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Cronenberg zerlegt Albstadt - ein Abend voller Flanken, Frust und feiner Füße

Der Aprilabend über Albstadt roch nach Regen und Hoffnung, aber nach 90 Minuten blieb für die Heimfans nur der Geruch verbrannter Träume. 1845 Zuschauer sahen am 20. Spieltag der Landesliga 20 ein 0:5-Debakel ihres FC Albstadt gegen übermächtige Gäste aus Cronenberg - eine Lektion in Effektivität und Selbstvertrauen. Die Gäste unter Trainer Raphail Papadopoulos spielten, als hätten sie das Spielfeld schon vor Anpfiff vermessen und den Gegner gleich mit.

Schon nach fünf Minuten rieb sich das Publikum die Augen: Harald Zimmer, Cronenbergs Mittelstürmer mit der Statur eines Türrahmens und der Eleganz eines Balletttänzers, schob den Ball nach einer maßgeschneiderten Flanke von Tom Kopp ins Netz. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Zimmer später, "aber das ist ja auch eine Kunst." Die Albstädter Defensive sah in dieser Szene eher aus wie eine Gruppe Konferenzteilnehmer, die noch auf den Beamer wartet.

Kaum hatte sich die Heimmannschaft wieder sortiert, klingelte es erneut. Marcus Abel, zentraler Mittelfeldmann und Dauerläufer, zog in der 17. Minute aus gut 20 Metern ab - 0:2. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Abel mit einem Augenzwinkern zu, "aber dann dachte ich: Warum nicht mal was Schönes versuchen?" Der Ball senkte sich über Torhüter Christopher Schwarz, der nur noch hinterherschauen konnte.

Cronenberg blieb unersättlich. Philipp Sauer, der rechte Flügelblitzer, traf in der 32. Minute nach Vorarbeit des jungen Linksaußen Berndt Reinhardt zum 0:3 und legte zehn Minuten später gleich nach - diesmal nach Doppelpass mit Marcel Beyer. 0:4 zur Pause, und die einzige gute Nachricht für Albstadt war, dass der Pausentee immerhin heiß war.

"Wir wollten kompakt stehen", murmelte ein konsternierter Albstadt-Spieler auf dem Weg in die Kabine, "aber irgendwie sind wir dann doch lieber gesessen." Trainer Müller - dessen Name in der offiziellen Meldung nicht auftauchte, aber in Albstadt jeder kennt - soll in der Halbzeit lautstark auf die Tischplatte gehauen haben. Genutzt hat es wenig.

Cronenberg spielte weiter wie eine Maschine mit Flügeln: 20 Torschüsse, 53,6 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Zahlen erzählen dieselbe Geschichte wie die Ränge: absolute Dominanz. Albstadt kam zwar durch Niko Sonntag (15. und 60.), Maurice Böhme (64.) und Paul Geiger (84.) zu ein paar zarten Lebenszeichen, doch mehr als vier harmlose Abschlüsse sprangen nicht heraus.

Als dann auch noch Innenverteidiger Manfred Bock in der 79. Minute per Kopf nach einer Ecke von Abel das 0:5 markierte, applaudierten selbst einige heimische Zuschauer höflich - aus Respekt oder Verzweiflung, das blieb offen. "Ich wollte eigentlich hinten bleiben", lachte Bock später, "aber Marcus hat so schön gewunken. Da konnte ich nicht nein sagen."

Einziger Makel im Cronenberger Spiel: die Gelbe Karte für Rechtsverteidiger Ernst Albers in der 11. Minute, nach einem rustikalen Einsteigen, das in einer anderen Sportart vielleicht "Bodycheck" geheißen hätte. Auf der Gegenseite sah Jörg Michael Gelb für ein taktisches Foul - sinnbildlich für Albstadts vergebliche Versuche, den Gegner wenigstens kurz zu stoppen.

"Wir waren in jeder Hinsicht zu spät - beim Ball, beim Denken, beim Duschen", sagte ein sichtlich zerknirschter Albstädter Spieler nach dem Abpfiff. Trainer Papadopoulos hingegen stapelte tief: "Fünf Tore sind schön, aber wir hätten auch sieben machen können. Meine Jungs haben manchmal zu viel Spaß am Kombinieren."

Der FC Albstadt wird nach diesem Abend einiges zu verdauen haben. 0:5 zu Hause, kein Tor, kaum Zugriff - und das, obwohl man mit fast 46 Prozent Ballbesitz durchaus anständig mitspielte. Doch Cronenberg verstand es, die Statistik zu veredeln, wo es zählt: auf der Anzeigetafel.

Kurz vor Mitternacht stand der Cronenberger Mannschaftsbus schon auf dem Parkplatz, als Zimmer noch mal ausstieg, um sich ein Autogramm von einem kleinen Albstadt-Fan abzuholen - ein sympathischer Siegertyp inmitten einer Mannschaft, die an diesem Abend alles richtig machte.

Und Albstadt? Wird sich schütteln müssen. Vielleicht hilft die alte Fußballweisheit, die ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Manchmal ist ein 0:5 besser als ein 1:0 - dann weiß wenigstens jeder, dass es nicht an Pech lag."

Ein bitterer, aber ehrlicher Abend auf der Alb. Cronenberg lacht, Albstadt lernt - und der Rest der Liga schaut sich besser schon mal das Video an.

06.09.643996 21:05
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Als ich zum FC Bayern kam, war ich ein Schnäppchen, heute bin ich rund 50 bis 60 Millionen Mark wert.
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