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Wenn man die Statistik liest, könnte man meinen, RRC Hamoir habe das Spiel im Griff gehabt: 52 Prozent Ballbesitz, gepflegtes Passspiel, keine Hektik. Doch wer am Mittwochabend im Stade de l’Ardenne saß, wusste es besser: Club Lüttich nahm die drei Punkte mit, weil sie die einfachen Dinge einfach besser machten. 1:2 hieß es am Ende - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber ein Spiel voller kleiner Geschichten erzählt. Schon in der 16. Minute setzten die Gäste das erste Ausrufezeichen. Milan Jendrisek, 22 Jahre jung und mit der Entschlossenheit eines Straßenfußballers, nahm einen langen Ball von Alexis Reyns mustergültig mit der Brust an und versenkte ihn mit links in die lange Ecke. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Jendrisek später, "aber dann war er halt drin. Blöd für sie, gut für uns." Es war der erste von insgesamt 17 Torschüssen der Lütticher - und gleich ein Treffer. Hamoir wirkte nicht geschockt, aber ratlos. Sie hielten den Ball, passten quer, rückten langsam vor - doch vor dem Tor fehlte der Mut. Lediglich drei Schüsse fanden den Weg auf den Kasten von Florent Van Achte. Einer davon, in der 29. Minute, durch Arno Piersens, zwang den Keeper zu einer Flugeinlage, die mehr nach Zirkusnummer als nach Routine aussah. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch mal was fürs Auge biete", witzelte Van Achte nach dem Spiel. Lüttich dagegen spielte zielstrebig, fast schon unverschämt direkt. Ihr Trainer Dan Schmitz hatte seine Mannschaft offenbar auf Attacke programmiert. Nach der Pause, in der er laut eigener Aussage "nur kurz die Kaffeemaschine ausgemacht" habe, erhöhte sein Team auf 0:2. In der 52. Minute war es Bram De Mey, der nach Vorarbeit des erneut auffälligen Reyns aus spitzem Winkel einschob. Ein Tor, das so einfach aussah, dass es weh tat. Doch Hamoir gab sich nicht auf. Alberto Linares, der unermüdliche Antreiber im Mittelfeld, nahm in der 74. Minute Maß und wuchtete den Ball nach Zuspiel von Piersens unter die Latte - das 1:2, und plötzlich war das Stadion wieder wach. "Da war kurz Feuer drin", gestand Linares. "Wir dachten, da geht noch was." Und tatsächlich: Für ein paar Minuten roch es nach Ausgleich. Seppe Backeljauw prüfte Van Achte in der 83. Minute, der Ball klatschte vom Handschuh an die Latte - Pech für Hamoir, Glück für Lüttich. Die Schlussphase war hitzig. Pierre Schaelles sah in der 88. Minute Gelb, nachdem er Jendrisek an der Mittellinie umsenste. "Er ist jung, er soll was lernen", murmelte Schaelles, als der Schiedsrichter ihm die Karte zeigte. Trainer Schmitz reagierte cool: "Wenn du 17 Schüsse hast und nur zwei reinmachst, musst du wenigstens zeigen, dass du da bist." Als der Schlusspfiff kam, jubelten die Gäste ausgelassen, während Hamoir mit hängenden Köpfen vom Platz trottete. 27.000 Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - wohl mehr für den Einsatz als für die Effizienz. Die Statistik erzählte am Ende eine klare Geschichte: 52,6 Prozent Ballbesitz für Hamoir, aber 17:3 Torschüsse für Lüttich. Manchmal ist Fußball eben Mathematik für Romantiker - und die Gleichung lautet: Wer öfter schießt, trifft öfter. Dan Schmitz fasste den Abend trocken zusammen: "Ich mag Spiele, die aussehen, als wären sie knapp, aber eigentlich nie gefährlich sind." Sein Gegenüber, dessen Name in den Unterlagen leider verlorenging, sah das anders: "Wir hatten mehr vom Ball, aber sie hatten mehr vom Spiel. Das ist bitter, aber ehrlich." So reist Club Lüttich mit drei Punkten und einem breiten Grinsen zurück, während Hamoir zurückbleibt - mit dem Gefühl, viel Fußball gespielt, aber wenig gewonnen zu haben. Manchmal ist das eben das Schicksal derjenigen, die zu schön spielen wollen. Und irgendwo auf der Tribüne hörte man einen Fan murmeln: "Schön spielen hilft halt nicht, wenn der Ball lieber ins Netz des Gegners will." Vielleicht die treffendste Analyse des Abends. 27.12.644002 20:43 |
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