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Wer zu spät kommt, den bestraft der Fußballgott - und Bohemios Montevideo kam am Dienstagabend schlicht 15 Minuten zu spät. Da führte CD Cerrense im ehrwürdigen Estadio Parque durch Tore von Oscar Anderson (9.) und Hugo Pacos (15.) bereits mit 2:0, und das war am Ende auch der Endstand. 31.105 Zuschauer sahen, wie sich die Gäste danach gemütlich in Ballbesitz sonnten - 60 Prozent davon gehörten ihnen - während die Bohemios verzweifelt versuchten, wenigstens den Anschluss zu finden. "Wir haben uns vorgenommen, ruhig zu bleiben, und das ist uns gelungen", sagte Cerrenses Trainer Leahcim Gnipeur nach dem Schlusspfiff mit einem zufriedenen Grinsen. Ruhig blieb tatsächlich nur sein Team - die Bohemios dagegen wirkten schon nach dem zweiten Gegentor wie ein Teenager, der den Bus verpasst hat: hektisch, planlos und mit dem Gefühl, dass der Tag gelaufen ist. Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Schon in der 9. Minute flankte Hugo Pacos von links, Anderson stieg zwischen zwei Abwehrspielern hoch und nickte den Ball in die lange Ecke - Torwart Javier Jordao streckte sich vergeblich. Sechs Minuten später drehten die beiden die Rollen um: Adrian Tonel, der rechte Flügelmann, legte clever quer, Pacos zog aus 16 Metern trocken ab - 0:2. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Pacos später und grinste, "der Ball war so schön, dass ich ihn nicht beleidigen wollte, indem ich ihn nochmal stoppte." Danach verwaltete Cerrense das Geschehen, ohne in Routine zu verfallen. Ganze 17 Torschüsse verbuchten sie am Ende, während Bohemios gerade einmal dreimal auf das Tor zielten - und das ist dann schon die freundlichste Formulierung für "kaum gefährlich". Der junge Marco Galindez (17) versuchte es in der 39. Minute mit einem beherzten Schlenzer, aber Cerrenses Keeper Jose Yago musste sich nicht einmal die Handschuhe schmutzig machen. Die zweite Halbzeit brachte dann mehr Kampf als Klasse. Ein gelb-rot gezeichneter Agemar Brito sorgte in der 80. Minute für den endgültigen Tiefpunkt des Abends, als er nach wiederholtem Foulspiel vom Platz gestellt wurde. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", murmelte der 18-Jährige später zerknirscht, während sein Trainer - der sich zu einer Stellungnahme weigerte - wortlos die Kabine ansteuerte. Cerrense dagegen blieb cool. Selbst als Duarte Galindo in der 67. Minute verletzt vom Feld musste, brachte sein Ersatz Sean MacPhee Ruhe und Routine ins Spiel. "Ich habe einfach den Stecker gezogen", sagte der 31-Jährige lachend über die letzten zehn Minuten, in denen Bohemios kaum noch aus der eigenen Hälfte kam. Taktisch war das Ganze ein Lehrstück in Balance - Cerrense spielte, was man in Uruguay gern "Fútbol sin drama" nennt: sachlich, sicher, unaufgeregt. Gnipeur hatte seine Elf in einem ausgewogenen System auflaufen lassen - kein wildes Pressing, keine übertriebene Aggressivität, einfach solide Arbeit. Bohemios dagegen versuchte es mutig mit einer offensiven Ausrichtung - doch wer vorne stürmt, braucht hinten Nerven aus Stahl. Und die waren spätestens nach einer halben Stunde blank. In der 68. Minute flogen dann die ersten Papierkügelchen aus dem Fanblock, begleitet von der resignierten Frage eines älteren Bohemios-Anhängers: "Warum lassen die uns nicht wenigstens ein Trosttor?" Antwort: Weil Cerrense nicht wollte. Nach dem Abpfiff klatschten die Zuschauer höflich, als Anderson und Pacos gemeinsam zum Interview kamen. "Wir verstehen uns blind", sagte Anderson, "auch wenn Hugo manchmal lieber den Ball als mich sieht." Pacos konterte trocken: "Solange er trifft, darf er das sagen." Am Ende blieb ein verdienter 2:0-Auswärtssieg, der nie wirklich in Gefahr geriet. Cerrense spielte wie aus einem Guss, Bohemios kämpfte tapfer, aber ohne Fortune. Die Statistik erzählte dieselbe Geschichte: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Ruhe. Vielleicht war es bezeichnend, dass Cerrenses Coach Gnipeur beim Verlassen des Stadions noch kurz innehielt, den Rasen betrachtete und sagte: "Schöner Platz. Nur schade, dass die Heimmannschaft heute nicht drauf gespielt hat." Und so endete ein Abend, der für die Bohemios einer jener "Lehrfilme des Lebens" war - Titel: Wer die ersten 15 Minuten verschläft, darf den Rest nur noch zuschauen. 18.04.644000 02:20 |
Sprücheklopfer
Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung