// Startseite
| Irish Sports |
| +++ Sportzeitung für Irland +++ |
|
|
|
St. Patrick’s Athletic steht im Pokalfinale - und das nach einem dieser Abende, an denen Fußballromantiker leise in ihr Guinness murmeln: "Eins zu null, das schönste aller Ergebnisse." 59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Richmond Road sahen ein Halbfinale, das eher an ein Belagerungsspiel erinnerte - mit Athlone United als belagernde Armee und St Patricks als zäh verteidigende Festung. Am Ende entschied ein einziger Moment des Lichts in der 34. Minute: Leon Delap, 22 Jahre jung, traf nach feiner Vorarbeit von Leandro Fabbri - und das sollte reichen. Dabei hatte Athlone United das Spiel über weite Strecken in der Hand. 60 Prozent Ballbesitz, elf Torschüsse, und vermutlich noch ein Dutzend mehr halber Chancen, die irgendwo zwischen Verzweiflung und Hoffnung verpufften. Besonders Luke Cunningham - der 31-jährige Dauerbrenner im rechten Sturm - prüfte schon in der ersten Minute den gegnerischen Torwart Danko Sulejmani und tat das im Fünf-Minuten-Takt weiter. Doch Patricks Schlussmann war an diesem Abend ein Fels. Oder, wie Trainer Thomas Rumpelt später lachend meinte: "Danko hat heute so viel gehalten, er könnte morgen gleich beim Rugby anfangen." Die Gastgeber dagegen brauchten nicht viele Gelegenheiten. Erst ein zaghafter Schuss von Delap in der siebten Minute, dann ein weiterer Versuch in der 34. - und der saß. Fabbri, bis dahin eher unauffällig, tanzte im Mittelfeld elegant an zwei Gegenspielern vorbei, hob den Kopf und steckte den Ball durch die Gasse. Delap nahm ihn mit einem Kontakt, schloss trocken ab, und während Athlones Keeper Alexander McGee noch überlegte, ob er rauslaufen sollte, lag der Ball schon hinter ihm. 1:0. Jubel, Rauch, Gesänge - und ein Delap, der sich kaum fassen konnte. "Ich hab einfach instinktiv geschossen", grinste er später, "und gehofft, dass er nicht in die Tribüne fliegt." Athlone schüttelte sich kurz, dann ging der Sturmlauf weiter. Riley Carsley, der quirlig-linke Flügelflitzer, probierte es in der 27. Minute - knapp vorbei. Fünf Minuten später blieb er verletzt liegen, musste behandelt werden und wurde schließlich durch Finlay Aldridge ersetzt. Trainer Daniel Alberty wirkte an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade erfahren hat, dass sein Lieblingsrestaurant geschlossen bleibt. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können", seufzte er nach dem Abpfiff, "der Ball wollte einfach nicht rein." Die zweite Halbzeit brachte keine Wende. Athlone drückte, St Patricks verteidigte mit allem, was Beine hat - und manchmal auch mit dem Bauch. Der junge Raphael Schultz köpfte in der 60. Minute eine Ecke nicht etwa aufs Tor, sondern fast auf die Tribüne - "Taktik", wie er später schmunzelte, "damit wir Zeit gewinnen." Rumpelt reagierte in der 56. Minute gleich dreifach, brachte frische Kräfte: Wyler, Vidigal und den 18-jährigen Erim Kahveci, der mit jugendlichem Übermut sofort einen Distanzschuss wagte, der das Stadion kurz aufschreien ließ. Athlone biss sich weiter fest. Bailey Reid prüfte Sulejmani in der 64. Minute, Cunningham donnerte in der 74. Minute aus 20 Metern drauf - wieder nichts. Und in der Nachspielzeit, als McGee bei einem letzten Eckball mit nach vorne eilte, landete der Ball am Ende in den Armen des Keepers auf der anderen Seite. Der Schlusspfiff klang für St Patricks wie Erlösung, für Athlone wie ein schlechter Scherz. Statistisch gesehen war Athlone die klar bessere Mannschaft - mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote, mehr Torschüsse. Aber Fußball ist, wie man weiß, keine Tabellenkalkulation. "Wir haben das Herz auf den Platz gebracht", erklärte Rumpelt, während ihm ein Pappbecher Bier über die Schuhe lief. "Das reicht manchmal. Und heute hat’s gereicht." Im Publikum sagte ein älterer Herr im Fantrikot, der sich als "seit 1979 dabei" vorstellte, in unser Mikro: "Ich hab schon schönere Spiele gesehen - aber selten so befriedigende." Eine treffende Bilanz. So steht St Patricks Athletic nach 90 zähen Minuten im Pokalfinale. Ein 1:0, das in den Statistiken klein wirkt, in den Köpfen der Fans aber groß bleibt. Und irgendwo in Dublin träumt Leon Delap vermutlich noch davon, wie der Ball wieder und wieder über McGees Handschuhe segelt - so lange, bis der Schiedsrichter endlich pfeift. Und wenn man ehrlich ist: Es gibt schlechtere Träume. 20.05.644000 21:15 |
Sprücheklopfer
Als ich zum FC Bayern kam, war ich ein Schnäppchen, heute bin ich rund 50 bis 60 Millionen Mark wert.
Stefan Effenberg