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Wenn der Lago di Como etwas kann, dann ist es spiegelglatte Oberflächen - und an diesem Sonntagabend spiegelte der Rasen vor 39 750 Zuschauern die Emotionen einer ganzen Stadt: von Frust zu Euphorie, von Zittern zu Jubel. Como drehte das 0:1 zur Pause in ein furioses 3:1 gegen den favorisierten AS Mailand - und Trainer Peter Hess durfte am Ende mit nassem Hemd und breitem Grinsen feststellen: "Ich hab’s den Jungs gesagt: Wenn wir schon baden gehen, dann wenigstens im Erfolg!" Dabei hatte zunächst alles nach einem gemütlichen Mailänder Spaziergang ausgesehen. Nach 20 Minuten zirkelte Alberto Pozzi, dieser 22-jährige Linksfuß mit dem Selbstbewusstsein eines Modells auf dem Laufsteg, den Ball nach Vorlage von Corentin Voet ins rechte Eck. 1:0 für die Gäste - und Como wirkte kurz, als hätten sie statt Fußballschuhen Blei an den Füßen. "Wir waren zu brav, zu höflich", knurrte Hess später. "Fast so, als hätten wir Eintrittskarten gekauft, statt mitzuspielen." Mailand kontrollierte das Geschehen, hatte knapp 58 Prozent Ballbesitz und ließ den Ball elegant durch die Reihen laufen. Doch Eleganz allein gewinnt keine Spiele. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte Gästecoach Onerom Jackson, der sich nach dem Abpfiff sichtlich fragte, wo seine Geduld eigentlich geblieben war. Die zweite Halbzeit begann mit einem leisen Donnergrollen - nicht am Himmel, sondern in der Brust von Karel Plisek. Der tschechische Rechtsaußen hatte bereits vier Torschüsse in der Statistik stehen, alle knapp vorbei, und sah in der 67. Minute seine Chance: Ivan Jertec legte quer, Plisek zog ab - und dieses Mal krachte das Leder ins Netz. 1:1, und plötzlich war das Stadion wach. Was dann folgte, war ein Lehrstück in Sachen Energieumwandlung: Aus Lethargie wurde Leidenschaft, aus Zurückhaltung ein Sturm. Nur sieben Minuten nach dem Ausgleich stieg Innenverteidiger Sebastien Marley bei einem Eckball von Filippo Cerutti am höchsten und köpfte zum 2:1 ein. "Ich hab einfach gedacht, warum immer die Stürmer?", grinste Marley und klopfte sich auf die Brust, als wolle er sagen: Innenverteidiger können auch Kunst. Mailand taumelte, Como roch Blut. Zwei Minuten später wieder Cerutti, diesmal mit einem flachen Pass in den Strafraum, und der gerade eingewechselte Francesco Frascineto schob eiskalt ein - 3:1. Der 23-Jährige rannte jubelnd zu den Fans, während Hess mit einem Anflug von Stolz murmelte: "Der Junge hat noch Milch im Bart, aber Nerven wie aus Stahl." Nach diesem Dreifachschlag war Mailand erledigt. Zwar versuchten Elliot Eliot und Bruno Peragon noch, mit ein paar Schüssen den Anschluss zu erzwingen, doch Comos Keeper Daniel Brady hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich unhaltbar schien. Ein bisschen Drama durfte natürlich nicht fehlen: Yaman Öztürk, der schon in der 14. Minute Gelb gesehen hatte, ließ sich in der 86. Minute zu einem taktischen Foul hinreißen und sah folgerichtig Gelb-Rot. Während er vom Platz trottete, klatschte er höhnisch in Richtung Schiedsrichter - zur Belustigung der Tribüne, zur Verzweiflung seines Trainers. "Yaman meinte, er wollte nur den Rhythmus klatschen", witzelte Hess später, "aber das glaubt ihm keiner." Statistisch gesehen war das Spiel ein Paradoxon: Mailand hatte mehr Ballbesitz, mehr Struktur, aber Como hatte mehr Herz - und zwölf Torschüsse gegenüber sechs der Gäste. Die Zweikampfquote von knapp 53 Prozent für Como sprach Bände über den Willen, den Rückstand zu drehen. Onerom Jackson fasste den Abend mit britischem Understatement zusammen: "Wir haben aufgehört zu spielen, als Como angefangen hat, daran zu glauben." Und Karel Plisek, Mann des Abends, fügte lachend hinzu: "Nach meinem vierten Fehlschuss hat der Ball zu mir gesagt: Noch einmal, Karel - und dann klappt’s!" Vielleicht war es also weniger Taktik als Schicksal, das dieses Spiel entschied. Vielleicht auch nur der unbändige Wille einer Mannschaft, die sich nicht von großen Namen beeindrucken lässt. Als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans "Como, Como!" sangen, stand Peter Hess allein an der Seitenlinie, blickte über den See und sagte zu einem vorbeigehenden Ordner: "Wissen Sie, manchmal ist Fußball wie dieser Ort - ruhig, schön, und dann plötzlich bricht ein Sturm los. Zum Glück diesmal für uns." Und irgendwo auf dem Heimweg nach Mailand dürfte Onerom Jackson gedacht haben: Gegen Como zu verlieren ist keine Schande - aber drei Tore in neun Minuten? Das ist fast schon Kunst. 04.01.644000 22:03 |
Sprücheklopfer
Meine Frau und ich, wir sind jetzt seit zwei Jahren verheiratet und bei uns läuft alles gut.
Mehmet Scholl ausweichend auf die Frage, wann ihm Rehagel denn mitgeteilt habe, dass er wieder nur Ersatzspieler sein werde