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Es war einer jener Abende im The Den, an denen 50.816 Zuschauer das Gefühl hatten, dass hier nicht nur Fußball gespielt, sondern eine Lektion in britischer Arbeitsmoral erteilt wurde. Der FC Millwall besiegte die Hull Tigers am 15. Spieltag der 1. Liga England mit 2:0 (1:0) - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Geschichte von Dominanz, Fleiß und einem Rechtsverteidiger mit Torinstinkt erzählt. Bradley Crichton, sonst eher der Typ, der hinten Beton anrührt, entschied die Partie praktisch im Alleingang. In der 40. Minute schlich er sich nach einem Pass von Noah Clancy in den Strafraum, als hätte ihn niemand auf dem Zettel - und zimmerte den Ball humorlos in die lange Ecke. "Ich dachte eigentlich, ich soll hinten bleiben", grinste Crichton nach Spielende, "aber Noah hat mich so schön angeschaut - da musste ich einfach durchziehen." Kaum hatten sich die Tigers vom ersten Stich erholt, setzte Crichton in der 58. Minute nach - diesmal nach Vorarbeit von Bradley Davonport. Wieder war es derselbe Ablauf: Außenbahn, Tempo, Schuss - und das Netz vibrierte. "Wenn dein Außenverteidiger doppelt trifft, weißt du, dass du einen guten Tag hattest", sagte Trainer Sonny Crocket mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Unglauben pendelte. Hull dagegen wirkte über weite Strecken wie ein Team, das zwar spielen wollte, aber nicht so recht durfte. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das ist weniger Offensive als in einem durchschnittlichen Trainingsspiel. Trainer Mathias Oergel fasste es trocken zusammen: "Wir haben versucht, das Spiel langsam zu machen. Leider ist es uns gelungen." Seine Mannschaft kam nie wirklich in die Partie, weil Millwall mit über 61 Prozent Ballbesitz den Ball einfach nicht hergab. Dabei begann alles harmlos. In der dritten Minute prüfte Crichton bereits Tigers-Keeper Joel Eliot mit einem satten Schuss. Es war ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Millwall kombinierte munter, spielte mit kurzen Pässen, während Hulls Defensive eher an eine Baustellenabsperrung erinnerte: viel Gelb, aber nicht wirklich stabil. Zwischendurch sorgten die Gastgeber auch für Farbe im eigenen Spiel - allerdings in Form von Verwarnungen. Joel Satchmore (20.), John Bancroft (51.) und Alexander Mayhew (53.) sahen Gelb. "Das war Leidenschaft, kein Foulspiel", verteidigte Crocket seine Männer und fügte hinzu: "Vielleicht ein bisschen zu viel Leidenschaft, aber das Publikum liebt sowas." Nach der Pause wechselte Millwall defensiv: Thuringer kam für Satchmore, später Fairchild für Bancroft. Doch der Spielfluss blieb, die Passmaschine surrte weiter. Hull hingegen versuchte es mit jugendlichem Elan - in der 81. Minute brachte Oergel gleich zwei 17-Jährige: Ethan Warriner und Morgan Barrymore. Der Mut der Jugend wurde immerhin mit einem Gelben Karton belohnt - Warriner sah ihn in der Nachspielzeit, vermutlich aus Frust. Millwall hingegen spielte das Ergebnis souverän herunter. Daniel Darabont und Joseph Lockwood hätten das Resultat sogar höher schrauben können, doch Hull-Torwart Eliot verhinderte Schlimmeres. "Ich hatte das Gefühl, wir spielen gegen eine Wand", stöhnte Hulls Mittelfeldmann Lewis Payne nach dem Abpfiff. "Leider war’s keine Wand aus Ziegeln, sondern aus Millwall-Spielern." Statistisch war die Sache eindeutig: 16:3 Schüsse aufs Tor, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 61 Prozent Ballbesitz - Millwall kontrollierte das Geschehen nach Belieben. Das Publikum quittierte jede Kombination mit einem anerkennenden Raunen, das spätestens beim zweiten Crichton-Treffer in ein kollektives Jubelgebrüll überging. Ein Journalist fragte nach dem Spiel den Doppeltorschützen, ob er nun Stürmer werden wolle. Crichton lachte: "Nein, ich bleibe lieber da hinten. Da hat man mehr Überblick - und weniger Verantwortung." Trainer Crocket ergänzte augenzwinkernd: "Wenn er nächste Woche wieder doppelt trifft, überlege ich mir das nochmal." Am Ende blieb Hull nur das freundliche Händeschütteln - und die Erkenntnis, dass man mit einer "balanced" Taktik gegen ein entschlossenes Millwall kaum Land sieht. Die Tigers wirkten zahm, fast schon handzahm, während die Lions aus South London ihren Käfig mit Stolz verteidigten. Oder wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn der Verteidiger zweimal trifft, ist das kein Zufall - das ist Millwall." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem die Statistik so klar sprach wie die Gesichter der Spieler: Millwall biss zu, Hull knurrte - aber nur leise. 22.04.643994 12:39 |
Sprücheklopfer
Er hat angezeigt, dass er in einer Minute ausgewechselt werden will.
Christoph Daum über einen Stinkefinger von Ulf Kirsten