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Ein lauer Maiabend in Uruguay, 29.146 Zuschauer im Estadio Cerrense, und man fragt sich nach 45 Minuten: Warum kam Huracan Arena überhaupt? CD Cerrense fegte am 24. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 4:0 (4:0) über die Gäste hinweg - und das so mühelos, dass die zweite Halbzeit eher an einen Trainingskick erinnerte. Schon in der 9. Minute eröffnete Christian Petrizzi das Torfestival. Nach feiner Vorarbeit von Joao Gomes zog der Mittelfeldstratege aus gut 20 Metern ab - und der Ball zischte so präzise ins Eck, dass Huracan-Keeper Luis Baiao nur noch nachdenklich hinterherschaute. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Petrizzi später, "aber wenn’s passt, dann passt’s." Fünf Minuten später legte Sean MacPhee nach, ebenfalls bedient von Gomes. Ein klassischer Flügellauf, ein kurzer Haken, ein Schuss - und 2:0. Huracan Arena wirkte in diesen Momenten wie ein Team, das gerade erst herausgefunden hatte, auf welches Tor es eigentlich spielt. Trainer Leahcim Gnipeur von Cerrense stand da mit verschränkten Armen, lächelte zufrieden und murmelte in Richtung seiner Bank: "So wollten wir’s, Jungs. Und bitte nicht aufhören." Sie hörten nicht auf. In der 18. Minute durfte sich Ryan Skene in die Torschützenliste eintragen. Der 32-jährige Flügelstürmer, der an diesem Abend offenbar auf Espresso statt Wasser setzte, nutzte eine Vorlage von Ruben Benitez und schob überlegt zum 3:0 ein. Das Publikum tobte, die Fans sangen, und Huracan-Trainer (dessen Gesichtsausdruck man lieber nicht beschreiben sollte) griff sich an die Stirn. Und weil’s so schön war, legte MacPhee in der 22. Minute noch einmal nach. Diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Rechtsverteidiger Joshua Rose, der sich mit einem beherzten Sprint bis zur Grundlinie durchgekämpft hatte. 4:0 - und das, bevor der Schiedsrichter überhaupt zur Trinkpause pfiff. "Ich dachte, das wäre ein Traum", sagte MacPhee später lachend. "Aber dann sah ich die Anzeigetafel - und Huracan sah aus, als wollte es gleich nach Hause." Die Statistik sprach ohnehin Bände: 17 Torschüsse von Cerrense, nur zwei kümmerliche Versuche von Huracan, die irgendwo in der Nähe von Torwart Joseba Mendes landeten. Ballbesitz? 57 zu 43 Prozent. Tacklingquote? 58 Prozent für Cerrense, was sich ungefähr so anfühlte, als hätten sie die Zweikämpfe gepachtet. In der zweiten Halbzeit passierte dann - nichts, was man in einem Highlight-Video zeigen müsste. Cerrense verwaltete das Spiel mit der Gelassenheit eines Teams, das wusste, dass heute nichts mehr anbrennt. Skene prüfte den Keeper noch ein paar Mal, Benitez tanzte durch das Mittelfeld, und selbst Linksverteidiger Hans Jakobsen wagte in der 56. Minute einen Schuss, der allerdings eher auf die Tribüne zielte. Huracan Arena? Nun ja. In der 69. Minute sah Jordi Gurendez Gelb, offenbar aus purer Frustration. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", erklärte er nach dem Spiel mit einem bitteren Lächeln. Zwei Minuten später rief sein Kapitän: "Leute, wir müssen was tun!" - woraufhin ein Mitspieler trocken antwortete: "Was denn? Beten?" Trainer Gnipeur blieb auch nach dem Schlusspfiff gewohnt sachlich. "Wir haben nur das umgesetzt, was wir trainiert haben: frühes Pressing, cleveres Passspiel, keine Gnade." Unterdessen stapfte Huracans Coach still an den Reportern vorbei - vielleicht auf der Suche nach einem Loch, in das man sinken kann. Ein besonderes Lob verdiente Joao Gomes, der mit zwei Assists und unermüdlichem Laufpensum glänzte. "Ich hab einfach Spaß, wenn der Ball rollt", sagte er. "Und heute rollte er meistens für uns." Der Rest des Spiels? Ein Schaulaufen für Cerrense. Die Fans feierten jeden gelungenen Pass, jeder Schuss auf das Gästetor wurde mit einem kollektiven "Ooooh!" begleitet, als wolle man Huracan noch ein bisschen daran erinnern, wie es sich anfühlt, im eigenen Strafraum zu leben. Als Schiedsrichter Ramirez nach 90 Minuten abpfiff, klatschten die Cerrense-Spieler entspannt ab, während Huracan Arena den schnellsten Weg in die Kabine suchte. Und auf der Pressekonferenz fasste Gnipeur das Geschehen in einem Satz zusammen: "Manchmal ist Fußball einfach - wenn man ihn einfach spielt." Ein 4:0, das klarer kaum hätte ausfallen können. CD Cerrense setzte ein Ausrufezeichen im Rennen um die oberen Tabellenplätze, während Huracan Arena wohl eine lange Nacht vor sich hatte. Oder, wie ein Cerrense-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Das war kein Spiel - das war eine Demonstration." 14.03.644000 08:16 |
Sprücheklopfer
Abgestiegen ist man, wenn man abgestiegen ist.
Holger Fach