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Cerrense siegt spät - Huracan kämpft, aber trifft einfach nicht

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob das Tor für eine Mannschaft schlicht verschlossen bleibt. Der Dienstagabend in der Huracan Arena war so einer. 32.405 Zuschauer sahen, wie die Gastgeber von Huracan Arena 90 Minuten lang anrannten, ackerten und schwitzten - und am Ende doch mit einem mageren 0:1 gegen CD Cerrense dastanden. Ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Geschichte voller vertaner Chancen, glänzender Torwartparaden und eines eiskalten Vollstreckers erzählt.

Der Held des Abends hieß Nael Marques. In der 76. Minute stand der 29-jährige Rechtsaußen von Cerrense genau da, wo Torjäger stehen müssen. Nach einem feinen Zuspiel des eingewechselten Domingo Andrade nahm Marques den Ball mit der Brust an, schaute kurz und jagte ihn mit rechts unhaltbar in die linke Ecke. "Ich habe einfach gespürt, dass der Moment gekommen war", grinste Marques nach dem Spiel, während seine Mitspieler ihm auf den Helm klopften. Sein Trainer Leahcim Gnipeur nickte zufrieden: "Nael hat das gemacht, was wir das ganze Spiel versucht haben - den Ball mal ins Tor zu bringen."

Bis dahin hatte Cerrense fast alles richtig gemacht - außer treffen. 23 Torschüsse, ein Treffer. Die Statistik liest sich wie ein Roman über verschwenderische Kunst. Schon in der 4. Minute prüfte Marques Huracans Keeper Luis Baiao mit einem strammen Flachschuss, später folgten Versuche von Ryan Skene, Joao Gomes und Christian Petrizzi. Doch Baiao wurde zum Publikumsliebling: Er flog, hechtete und hielt, als ginge es um seine persönliche Ehre. In der 58. Minute wehrte er sogar einen wuchtigen Kopfball von Skene ab, der schon halb drin schien. "Ich hab’ ihn nur noch irgendwie erwischt", schnaufte Baiao danach - ein Satz, der in der Kabine wohl Legendenstatus bekommen dürfte.

Huracan Arena versuchte dagegenzuhalten, aber es blieb beim Versuch. Zwei kümmerliche Schüsse aufs Tor waren die magere Ausbeute. Dimas Etxebarria prüfte Cerrenses Torhüter Joseba Mendes in der 9. Minute - eine dieser Szenen, in denen das Publikum kurz die Luft anhält, bevor es wieder leise wird. Und in der 22. Minute zirkelte Manuel Pinto den Ball ans Außennetz. Danach? Viel Mittelfeldgewusel, viele Fehlpässe, viel "Beinahe". Trainer der Heimmannschaft (dessen Name in der Pressekonferenz interessanterweise nie fiel - vielleicht aus Selbstschutz) sagte trocken: "Wenn du keine Tore schießt, kannst du halt nicht gewinnen." Da war kein Widerspruch zu erwarten.

Die zweite Halbzeit brachte viel Bewegung auf der Bank von Cerrense. Gnipeur wechselte früh seinen Torhüter Mendes aus - angeblich wegen muskulärer Probleme, vielleicht aber auch wegen eines kleinen taktischen Experiments. Der 18-jährige Ersatzkeeper Jose Yago feierte damit sein Ligadebüt und strahlte nach dem Spiel, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich war nervös, aber die Jungs haben mich super aufgenommen", sagte der Youngster, während seine Handschuhe noch dampften.

Die Partie wurde ruppiger, und Schiedsrichter Soto hatte gut zu tun. Vier Gelbe Karten für Cerrense (Nani, Jakobsen, Vilhelmsen und der omnipräsente Andrade) sowie eine für Huracans Bruno Guerrero, der sich bei einem rustikalen Zweikampf sichtlich verschätzt hatte. "Ich wollte nur den Ball", verteidigte sich der 19-Jährige - ein Satz, der wohl in jeder Kreisliga genau so fällt.

Taktisch spielte Cerrense ab der 46. Minute deutlich aggressiver. Das Pressing wurde hochgezogen, das Zweikampfverhalten härter, der Einsatz kompromisslos. Huracan dagegen blieb bei seiner ausgewogenen, aber harmlosen Linie - kein Pressing, kein Risiko. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und so kam es auch.

Nach dem Schlusspfiff jubelten die Gäste ausgelassen vor ihrem kleinen, aber lautstarken Fanblock. "Das war ein Arbeitssieg", meinte Trainer Gnipeur, "aber genau solche Spiele bringen uns nach oben." Und er hat recht: Mit 54 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnener Zweikämpfe und der klar besseren Spielanlage war Cerrense an diesem Abend schlicht die reifere Mannschaft.

Huracan Arena hingegen muss sich fragen, ob man mit einer solchen Offensivleistung (zwei Torschüsse in 90 Minuten!) in der 1. Liga wirklich bestehen kann. Vielleicht sollte man weniger auf gepflegten Aufbau und mehr auf den Mut zum Risiko setzen. Oder, wie ein frustrierter Fan beim Hinausgehen rief: "Wir hätten auch mit einem Tor aus Lego getroffen!"

Am Ende bleibt ein verdienter Auswärtssieg für CD Cerrense - und die Erkenntnis, dass Ballbesitz zwar schön ist, Tore aber schöner sind.

Und irgendwo in der Umkleide summte Torhüter Baiao leise vor sich hin: "Heute hätte auch ein 0:0 gereicht." Nur leider, lieber Luis, fragt sich niemand nach dem "hätte".

30.05.643997 20:41
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