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Ein Tor, eine Karte, ein nervenaufreibender Abend: Stoke City gewinnt am 21. Spieltag der englischen Zweiten Liga mit 1:0 gegen die Norwich Canaries. 34.449 Zuschauer sahen im betagten Bet365 Stadium ein Spiel, das weniger durch spielerische Finesse als durch entschlossenen Pragmatismus glänzte - oder, wie ein Fan auf der Tribüne spöttisch meinte: "Das war kein Fußball, das war Gartenarbeit mit Ball." Dabei begann alles schwungvoll. Schon in der dritten Minute prüfte Arnaldo Soveria Simeri den gegnerischen Keeper Urban Winther mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel. Nur zwei Minuten später drosch Joel Cochran den Ball ebenfalls auf den Kasten - noch vorbei, aber das war die Vorwarnung. In der 19. Minute dann der Moment des Abends: Max Gage, der linke Verteidiger, marschierte unaufhaltsam die Linie entlang, flankte mit der Präzision eines Zimmermanns, und Cochran köpfte wuchtig zum 1:0 ein. Die Fans jubelten, als hätten sie gerade den Aufstieg besiegelt. "Ich hab einfach gehofft, Max bringt das Ding halbwegs rein - und dann war der Ball plötzlich da. Den musste ich machen", grinste Cochran nach Abpfiff, leicht verschwitzt, aber sichtlich zufrieden. Trainer Horst Fiedler ergänzte trocken: "So haben wir’s im Training nie geübt, aber wenn’s funktioniert, beschwer ich mich nicht." Norwich antwortete wütend. Logan Scott und Oscar Craven prüften Stokes Keeper Martin Perez mehrfach, doch der reagierte wie ein Mann, der seinen Job behalten will. Besonders in der 34. Minute, als Scott aus zwölf Metern abzog und Perez mit einer Hand über die Latte lenkte, zeigte der Torhüter, warum seine Handschuhe mehr wert sind als manche Jahreskarte. Das Spiel blieb eng und körperlich. Stoke hielt den Ball 51,8 Prozent der Zeit, Norwich knapp 48,2 - doch die entscheidenden Szenen gehörten den Hausherren. 15 Torschüsse hatte Stoke insgesamt, Norwich nur sieben. Trotzdem blieb es bis zur Pause beim knappen 1:0. Nach dem Seitenwechsel wechselte Fiedler dreifach: Jose Duran kam für den Torschützen Cochran, Thierry Lux ersetzte Laszlo Moti, und Herbert Hummel sollte auf der rechten Seite Joseph Latham ablösen. "Wir wollten frische Beine bringen", erklärte der Coach später. "Dass Lux dann frische Karten kassiert, war nicht der Plan." Denn der junge Innenverteidiger Lux machte in der 73. Minute Bekanntschaft mit der Gelben Karte - und nur drei Minuten später mit der Dusche. Gelb-Rot, völlig übermotiviert, nachdem er Norwichs Zoran Tosic unsanft an der Mittellinie stoppte. Fiedler war außer sich: "Ich hab ihm noch zugerufen: ’Thierry, bleib ruhig!’ Aber er hat wohl gedacht, ich mein den Ball." Mit einem Mann weniger zog sich Stoke tief in die eigene Hälfte zurück. Norwich drückte, aber ohne kreativen Funken. Joao Gonzalo versuchte es aus der Distanz, Samuel Corey in der Nachspielzeit sogar als linker Verteidiger - doch Perez blieb Herr der Lage. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die "Potters" wie nach einem Pokalsieg. "Ein dreckiger Sieg ist auch ein Sieg", meinte Fiedler später und zwinkerte in die Kameras. Sein Gegenüber Mister Unbekannt - nomen est omen - wirkte dagegen ratlos: "Wir hatten den Ball, wir hatten den Plan, aber wir hatten kein Tor." Man könnte meinen, 1:0 sei das Lieblingsresultat von Stoke. Pragmatismus in Reinform - kein Spektakel, aber drei Punkte. Cochran, der Held des Abends, sah das ähnlich: "Ich nehm lieber ein hässliches 1:0 als ein schönes 0:1." Die Fans verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen: zufrieden über den Sieg, aber leicht nervös ob der Nerven ihrer Abwehr. Der Platzwart hingegen war weniger glücklich - "So viele Grätschen auf meiner Wiese, da brauch ich nen neuen Rasenmäher!" Unterm Strich: Stoke kämpfte, Norwich spielte, und das Ergebnis sprach für die, die ihre Chancen nutzten. 90 Minuten ehrlicher Fußball - mit Schweiß, Karten, Flanken und einem Tor, das genügte, um drei Punkte zu sichern. Und vielleicht, so raunte ein älterer Fan beim Hinausgehen, "war das genau der dreckige Sieg, den wir gebraucht haben." Ein bisschen Glück, ein bisschen Disziplin - und ein bisschen Chaos von Thierry Lux. Mehr braucht man manchmal nicht, um in der 2. Liga England glücklich zu sein. 19.02.644000 17:47 |
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Erich Ribbeck