// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Ein lauer Abend in Uruguay, 34.957 Zuschauer, ein Flutlicht, das die Mücken anzieht wie manche Abwehrspieler die Gegenspieler - und ein Auftakt, der für CD Cerrense gerade so golden endete: 1:0 gegen Athletic Maldonado. Kein Spektakel, aber ein Sieg mit Stilnoten für Effizienz und Nervenstärke. Trainer Leahcim Gnipeur hatte vor dem Spiel versprochen, "keine Experimente, aber ein bisschen Magie". Und tatsächlich: Seine Mannschaft spielte genauso, wie man sich ein Team vorstellt, das die Balance erfunden hat - 50 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, ein Tor. Mathematik trifft Minimalismus. Das Spiel begann mit einem Feuerwerk der Gäste. Kingsley Coman, der 20-jährige Wirbelwind auf der linken Seite, prüfte Cerrenses jungen Keeper José Yago gleich mehrfach (8., 22., 32. Minute). "Ich dachte, der Ball will einfach nicht rein", stöhnte Coman später, "vielleicht war das Tor beleidigt." Seine Mitspieler Urrutia und Simao versuchten es ebenfalls, doch Yago hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was gar nicht zu halten war. Cerrense brauchte fast 20 Minuten, um zu merken, dass es losgegangen war. Dann aber schalteten auch sie den Turbo ein. Der rechte Flügelmann Alejandro Nani zog ein ums andere Mal die Linie entlang, während Ruben Benítez und Salvador Meira das Zentrum belebten. In der 39. Minute fiel dann das Tor des Abends - natürlich, wie könnte es anders sein, nach einem dieser "sicheren" Angriffe, die Gnipeur so liebt. Hugo Pacos flankte präzise von links, Meira rauschte heran und versenkte den Ball mit einem trockenen Abschluss ins lange Eck. 1:0. Das Stadion tobte, und Gnipeur grinste wie jemand, der gerade den Lottojackpot mit einem Einzeltipp gewonnen hat. "Ich hab ihn nur angeschrien: Lauf!", verriet Pacos nach Abpfiff. "Und er ist gelaufen. Manchmal ist Fußball wirklich einfach." Meira selbst blieb bescheiden: "Ich wollte den Ball eigentlich annehmen, aber dann dachte ich mir, ach was, mach’s direkt." Athletic Maldonado, trainiert von Altmeister Huub Stevens, zeigte danach, warum Erfahrung nicht automatisch Tore bringt. Seine Elf spielte geduldig, fast zu geduldig. "Wir haben uns den Ball schön angeschaut", knurrte Stevens später. "Leider hat er uns nicht zurückgelächelt." Die zweite Halbzeit wurde zum Beispiel dafür, wie man ein 1:0 verwaltet, ohne das Publikum komplett einzuschläfern. Cerrense verteidigte leidenschaftlich, manchmal etwas zu leidenschaftlich - Joao Gomes sah in der 84. Minute Gelb, nachdem er meinte, den Ball und den Gegner gleichzeitig spielen zu können. "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin", sagte er hinterher mit einem Grinsen, das jede Ausrede überflüssig machte. In der Schlussphase drängte Maldonado noch einmal. Ezequiel Futre zog aus der Distanz ab (85.), Coman versuchte es erneut, doch Yago blieb ein sicherer Rückhalt. Auf der anderen Seite vergab Meira in der 88. Minute die Chance auf das 2:0 - vielleicht, weil er schon an den Applaus dachte. Statistisch gesehen war das Spiel ein Muster an Ausgeglichenheit: 50 zu 49 Prozent Ballbesitz, 14 zu 10 Torschüsse, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Cerrense. Nur das Ergebnis war nicht ausgeglichen - und das ist bekanntlich die Statistik, die zählt. Nach dem Abpfiff umarmte Gnipeur seinen Keeper, als hätte der gerade die Weltmeisterschaft gewonnen. "Er ist erst 18, aber heute war er 30", sagte der Trainer stolz. Huub Stevens hingegen verschwand kommentarlos in den Kabinengang - vielleicht, um dort die Taktiktafel zu fragen, warum sie ihn im Stich gelassen hat. Cerrense startet damit mit drei Punkten in die neue Saison der 1. Liga Uruguay. Kein Offensivfeuerwerk, aber ein Statement: Wer sie schlagen will, muss mehr tun, als hübsch kombinieren. Oder, wie es Meira zum Abschluss formulierte: "Schön spielen ist nett. Gewinnen ist besser." Und wer weiß - wenn CD Cerrense weiterhin so effizient bleibt, könnte das kleine Team bald ganz groß rauskommen. Bis dahin dürfen die Fans träumen - und der Rasen sich von 90 Minuten gepflegtem Pragmatismus erholen. 22.03.643997 08:55 |
Sprücheklopfer
Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies