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CD Cerrense zerlegt Rio Boston - Vier Treffer, ein Festival des Übermuts

Manchmal reichen 90 Minuten, um ein ganzes Fußballjahr zu erklären. CD Cerrense, sonst gern mal launisch wie ein südamerikanischer Herbstwind, zeigte beim 4:0-Heimsieg gegen CF Rio Boston, was passiert, wenn Leidenschaft, Präzision und ein Hauch Übermut zusammentreffen. 31.789 Zuschauer im Estadio Cerrense bekamen am 6. Spieltag der 1. Liga Uruguay ein Spektakel serviert - zumindest, wenn sie es mit den Hausherren hielten.

Schon nach drei Minuten war die Richtung klar: Nael Marques, der rechte Wirbelwind im Cerrense-Sturm, traf nach feinem Zuspiel von Mittelfeldmotor Ruben Benítez zur frühen Führung. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Marques später, "aber dann dachte ich mir, warum nicht mal aufs Tor?" - ein Gedanke, der sich als glänzende Eingebung herausstellte.

Rio Boston dagegen schien das Spiel mit angezogener Handbremse zu beginnen - und vergaß sie bis zum Schlusspfiff zu lösen. Ihre "balancierte" Ausrichtung, wie man es im Taktikjargon nennt, geriet schnell zur Einladung für Cerrenses Offensivwellen.

In der 10. Minute machte Ryan Skene das, was ein 33-jähriger Linksaußen mit der Erfahrung von 500 Profispielen eben tut: Er schlenzte den Ball nach Vorarbeit des omnipräsenten Benítez ins lange Eck. 2:0. Trainer Leahcim Gnipeur drehte sich an der Seitenlinie kurz um, lächelte zufrieden und murmelte laut genug, dass die Kameras es einfingen: "Das ist doch fast zu schön, um wahr zu sein." Seine Spieler verstanden das offenbar als Auftrag, denn sie machten einfach weiter.

Noch vor der Pause (41.) legte erneut Marques nach - diesmal aus dem Gewühl heraus, ein typischer Stürmertreffer, halb Wille, halb Zufall. Der Halbzeitstand: 3:0, Ballbesitz beinahe ausgeglichen, aber die Statistik der Torschüsse (13:1 zur Pause für Cerrense) erzählte die wahre Geschichte.

Rio Boston, ohnehin nicht als pressingfreudig bekannt, blieb auch in der zweiten Hälfte erstaunlich höflich. Ihr Trainer - dessen Name auffällig in den Unterlagen fehlte, vielleicht wollte er anonym bleiben - schien auf Schadensbegrenzung zu setzen. Zwar mühten sich Marc Minambres und der junge Agemar Figueras über die Flügel, aber außer zwei harmlosen Versuchen aufs Tor blieb wenig übrig. Figueras kassierte zudem früh Gelb (18.), weil er offenbar dachte, Grätschen wäre eine neue Tanzrichtung.

In Minute 61 dann der endgültige Knockout: Wieder Skene, diesmal nach schöner Vorarbeit von Joao Gomes, der sich auf links durchtankte. Der Schuss - trocken, präzise, unhaltbar. 4:0. "Ich habe einfach gemacht, was ich immer mache - laufen, schießen, jubeln", sagte Skene später mit dem lakonischen Lächeln eines Mannes, der weiß, dass er heute der Beste war.

Die letzten 30 Minuten dienten eher der Kür. CD Cerrense wechselte munter durch: Salvador Meira kam für den doppelt erfolgreichen Marques (62.), Ricardo Manuel ersetzte Gomes (65.), und selbst Innenverteidiger Arnau Sa Pint durfte früh duschen - allerdings freiwillig, nicht wegen einer Karte. Auf der Gegenseite war das Pech komplett: Pedro Ziganda musste in der 73. verletzt vom Platz, sein Ersatz Caio Simao kam kaum zum Zug. Als wäre das nicht genug, sah der unglückliche Ricardo Martins in der 88. Minute Gelb-Rot, weil er offenbar vergessen hatte, dass Schiedsrichter auch Ohren haben.

Die Statistik zum Schluss liest sich wie ein Bericht aus einer anderen Liga: 20:2 Torschüsse, 57 Prozent gewonnenen Zweikämpfe, und das bei nur minimal mehr Ballbesitz (50,7 %). "Das war wie ein Training mit Publikum", witzelte Cerrenses Torwart Joseba Mendes, der den Abend wohl nutzen konnte, um seine Handschuhe sauber zu halten.

Trainer Gnipeur blieb trotz des klaren Erfolges geerdet: "Wir haben gut gespielt, ja. Aber nächste Woche steht wieder bei null alles auf dem Spiel." Ein Satz, den er vermutlich schon vorformuliert im Schreibtisch liegen hat.

Für CF Rio Boston bleibt die Erkenntnis: Mit "balancierter" Spielweise gewinnt man vielleicht einen Schönheitspreis, aber keine Punkte.

Und so verabschiedete sich ein fröhliches Stadion in die Nacht - mit einem Gefühl, das Fans von CD Cerrense bisher nur aus Erzählungen kannten: die ungetrübte Freude an einem perfekten Fußballabend. Manche sagten gar, sie hätten das Lächeln von Trainer Gnipeur noch im Busparkplatz gesehen. Wenn das kein gutes Omen ist.

16.12.644002 07:22
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