Tuttosport
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Cochrans Doppelpack lässt Gela jubeln - Tigri Cremonesi taumelt in der Defensive

Es war ein lauer Maiabend im Stadio Cremona, doch was die 40.000 Zuschauer am 11. Spieltag der 1. Liga Italien zu sehen bekamen, hatte mit Frühlingsromantik wenig zu tun. Bereits nach 20 Minuten stand es 1:3 - und das war auch der Endstand. Gela spielte in dieser Phase wie entfesselt, während die Tigri Cremonesi eher wie zahme Hauskätzchen wirkten.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. In der 5. Minute zog Lucas Cochran, Gelas 32-jähriger Rechtsaußen, nach einem feinen Zuspiel von Jeno Lisztes ab, und der Ball zischte flach ins linke Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Cochran später in die Kameras - niemand glaubte ihm. Nur zehn Minuten später durfte er erneut jubeln, diesmal nach einem präzisen Pass von Ignacio Barbosa. Zwei Schüsse, zwei Tore - Effizienz, wie sie in jedem Lehrbuch stehen könnte.

Die Hausherren schienen kurz geschockt, doch sie zeigten wenigstens ein Lebenszeichen. In der 17. Minute fasste sich Rechtsverteidiger Jaroslav Kadlec ein Herz und drosch den Ball nach schöner Vorarbeit von Antonio Tonel aus gut 20 Metern unter die Latte. Ein Tor, das die Heimfans für einen Moment glauben ließ, es könne doch noch etwas gehen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Kadlec später schmunzelnd. "Als er dann drin war, wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Armen."

Die Freude währte allerdings ganze zwei Minuten. In der 19. Minute schlich sich Gela-Linksverteidiger Jeno Lisztes nach vorne, bekam von seinem Abwehrkollegen Jozef Kona den Ball - und traf trocken zum 1:3. Der Treffer war sinnbildlich für das Spiel: Gela war schneller, wacher, präziser. Tigri Cremonesis Trainer Albert Bruhns stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und schien sich innerlich an den Kopf zu fassen.

"Wir wollten offensiv spielen", erklärte Bruhns später, "aber wir haben vergessen, dass man dabei auch verteidigen muss." Seine Mannschaft hatte mit 47 Prozent Ballbesitz zwar keinen katastrophalen Wert, doch Gela war in allen Belangen überlegen: 15 Torschüsse zu 5, und eine Zweikampfquote von 56 Prozent zugunsten der Gäste sprechen eine deutliche Sprache.

Nach dem wilden Beginn flachte die Partie etwas ab. Gela verwaltete clever, ließ Ball und Gegner laufen. Immer wieder drehte sich das Spielgerät über die Mittelfeldachse um Fabbri und Wegener, die das Zentrum kontrollierten, als gehörte es ihnen. Nur manchmal blitzte Tigri Cremonesis Offensivgeist auf - etwa als Pablo Sousa in der 60. Minute aus spitzem Winkel scheiterte oder Thibault Van Aken in der 69. Minute knapp vorbeizielte. Doch Gelas Torwart Pattrick Gabriel, 35 Jahre und ein Fels in Menschengestalt, ließ sich nicht mehr überwinden.

Ab der 70. Minute wurde das Spiel ruppiger. Gelas Kona sah Gelb (72.), kurz darauf auch Doppeltorschütze Lisztes (76.). Trainer Michael Müller reagierte und brachte Bernardo Ochoa für Kona, wenig später Filipe Semedo für Lisztes. "Ich wollte, dass wir das Ding sauber zu Ende bringen", sagte Müller hinterher. "Und ehrlich gesagt, ich hatte keine Lust auf eine Gelb-Rote in der 80. Minute."

Tigri Cremonesi probierte zwar bis zum Schluss, noch einmal heranzukommen, aber es blieb beim Versuch. Die Offensivbemühungen wirkten wie ein alter Dieselmotor - mit viel Lärm, aber wenig Vortrieb. Im Stadion hörte man in der Schlussphase sogar vereinzelte Pfiffe, doch viele Fans blieben bis zum Schlusspfiff und spendeten ihrer Mannschaft trotzdem Applaus.

"Wir müssen daraus lernen", sagte Kapitän Carles Postiga nach dem Spiel, "vor allem, dass ein Spiel länger als 20 Minuten dauert." Trainer Bruhns nickte daneben und murmelte: "Vielleicht fangen wir nächste Woche einfach mal in der 5. Minute an zu spielen, nicht erst danach."

Gela dagegen durfte sich feiern lassen. Lucas Cochran wurde zum Mann des Abends gekürt, und in der Kabine soll er mit einem Augenzwinkern zu seinen Mitspielern gesagt haben: "Zwei Tore? Na ja, ich wollte eigentlich drei."

Am Ende bleibt ein klarer, verdienter 3:1-Auswärtssieg für Gela, das damit weiterhin im vorderen Tabellendrittel bleibt, während Tigri Cremonesi nach unten schauen muss. Die Zahlen lügen nicht, und die Körpersprache auch nicht.

Schlusswort? Vielleicht dies: Wer so früh drei Tore kassiert, sollte den Wecker früher stellen.

04.10.643999 05:58
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Toni Polster
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