Tuttosport
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Cochrans später Streich: Gela ringt San Marino mit 1:0 nieder

Ein Spiel wie ein Geduldsspiel: 43.500 Zuschauer im Stadion von San Marino sahen am 20. Spieltag der 1. Liga Italien eine Partie, die man getrost unter "Späte Erlösung für Gela" abheften darf. Am Ende hieß es 0:1 (0:0) - ein Ergebnis, das so nüchtern klingt, wie es zustande kam.

Von Beginn an zeigte sich Gela als die aktivere Mannschaft. Kaum hatte Schiedsrichter Lazzaro den Ball freigegeben, donnerte Niels Wegener schon in der ersten Minute den ersten Schuss aufs Tor. Es war ein Auftakt, der den weiteren Spielverlauf ahnen ließ: Gela schoss, San Marino hielt den Ball. Ganze 57 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, aber nur sechs Torschüsse - das sagt mehr über den Abend als jeder Spielbericht.

San Marino-Trainer Husti Nette stand schon früh mit verschränkten Armen in der Coaching-Zone und schüttelte den Kopf. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee, was wir damit machen sollten", murmelte er nach der Partie. "Manchmal hatte ich das Gefühl, wir wollten den Ball lieber behalten, als ihn ins Tor zu schießen."

Gela dagegen schien das genaue Gegenteil zu wollen. 18 Abschlüsse, viele davon aus der zweiten Reihe - ihr Schussverhalten war, wie die Statistik trocken vermerkt, "ANYTIME". Trainer Michael Müller kommentierte das mit einem Grinsen: "Ich sag immer: Wenn du nicht schießt, triffst du auch nicht. Lucas hat das heute wörtlich genommen."

Damit meinte er natürlich Lucas Cochran, den 32-jährigen Rechtsaußen, der in der 77. Minute zum Helden des Abends wurde. Nach einem feinen Zuspiel von David Martin zog Cochran von rechts in den Strafraum, nahm Maß und versenkte den Ball flach ins linke Eck. Keeper Lewis Dubois war zwar noch dran, aber das Leder zischte über die Linie. 1:0 - und Gela jubelte, als hätte man gerade die Meisterschaft gewonnen.

"Ich hab einfach gedacht: Jetzt reicht’s", lachte Cochran nach dem Spiel. "Wir haben so viele Chancen liegen lassen, da musste einer rein. Und den widme ich unseren mitgereisten Fans - die haben heute mehr Durchhaltevermögen gezeigt als wir in der ersten Halbzeit."

Tatsächlich war Durchhaltevermögen gefragt. San Marino spielte gefällig, kombinierte sicher, aber im letzten Drittel fehlte alles - Tempo, Mut, Zielstrebigkeit. Der 18-jährige Pol Zorrilla hatte noch die beste Chance der Hausherren, doch sein Schuss in der 18. Minute rauschte knapp über die Latte. Danach war es mehr Ballgeschiebe als Angriffsspiel.

In der zweiten Hälfte wurde Gela mutiger. Javier Deco prüfte Dubois aus 20 Metern (61.), Wegener traf die Latte (72.), und kurz darauf fiel das Tor. Danach verwaltete Gela den Vorsprung routiniert - oder, wie Trainer Müller es ausdrückte: "Wir wussten, dass San Marino kein Risiko mehr eingehen würde. Also haben wir das getan, was wir am besten können: den Gegner ärgern."

Nicht alles war sportlich makellos. Drei Gelbe Karten - zwei für Gela, eine für San Marino - sorgten für etwas Farbe im ansonsten grauen Mittelfeldgeplänkel. Besonders Serhat Aydemir, der bullige Innenverteidiger der Gäste, hatte Glück, dass er nach einem rustikalen Einsteigen in der 88. Minute nicht früher unter die Dusche geschickt wurde. "Das war Ball gespielt", brüllte er empört Richtung Linienrichter, während Müller ihn vorsorglich aus der Schusslinie der Emotionen nahm.

Gelas Schlussmann Albert Valente brauchte an diesem Abend kaum einzugreifen, aber in der Nachspielzeit wurde es noch einmal brenzlig: Ein Freistoß von Simeon Galitsios segelte gefährlich in den Strafraum, doch Valente pflückte den Ball mit der Eleganz eines Mannes, der schon beim Frühstück weiß, dass er heute zu Null spielt.

Am Ende feierte Gela einen verdienten, wenn auch späten Sieg. Mit 18 Torschüssen und 55 Prozent gewonnener Zweikämpfe war der Gast das effektivere Team, auch wenn San Marino optisch mehr vom Spiel hatte.

Husti Nette fasste die Niederlage gewohnt trocken zusammen: "Wir haben gespielt, als ginge’s um Schönheitsnoten. Leider zählt im Fußball immer noch das Ergebnis."

Und so bleibt San Marino nach 90 Minuten Ballbesitz-Fußball ohne Ertrag, während Gela drei Punkte mitnimmt - und einen Helden namens Lucas Cochran, der mit einem Schuss all die verpassten Gelegenheiten vergessen ließ.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn man schon 43.500 Leute warten lässt, sollte man wenigstens schön treffen. Cochran hat das verstanden."

Ein spätes Tor, ein verdienter Sieger - und ein Spiel, das man eher wegen seiner Geduld als wegen seiner Glanzmomente in Erinnerung behält.

27.01.644000 22:05
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