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Celtic müht sich zum 1:0 - Ferreira trifft, Selkirk ärgert sich

Es war einer dieser Abende im Celtic Park, an denen man sich fragt, ob das Flutlicht vielleicht zu hell ist oder die Latte zu niedrig hängt. 34.523 Zuschauer sahen am 18. Spieltag der 1. Liga Schottland ein Spiel, das sich irgendwo zwischen Geduldsspiel und Gedächtnisübung bewegte. Am Ende stand ein 1:0 für Celtic Glasgow gegen tapfere, aber harmlose Gäste von Selkirk Athletic - dank eines frühen Treffers von Jacinto Ferreira.

Bereits in der 16. Minute zappelte der Ball im Netz. Ferreira, der linke Wirbelwind, nahm einen präzisen Pass von Nael Meireles auf, tanzte seinen Gegenspieler aus und schob überlegt ins rechte Eck. "Ich dachte ehrlich, ich sei im Abseits", grinste Ferreira nach dem Spiel, "aber dann hab ich den Jubel gehört - da war mir klar, der Linienrichter hat heute gute Laune."

Danach wurde es zäh. Celtic blieb offensiv, spielte, wie es im Lehrbuch steht - und verpasste, was dort auch steht: das zweite Tor. Ganze 18 Torschüsse standen am Ende auf dem Statistikzettel der Hausherren, aber außer Ferreiras Treffer war da nur viel Lärm um nichts. "Wir hätten das Ding früher zumachen müssen", knurrte Trainer Ralf Bücheler, der sich mehrfach an der Seitenlinie die Haare raufte. "Aber ein 1:0 ist auch ein Ergebnis. Nicht schön, aber stabil."

Selkirk dagegen begann nervös, fand dann aber mit zunehmender Spielzeit besser in die Partie. Ihr Ballbesitz von knapp 51 Prozent zeigt: Die Gäste spielten mit, auch wenn sie nur drei Torschüsse zustande brachten. Der junge Connor Maxwell versuchte es in der dritten Minute früh, doch Celtics Keeper Carl Rodrigo hatte einen dieser Abende, an denen nichts reingeht - nicht mal aus Mitleid.

Jan Moese, der Coach der Gäste, nahm es mit Galgenhumor: "Meine Jungs haben tapfer gekämpft. Leider brauchen wir für ein Tor auch mal den Ball im Strafraum. Vielleicht trainieren wir das nächste Woche." Nach dem 16. Minuten-Schock wechselte Moese früh, brachte Alexander Moffat schon in der ersten Minute für den Torhüter Riley Cawdor - eine kurios anmutende Rochade, die wohl einem kurzfristigen Wehwehchen geschuldet war. Später kamen Evan Ross und Logan MacFarlane, aber auch sie konnten am Ergebnis nichts drehen.

Das Spiel selbst glich phasenweise einer taktischen Schachpartie. Celtic blieb über 90 Minuten offensiv ausgerichtet, drückte, kombinierte, aber ohne Pressing - fast so, als wolle man den Gegner einladen, ein bisschen mitzuspielen. Selkirk dagegen hielt mit robuster Physis dagegen, aggressiv, aber fair. Nur eine Gelbe für Samuel MacArthur in der 40. Minute - da hatte er Glück, dass Schiedsrichter MacAllister wohl gerade an den Feierabend dachte.

In der zweiten Hälfte probierte Bücheler alles. Er brachte Sergio Salvadorez für Rafael Godino und später Morgan Primes sowie Pedro Deco - frisches Blut, frische Beine, aber kein frischer Treffer. Die besten Chancen vergaben Hennig (86.) und Ferreira (91.), der nach seinem Treffer wohl beschloss, dass einer reichen muss.

Ferreira sah kurz vor Schluss noch Gelb - vielleicht aus Langeweile, vielleicht, weil ein Selkirk-Verteidiger seinen Lieblingsschuh gestreift hatte. "Ich hab ihn kaum berührt", erklärte er lachend. "Der Schiri sah das anders. Vielleicht hatte er eine bessere Perspektive - oder schlechtere Laune."

Die Zuschauer jedenfalls gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause. Man hatte gewonnen, ja. Aber die große Show blieb aus. Celtic dominierte, ohne zu glänzen, während Selkirk mit bescheidenen Mitteln erstaunlich lange im Spiel blieb.

"Wir wollten über die Mitte kommen, das hat teilweise funktioniert", resümierte Coach Bücheler. "Aber am Ende zählt das Ergebnis. Und das ist nun mal 1:0." Kollege Moese nickte trocken: "Wenn man keine Tore schießt, verliert man. Das wussten wir schon vorher, aber jetzt sind wir uns ganz sicher."

So endet ein Abend, der keiner für die Geschichtsbücher war, aber immerhin für die Statistikfreunde: 56 Prozent Zweikampfquote für Celtic, 48,7 Prozent Ballbesitz - und ein Tor, das reichte.

Ein Zuschauer fasste es beim Hinausgehen zusammen: "Nicht berauschend, aber wenigstens gewonnen." Genau so sah es wohl auch Bücheler, der nach Schlusspfiff in die Kabine verschwand, bevor ihm noch jemand ein Mikrofon unter die Nase halten konnte.

Celtic bleibt also oben dran, Selkirk bleibt unten hängen. Und irgendwo zwischen Pflichtsieg und Fußballkunst liegt dieses 1:0 - unspektakulär, aber ehrlich. Oder, wie Ferreira es sagte: "Manchmal ist ein Tor schöner, wenn es das einzige bleibt."

04.01.644000 18:59
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