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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball in Uruguay wieder einmal bewies, dass Statistik und Realität selten Freunde sind. 50,5 Prozent Ballbesitz für Deportivo Marde, aber zwei Tore für CD Cerrense - und das Ganze in einer ersten Halbzeit, die so wild war, dass selbst der Linienrichter kurz den Faden verlor. Am Ende stand ein klares 2:0 für die Hausherren, die den 28. Spieltag der 1. Liga Uruguay in ein kleines Volksfest verwandelten. Schon beim Aufwärmen schien Cerrense-Trainer Leahcim Gnipeur etwas zu ahnen. "Heute riecht’s nach Toren - und hoffentlich nicht nur nach Schweiß", grinste er, während sein Team sich mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Übermut auf das Duell einstimmte. Und tatsächlich: Schon in der ersten Minute prüfte Jose Enrique Vazquez den gegnerischen Torhüter Julian Aznar - eine Szene, die den Ton für den Abend vorgab. Cerrense spielte mutig, fast übermütig. Während Deportivo Marde auf Ballzirkulation setzte, bevorzugten die Gastgeber die direkte Variante: Ball erobern, zwei Pässe, Abschluss. Und was für Abschlüsse! 23 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende, ein Wert, der eher an eine Schießbude erinnert als an ein Fußballspiel. Vazquez, der unermüdliche Mittelstürmer, schoss gefühlt auf alles, was sich bewegte - und manchmal auch auf das, was sich nicht bewegte. In der 22. Minute brach dann der Damm. Nach einem schnellen Doppelpass mit Vazquez zog Sean MacPhee von rechts in den Strafraum, verzögerte kurz und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte MacPhee später bescheiden, "und gehofft, dass der Ball das Tor findet. Hat er wohl." Nur drei Minuten später folgte der nächste Streich. Diesmal war Vazquez selbst der Vollstrecker. Ruben Benitez hatte den Ball clever durchs Mittelfeld getragen, sah die Lücke - und Vazquez nutzte sie eiskalt. 2:0 nach 25 Minuten, und die 30.713 Zuschauer im Estadio Cerrense tobten. Marde-Torwart Aznar schüttelte nur den Kopf. "Zweimal geschlafen, zweimal bestraft", murmelte er nach dem Spiel. Von da an war die Partie im Grunde entschieden. Cerrense blieb offensiv eingestellt, doch mit zunehmender Spielzeit wich der Adrenalinschub einer gewissen Gemütlichkeit. "Wir wollten kein Risiko mehr", erklärte Trainer Gnipeur später. "Offensiv spielen ja - aber nicht selbstmörderisch." Marde versuchte, das Spiel zu drehen, hatte aber nicht die Mittel. Vier Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Der erfahrene Ethan Gallagher probierte es zweimal, Cesc Ramos einmal - und das war’s. Torwart Joseba Mendes im Cerrense-Kasten hätte zwischendurch fast eine Zeitung lesen können, so selten wurde er geprüft. Ein wenig Würze brachte immerhin die Kartenstatistik: Vier Gelbe, drei davon für Cerrense. Innenverteidiger Alejandro Xuarez holte sich seine in der 18. Minute ab, weil er einen Zweikampf "etwas zu uruguayisch" führte, wie er später lachend sagte. Joao Gomes und Alejandro Nani folgten seinem Beispiel - vermutlich aus Solidarität. Nach dem Seitenwechsel passierte wenig Aufregendes. Gnipeur wechselte in der 64. Minute Salvador Meira für Nael Marques ein und brachte zwei Minuten später den erfahrenen Gerd Vilhelmsen, um das Mittelfeld zu stabilisieren. Beide erfüllten ihre Rollen unauffällig, aber effektiv. "Das war kein Feuerwerk, aber ein solides Spiel", meinte Vazquez nach Abpfiff. "Wenn man in der ersten Hälfte zwei Tore macht, darf man in der zweiten auch mal durchatmen." Sein Trainer sah das ähnlich, fügte aber augenzwinkernd hinzu: "Durchatmen ja, aber bitte nicht einschlafen - das müssen wir noch üben." Deportivo Marde-Coach, dessen Name in den Unterlagen kurioserweise nicht vermerkt war, wirkte indes ratlos. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", sagte er resigniert. "Vielleicht sollten wir nächste Woche mal versuchen, Tore statt Ballbesitz zu zählen." Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das weniger durch Spannung als durch Effizienz bestach. Cerrense zeigte, dass Mut manchmal mehr wert ist als Kontrolle. Die Fans verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen, während aus der Ferne leise Trommeln klangen - vermutlich von jenen, die schon an die nächste Partie dachten. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Cerrense nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Stück Selbstvertrauen gewann. Oder, wie es MacPhee formulierte, bevor er in den Kabinengang verschwand: "Wenn wir so weiterspielen, müssen die anderen bald doppelt so viele Bälle mitbringen." Ein Hauch von Größenwahn? Vielleicht. Aber nach diesem 2:0 durchaus verdient. 29.04.644000 16:02 |
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Lothar Matthäus beim Dienstantritt in New York