da schon so überrascht wie ein Tourist, der versehentlich im falschen Bus gelandet ist. Der erste Treffer fiel in der 14. Minute - und das ausgerechnet durch einen Verteidiger. Linksverteidiger Hans Jakobsen, sonst eher für die rustikale Seitenlinie zuständig, fasste sich ein Herz und drosch den Ball nach einer missglückten Abwehr volley ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Däne nach dem Spiel, "aber der Ball hat sich entschieden, berühmt zu werden." Die Gäste schüttelten sich kurz, aber statt einer Antwort kam nur ein müder Versuch von Ricardo Deco in der 32. Minute, den Cerrense-Keeper Mendes souverän abwehrte. Und fast im Gegenzug schlug es wieder ein - diesmal so, wie es im Lehrbuch steht: Christian Petrizzi leitete den Ball aus dem Mittelfeld weiter, Jose Enrique Vázquez zog in der 33. Minute nach innen und schob eiskalt zum 2:0 ein. "Das war kein Glück", murmelte Villa-Trainer (Name nicht angegeben) später sarkastisch. "Das war Physik. Und wir haben gerade die falsche Formel benutzt." In der ersten Halbzeit lief für Cerrense alles nach Plan - zwei Tore, zwei Gelbe Karten (Benítez in der 12., Jakobsen in der 27.), dazu ein Publikum, das jede Grätsche feierte, als ginge es um die Meisterschaft. Trainer Leahcim Gnipeur, gewohnt stoisch an der Seitenlinie, hob kurz die Faust nach dem 2:0 - ein emotionaler Ausbruch, der ihm prompt von den Fans als "Explosion der Leidenschaft" ausgelegt wurde. Nach der Pause versuchte Villa Hispana, Struktur ins Spiel zu bringen. Ballbesitz ja, Torgefahr nein. Die drei Torschüsse der Gäste wirkten eher wie höfliche Anfragen an das Tor von Mendes. "Ich hätte mir fast einen Stuhl mitgenommen", witzelte der Cerrense-Keeper später, "aber dann kam in der 91. Minute doch noch einer aufs Tor - man will ja nicht unhöflich wirken." Gnipeur nutzte die komfortable Führung zum Durchwechseln: Meira kam für Marques (60.), Xuarez ersetzte Sa Pint (64.), und Andrade durfte Petrizzi ablösen (66.). "Ich wollte frische Beine bringen", erklärte Gnipeur. "Und ehrlich gesagt, auch mal schauen, ob die Ersatzbank noch wach ist." Während Villa Hispana weiter unbeirrt den Ball quer schob, konterte Cerrense mit gefährlichen Nadelstichen. Vázquez blieb der auffälligste Mann, prüfte Futre in der 71. und 83. Minute erneut - ohne Erfolg, aber mit Stil. Sean MacPhee drosch in der 82. Minute noch einmal drauf, als wolle er das Tornetz an seine Grenzen bringen. Statistisch gesehen war es kein Klassenunterschied, sondern ein Lehrstück in Effizienz. Villa Hispana hatte mit 53 Prozent mehr Ballbesitz, Cerrense jedoch den deutlich höheren Drang nach vorn. 15:3 Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Und auch in den Zweikämpfen lag die Heimmannschaft mit einer Quote von 57 Prozent vorn - robust, aber nie unfair. Nach dem Spiel fasste Kapitän Vázquez das Geschehen mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit 47 Prozent Ballbesitz glücklich sein kann - solange die anderen 53 Prozent nicht wissen, was sie damit anfangen sollen." Villa Hispana wirkte nach Abpfiff ratlos, aber nicht zerknirscht. Der 17-jährige Oscar Escudero, der in der Nachspielzeit noch einen Schuss wagte, sagte mit jugendlichem Optimismus: "Ich hab den Ball wenigstens aufs Tor gebracht. Das ist ja schon mal ein Anfang." Und so endete ein Spiel, das vielleicht kein taktisches Feuerwerk war, aber ein Stück ehrlicher Fußballarbeit. CD Cerrense spielte nicht schön, sondern schlau - und manchmal ist das eben die größere Kunst. Oder, wie Trainer Gnipeur es trocken formulierte, während er seine Jacke schloss: "Wir haben gewonnen. Alles andere ist Statistik." 22.05.644000 20:30 |
Sprücheklopfer
Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
Werner Lorant