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Ein warmer Maiabend, 37.157 Zuschauer, zwei Teams mit gegensätzlichen Philosophien - und am Ende ein Resultat, das keiner so recht einordnen konnte. CD Cerrense und Franja Danubio trennten sich am 32. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit einem 2:2, einem Ergebnis, das so wechselhaft war wie das Wetter an der Küste. Schon nach elf Minuten bebte das Estadio Cerrense. Der erst 18-jährige Ricardo Manuel, links wie ein Wirbelwind, traf nach einem schnellen Doppelpass trocken ins Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Teenager nach dem Spiel, "der Trainer sagt immer, wer nicht schießt, trifft nie." Trainer Leahcim Gnipeur nickte stolz, als wolle er sagen: "Hab ich’s doch gesagt." Danubio, von Coach Chucky Mandu gewohnt offensiv eingestellt, brauchte etwas, um den Schock zu verdauen. Doch Zivojin Bisevac, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Betonmischers, brachte die Gäste in der 36. Minute zurück. Nach Vorlage von Cristobal Garcez donnerte er den Ball unhaltbar unter die Latte. "Ich sah nur, dass der Keeper gezuckt hat - das reicht mir als Bestätigung", witzelte Bisevac später. Mit 1:1 ging’s in die Kabinen, und die Statistik sprach schon da Bände: Danubio hatte mehr Ballbesitz (am Ende 54,8 Prozent) und doppelt so viele Torschüsse (16 zu 10). Cerrense lebte von Leidenschaft, Danubio von Struktur - und manchmal vom Zufall. Nach der Pause schien der Favorit aus Montevideo (Danubio) seiner Rolle gerecht zu werden. In der 56. Minute flankte Bisevac mustergültig auf Marian Iliew, der die Kugel mit der Präzision eines Chirurgen ins lange Eck legte. 2:1 für die Gäste - und Franja Mandu klatschte zufrieden in seine Hände. "Wir hatten das Spiel unter Kontrolle", sagte er später, "bis wir dachten, wir hätten es wirklich unter Kontrolle." Denn zehn Minuten danach war Cerrense wieder da. Ruben Benitez steckte durch auf Oscar Anderson, der von links in den Strafraum zog und eiskalt zum 2:2 vollendete (66.). Ein Tor, das die Arena zum Kochen brachte. "Ich hab nur kurz hochgeschaut und dann einfach geschossen", sagte Anderson, als wäre das die einfachste Sache der Welt. Danubio reagierte nervös. Drei Gelbe Karten, eine Gelb-Rote für Leandro Moreno (86.) - und dabei hatte Schiedsrichter Gutiérrez eher großzügig gepfiffen. Moreno stapfte fluchend vom Platz, Mandu raufte sich die Haare, und Cerrense witterte plötzlich den Sieg. Hugo Pacos prüfte in der 88. Minute den Gästekeeper Costa noch einmal, doch dessen Glanzparade rettete Danubio den Punkt. Am Ende stand ein 2:2, das sich für Cerrense wie ein Sieg und für Danubio wie eine verpasste Gelegenheit anfühlte. Coach Gnipeur fasste es trocken zusammen: "Wir haben gegen einen starken Gegner gespielt. Und gegen uns selbst." Statistisch gesehen war’s ein Spiel der Gegensätze: Danubio suchte das Risiko, Cerrense den Moment. 16 Abschlüsse für die Gäste, 10 für das Heimteam, und doch zwei Tore auf jeder Seite - die Mathematik des Fußballs ist eben keine exakte Wissenschaft. Ein kleiner Dialog am Rande fasste den Abend wohl am besten zusammen. Als der vierte Offizielle die Nachspielzeit anzeigte, rief ein Cerrense-Fan von der Tribüne: "Noch fünf Minuten, Jungs - das reicht für zwei Tore!" Ein anderer antwortete trocken: "Oder für zwei Platzverweise." Er sollte fast recht behalten. Nach Abpfiff klatschten beide Teams sichtbar erschöpft ab. Mandu ging mit verschränkten Armen vom Feld, sein Blick irgendwo zwischen Ärger und Resignation. "Wir wollten mehr", murmelte er. Gnipeur dagegen grinste breit: "Unentschieden gegen Danubio? Das nehm ich. Und morgen trainieren wir Torschüsse - aber mit Zielwasser." Ein Spiel, das alles hatte: Tore, Karten, Emotionen - und ein Publikum, das jede Minute lebte. Fußball in Uruguay eben: laut, leidenschaftlich, unberechenbar. Und während die Flutlichter erloschen, meinte ein Ordner beim Rausgehen: "Wenn die so weitermachen, verkaufen wir bald doppelt so viele Tickets." Man konnte ihm glauben - solche 2:2 will man einfach wiedersehen. 14.06.644000 23:28 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002