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Wenn 59.000 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Stadion von Crno Belgrad strömen, ahnen viele, dass es wieder ein Spektakel geben könnte. Was sie am 10. Spieltag der 1. Liga Serbien erlebten, war allerdings eher ein einseitiger Tanz als ein Duell: Crno Belgrad fegte Palilulac mit 4:0 vom Platz, und das fast schon mit beiläufiger Eleganz. Schon in der ersten Minute war klar, wer hier das Kommando übernehmen würde. Albert Zigic prüfte Palilulacs Keeper Jorge Castro mit einem Schuss, der mehr Warnung als Versuch war. "Ich wollte ihm gleich zeigen, dass wir heute schießen werden, bis er uns rauswirft", grinste Zigic später. Castro konnte da nur müde lächeln - es sollten noch 15 weitere Schüsse aufs Tor folgen. Das 1:0 fiel in der 23. Minute, und es war so schön, dass man fast Mitleid mit Palilulac haben musste. Nevio Calderon, der quirlige Linksfuß, vollendete nach feinem Zuspiel von Isaac McShane. Trainer Cevo Icvic riss die Arme hoch, die Fans sangen, und Palilulac wirkte bereits da, als würde man lieber den Bus zum Hotel nehmen. Vier Minuten später - kaum hatten die Gäste den Anstoß ausgeführt - zappelte der Ball erneut im Netz. Diesmal war es Albert Zigic, der nach Vorlage von Michel Calvente aus kurzer Distanz einschob. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", sagte Zigic später mit einem Schulterzucken, das nach Understatement roch. Palilulac dagegen suchte in dieser Phase verzweifelt nach Struktur. Trainer Peter Patrick schrie sich an der Seitenlinie heiser, winkte, gestikulierte, fluchte - und sah, wie seine Abwehrspieler trotzdem die Orientierung verloren. Ballbesitz hin oder her (44 Prozent waren es am Ende), gegen die Flügelangriffe der Belgrader sahen sie aus wie Verkehrshütchen im Sturm. Das 3:0 fiel kurz vor der Pause, wieder durch Calderon, der nach einer flachen Hereingabe von Zigic trocken abschloss (45.). Ein Doppelschlag für den Spanier, der an diesem Abend überall zu sein schien. "Ich hab Spaß gehabt", sagte er nach dem Spiel. "Und wenn du Spaß hast, fliegt der Ball halt rein." Mit 3:0 ging es in die Kabinen, und man ahnte, dass Palilulac dort weniger über Taktik als über Trost reden würde. Drei Wechsel zur Pause - Ljuboja, Mihajlovic und Anicic kamen für erschöpfte Kollegen - änderten jedoch nichts an der Richtung des Spiels. Crno Belgrad blieb im gewohnten Modus: Flügelspiel, kurze Pässe, stark in den Zweikämpfen (55 Prozent gewonnen), und stets mit einem Lächeln, das fast frech wirkte. Auch wenn sie das Pressing sparsam dosierten, wirkten sie in jeder Szene überlegen. In der 70. Minute kam dann die endgültige Entscheidung. Wieder war Calderon beteiligt - diesmal als Vorlagengeber für den wuchtigen Jewgeni Groschew, der den Ball kompromisslos zum 4:0 unter die Latte hämmerte. "Ich hab ihn gesehen, und ich wusste: Wenn ich ihm den Ball gebe, gibt’s ein Tor", meinte Calderon augenzwinkernd. Er irrte nicht. Palilulac versuchte es noch mit ein paar zaghaften Gegenangriffen - vier Torschüsse insgesamt, wovon zwei eher an Rückgaben erinnerten. Jamie Lansbury hatte in der 39. Minute die beste Chance, doch Crno-Keeper Ljuboslaw Kolew reagierte blitzschnell. "Wenn der reingeht, wird’s vielleicht kurz spannend", murmelte Lansbury später. Man darf vermuten, dass er selbst nicht recht daran glaubte. In den Schlussminuten wechselte Icvic noch zweimal, um Beifall zu verteilen: Ermin Despotovic und Petar Zdravkovic durften ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern. Der Trainer stand danach entspannt vor den Kameras. "Ich sage den Jungs immer: Spielt Fußball, nicht Statistik. Aber wenn ich die Zahlen sehe - 16 Schüsse, 55 Prozent Ballbesitz, vier Tore - dann kann ich auch damit leben." Und Palilulac? Trainer Peter Patrick wirkte gefasst, fast schon resigniert. "Wir hatten heute keine Chance. Crno war zu schnell, zu präzise, zu alles. Manchmal muss man das einfach akzeptieren." Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit stehenden Ovationen. Zigic und Calderon klatschten sich lachend ab, während Groschew noch ein Selfie mit einem Balljungen machte. Ein Abend, der zeigte, dass Crno Belgrad sich anschickt, die Liga nicht nur zu führen, sondern zu unterhalten. Und Palilulac? Die müssen sich wohl fragen, ob sie künftig vielleicht lieber mit mehr Pressing als mit langen Bällen auftreten sollten - oder zumindest mit einem Plan B, falls der Gegner einfach besser Fußball spielt. Kurz gesagt: Crno Belgrad spielte wie ein Meister, Palilulac wie ein Zuschauer. Und das Stadion tanzte dazu. 22.09.643999 23:46 |
Sprücheklopfer
Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre eine Amputation nötig gewesen.
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