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Wenn an einem lauen Juniabend 3.096 Zuschauer im Stadion am Ried stehen und sich gegenseitig ungläubig angrinsen, dann weiß man: Hier passiert gerade etwas, das Cronenberg so schnell nicht vergessen wird. Mit einem erstaunlich souveränen 3:0 fegte die Elf von Trainer Raphail Papadopoulos am 9. Spieltag der Oberliga E den favorisierten VfB Wolfsburg vom Platz - und das mit einer Spielfreude, die selbst den skeptischen Bratwurstverkäufer hinter der Gegengerade zum Dauerlächeln brachte. Schon in der sechsten Minute setzte Enis Undav das erste Ausrufezeichen - eigentlich gleich mehrere. Nach einem waghalsigen Doppelpass mit sich selbst, wie er später lachend meinte ("Ich hab nur gedacht: Wenn mir keiner den Ball gibt, mach ich’s eben alleine"), drosch der 29‑Jährige den Ball aus 15 Metern unhaltbar unter die Latte. Wolfsburgs Keeper Finn Reiter konnte nur staunen - und das war nicht das letzte Mal an diesem Abend. Cronenberg blieb danach am Drücker. 23 Torschüsse belegen, dass die Gastgeber nicht nur auf Konter aus waren, sondern den Ball laufen ließen, als hätten sie ihn gemietet. 54 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die sonst auf der anderen Seite der Statistiktafel stehen. Die Gäste aus Wolfsburg? Mühten sich redlich, fanden aber nie so recht in den Rhythmus. Vier kümmerliche Abschlüsse, davon keiner wirklich gefährlich. Trainer Papadopoulos stand an der Seitenlinie und dirigierte seine Jungs mit der Leidenschaft eines Opernkapellmeisters: "Bleibt oben drauf!", schrie er, als wäre er in der 90. Minute noch nicht zufrieden - da stand es allerdings schon 3:0. Aber der Reihe nach. Kurz nach Wiederanpfiff, in Minute 47, war es wieder Undav, der die Cronenberger Fans aus den Sitzen riss. Nach einer flinken Kombination über den rechten Flügel legte Nils Hoffmann den Ball mustergültig in die Mitte, wo Undav lauerte und trocken einschob. "Das war wie im Training - nur mit mehr Lärm", grinste Hoffmann später in der Mixed Zone. Wolfsburgs Trainer - der Name blieb an diesem Abend lieber ungenannt, die Körpersprache sprach Bände - versuchte mit lautstarken Kommandos gegenzusteuern. Doch seine Mannschaft wirkte, als hätte sie die Busfahrt noch in den Beinen. Gelbe Karten für Phillipp Bender (37.) sowie später auf Cronenberger Seite für Nüzhet Tas, Detlev Will und Karl Wagner zeugten davon, dass es zumindest an Einsatz nicht mangelte. Als die Partie in die Schlussphase ging, regnete es Chancen für Cronenberg. Lasse Rieger, der 19‑jährige Wirbelwind auf links, prüfte Reiter gleich mehrfach, ehe der junge Marc Kiefer in der 83. Minute die endgültige Entscheidung herbeiführte. Nach feinem Zuspiel von Detlev Will zog Kiefer aus der Distanz ab - der Ball senkte sich in einer wunderbaren Flugbahn ins rechte Eck. Ein Treffer, der selbst in höheren Ligen Applaus verdient hätte. "Ich hab’s einfach probiert. Der Trainer sagt immer, Mut wird belohnt", erzählte Kiefer später mit roten Wangen. Papadopoulos nickte väterlich: "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch Fußball spielen können. Und Enis war wieder mal… nun ja, Enis eben." Während die Cronenberger Fans noch die Mannschaft feierten, standen die Wolfsburger Spieler etwas verloren in der Mitte des Feldes. Kapitän Carl Blank fasste es trocken zusammen: "Wir haben heute gegen eine Mannschaft verloren, die einfach mehr wollte. Punkt." Ein Satz, der selten so wahr war. Denn Cronenberg wollte nicht nur, Cronenberg konnte auch. Mit Spielfreude, Mut und einer Prise Unverschämtheit ließen sie den großen Namen aus Niedersachsen alt aussehen. Die Statistik untermauert das Bild: 23:4 Torschüsse, ein Ballbesitzvorteil von knapp zehn Prozent und drei wunderschön herausgespielte Treffer. Und das alles bei einer taktischen Ausrichtung, die offiziell "offensiv" hieß, in Wahrheit aber schlicht "voll auf Angriffslust" bedeutete. Als die Flutlichtanlage kurz nach dem Schlusspfiff erlosch, rief ein Fan Richtung Papadopoulos: "Raphail, das war Oberliga‑Champions‑League!" Der Trainer lachte und hob die Hand zum Gruß. Ob die Saison für Cronenberg nun Fahrt aufnimmt, bleibt abzuwarten - aber dieser Abend war einer, der in Vereinsgeschichten gern mit goldener Tinte vermerkt wird. Und wer weiß: Vielleicht hat Enis Undav schon wieder Lust auf ein Doppelpack. Der Grillstand jedenfalls sollte vorsichtshalber genug Brötchen bestellen. 19.01.644003 19:35 |
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Jens Jeremies erinnert mich an den jungen Lothar Matthäus.
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