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Cerrense tanzt den Tacuarembo aus - 2:0 und ein Stadion im Freudentaumel

Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Wind über dem Estadio Cerrense nach Fußball roch. 31.768 Zuschauer hatten sich am Mittwochabend eingefunden, um zu sehen, ob CD Cerrense seine kleine Siegesserie fortsetzen würde - und sie wurden nicht enttäuscht. Mit einem überzeugenden 2:0 gegen Atletico Tacuarembo sicherte sich die Mannschaft von Trainer Leahcim Gnipeur drei Punkte, die sich fast so selbstverständlich anfühlten wie Mate-Tee zur Halbzeitpause.

Die Partie begann mit einem Feuerwerk - allerdings nicht von den Fans, sondern von den Stürmern. Schon in der dritten Minute prüfte Gabriele Mandatoriccio den Cerrense-Keeper Joseba Mendes mit einem satten Schuss aus 20 Metern. Mendes hielt, grinste - und hob den Daumen in Richtung Tribüne. "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin", lachte er später.

Das war auch gut so, denn Cerrense übernahm danach die Kontrolle. Linksverteidiger Hans Jakobsen, offenbar in Torlaune, zog gleich zweimal ab (5. und 7. Minute), ehe Nael Marques und Hugo Pacos den Druck weiter erhöhten. Die Statistiker kamen kaum mit dem Zählen nach - 16 Torschüsse verbuchte Cerrense am Ende, doppelt so viele wie die Gäste.

In der 26. Minute dann die Erlösung: Sean MacPhee, der schottische Rechtsaußen mit der Ausdauer eines Marathonläufers, zog nach einem feinen Pass von Hugo Pacos von rechts nach innen und schlenzte den Ball mit links ins lange Eck. 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man’s nicht probiert, trifft man nie", grinste MacPhee nach dem Spiel. Trainer Gnipeur dagegen hob nur die Augenbraue: "Das war nicht ganz so, wie wir’s geübt haben - aber wenn’s reingeht, beschwer ich mich nicht."

Atletico Tacuarembo wirkte geschockt, fand aber kurz vor der Pause zurück ins Spiel. Mandatoriccio, erneut auffälligster Mann bei den Gästen, scheiterte zweimal knapp - ehe er sich in der 55. Minute verletzte und ausgewechselt werden musste. "Ich spürte es sofort im Oberschenkel", sagte er hinterher niedergeschlagen. Trainer Matheo Ronaldo kommentierte trocken: "Wir hatten einen Plan A - und Mandatoriccio war 90 Prozent davon."

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, zeigte Cerrense, dass man nicht gewillt war, das Spiel offen zu halten. Nur 60 Sekunden nach Wiederbeginn setzte Duarte Galindo nach einer butterweichen Flanke - wieder von Hugo Pacos - zum Kopfball an und traf zum 2:0 (46.). Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Galindo rannte jubelnd zur Eckfahne, wo er sich theatralisch verbeugte. "Der war für meine Großmutter", erklärte er später - und fügte verschmitzt hinzu: "Sie mag keine Kopfballtore, aber diesmal muss sie durch."

Von Atletico kam danach wenig. Zwar hatten sie mit 50,4 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch das war eher ein kosmetischer Wert. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", gestand Mittelfeldmann Iker Santos. Währenddessen schaltete Cerrense auf Verwaltung - allerdings auf charmante Art. Petrizzi, der zentrale Taktgeber, bekam in der 65. Minute Gelb, weil er den Ball ein bisschen zu lange in den eigenen Reihen hielt. "Ich wollte nur sicherstellen, dass wir ihn behalten", erklärte er mit einem Augenzwinkern.

Leahcim Gnipeur nutzte die komfortable Führung für zwei taktische Wechsel: Hugo Pacos, der an beiden Treffern beteiligt war, durfte in der 64. Minute raus, Gerd Vilhelmsen kam - und brachte sofort Ruhe ins Spiel. Kurz danach ersetzte der junge Oscar Anderson den ausgepowerten Ryan Skene im Sturm. "Oscar sollte etwas Frische bringen - und auch, weil Ryan schon im Stehen geschnauft hat", sagte Gnipeur lachend.

Die Schlussphase gehörte dann vor allem den Fans, die sich in Gesang und Hupe überboten. Atletico versuchte es noch einmal mit Distanzschüssen von Bartu (73.) und Metternich (74.), doch Mendes hielt alles, was auf ihn zuflog.

Als Schiedsrichter Esteban Lira nach 96 Minuten endlich abpfiff, fiel auf: CD Cerrense hatte nicht nur 2:0 gewonnen, sondern Atletico Tacuarembo auch spielerisch entzaubert. "Wir haben heute gezeigt, dass Leidenschaft mehr zählt als Ballbesitz", resümierte Gnipeur. Sein Gegenüber Matheo Ronaldo nickte anerkennend - und murmelte: "Wir müssen lernen, auch ohne Mandatoriccio Fußball zu spielen."

Fazit: Cerrense feierte einen verdienten Erfolg, bei dem vor allem die rechte Seite mit MacPhee und Galindo glänzte. Zwei Tore, zwei Assists von Hugo Pacos - und ein Stadion, das noch lange nach Abpfiff sang. Vielleicht war es nicht der schönste, aber sicher der ehrlichste Sieg des 21. Spieltages in der 1. Liga Uruguay.

Oder, wie ein Fan beim Rausgehen grinste: "Wenn Cerrense so weitermacht, kauf ich mir endlich das neue Trikot - diesmal mit Galindo hinten drauf."

08.02.644000 14:31
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Toni Polster
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