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CD?León zerlegt Burgos - junge Wilde wirbeln die Liga auf

Ein lauer Maiabend, 16 000 Zuschauer im kleinen, aber lautstarken Estadio León. Der Anpfiff war kaum verklungen, da rieben sich viele noch die Augen: Nach sage und schreibe 45 Sekunden zappelte der Ball bereits im Netz der Gäste aus Burgos. Der 19‑jährige César Beltrán stach zu, eiskalt nach Vorlage des erst 17‑jährigen Damian Acevedo. Wer zu spät einschaltete, verpasste das 1:0 - und damit den Auftakt zu einem jener Abende, an denen jugendlicher Übermut und taktische Disziplin Hand in Hand gingen.

Burgos‑Trainer Hans Huber stand noch mit verschränkten Armen in der Coaching‑Zone, als er später gestand: "Ich dachte, das Spiel hätte noch gar nicht angefangen." Seine Elf, offensiv eingestellt, sah sich früh einem Gegner gegenüber, der mit 54 Prozent Ballbesitz und 16 Abschlüssen auf das Tor schlicht wacher, schneller, wilder war.

Die Gastgeber, von der ersten Minute an im Vorwärtsgang, kombinierten mit einem Selbstbewusstsein, das man sonst nur bei Teams sieht, die keine Ahnung haben, dass sie eigentlich nervös sein sollten. Besonders auffällig: die Teenager in Leons Flügelzange. Kian Haddington, 19, flitzte auf rechts, Julio Yáñez, 17, wirbelte daneben - und Burgos fand kein Mittel gegen diese jugendliche Unbekümmertheit.

Kurz vor der Pause dann eine Szene, die sinnbildlich für das Spiel stand: Haddington zieht aus 20 Metern ab, der Ball rauscht knapp vorbei, und im Rückwärtsgang klopft ihm der 29‑jährige Keeper Tristan Geldmeyer auf die Schulter. "Mach dir keinen Kopf, einer geht noch rein", soll er ihm zugerufen haben. Der Mann wusste, wovon er sprach.

Denn in der 49. Minute war es soweit: Ecke von Vicente Ruy, Haddington steigt höher als alle anderen, köpft wuchtig - 2:0. Der Jubel war groß, die Jugend feierte sich selbst, und Burgos‑Torwart Ingolf Nikolajsen sah aus, als überlege er, ob er den Ball noch aus dem Netz holen oder gleich dort bleiben sollte.

Hans Huber reagierte mit lautstarken Anweisungen. "Bleibt offensiv!", brüllte er, woraufhin seine Mannschaft prompt zwei Konter zuließ. Einer davon mündete in der 64. Minute in das dritte Tor: Der erfahrene Mittelfeldmann Davib Connolly traf nach feinem Zusammenspiel mit Julio Fernández. 3:0 - und noch waren knapp 30 Minuten zu spielen.

Burgos versuchte es weiter, hatte aber nur vier Abschlüsse im gesamten Spiel. Der gefährlichste kam in der 66. Minute, als der 17‑jährige Damian de Vivar frei zum Schuss kam - doch Geldmeyer fischte den Ball spektakulär aus der Ecke. "Ich bin alt, aber nicht eingerostet", grinste der Keeper danach.

In der Schlussphase wurde es dann noch einmal ruppig. Der 17‑jährige Rechtsverteidiger Pedro Quiles, schon in der 57. Minute verwarnt, rauschte in der 82. Minute übermotiviert in einen Zweikampf - Gelb‑Rot. "Der Junge wollte den Ball treffen, hat aber das halbe Stadion mitgenommen", kommentierte ein Zuschauer trocken. Trainerkollegen nickten anerkennend: Einsatz stimmt, Dosierung fehlt.

Burgos bekam in der 90. Minute immerhin noch eine Gelbe Karte für Jaime Hernan, was die Statistik aufhübschte, das Ergebnis aber nicht. 3:0, klare Sache, dazu eine Zweikampfquote von 56 Prozent für León, die in allen Belangen reifer wirkten, als ihr Alter vermuten lässt.

Nach dem Schlusspfiff standen die jungen Sieger Arm in Arm vor der Kurve, und Coach, dessen Name der Statistik zum Trotz nicht überliefert ist, wirkte ebenso stolz wie erleichtert. "Das war kein Zufall", sagte er. "Wir trainieren seit Wochen daran, dass sie Spaß haben dürfen - aber bitte mit Struktur."

Hans Huber hingegen stapfte mit verschränkten Armen vom Feld. "Wenn du gegen Kinder verlierst, musst du dich fragen, wer hier eigentlich das Nachwuchsteam ist", murmelte er.

Die Fans von CD León aber sangen, als ginge es um den Aufstieg - und vielleicht, ganz vielleicht, ist er nach dieser Vorstellung gar nicht mehr so unrealistisch.

Am Ende blieb das Flutlicht noch eine Weile an, die Ränge halbleer, ein paar Balljungen kickten den letzten Ball des Abends durchs Mittelfeld. "So spielt man Fußball", raunte ein älterer Herr auf der Tribüne. Und er hatte recht: Manchmal reicht jugendlicher Mut, um einen ganzen Abend zu verzaubern.

Schlusssatz gefällig? Leóns Youngsters spielten, als gäbe es kein Morgen - und Burgos wünschte sich, es wäre gestern geblieben.

09.05.644000 15:10
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