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Ein lauer Abend in Lima, 43.569 Zuschauer im Estadio Nacional, und irgendwo zwischen tropischer Gelassenheit und deutscher Gründlichkeit feierte Olli Kahn seinen vielleicht peruanischsten Sieg. Academia Lima bezwang Colegio Vallejo mit 1:0 - ein Arbeitssieg, ein Abnutzungskampf, ein Lehrstück in Sachen "Wie rette ich ein 1:0 über 54 Minuten, ohne dass mein Trainer einen Herzinfarkt bekommt". Der Held des Abends: ausgerechnet Innenverteidiger Nestor Delgado. In der 36. Minute stieg der 26-Jährige nach einer Ecke höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. Sein Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung und ungläubigem Staunen. "Ich wollte eigentlich nur klären", grinste Delgado später. "Aber dann war der Ball plötzlich drin - und Kahn hat gebrüllt, als wäre es das WM-Finale." Dabei hatte Academia Lima schon zuvor Chancen im Minutentakt. Lucas Moura prüfte in der ersten Minute den gegnerischen Keeper Adriano Calderon, Iban Quixano gleich doppelt (6. und 7. Minute). Javier Santos schoss, verfehlte, schoss wieder, verfehlte erneut - man spürte, dass Lima zwar offensiv eingestellt war, aber die Zielstrebigkeit eher bei den Verteidigern lag. "Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir aufs Tor geschossen haben", sagte Coach Kahn nach der Partie. "Aber wenn du 15 Schüsse hast und nur einer rein geht, dann weißt du: Es war ein langer Abend." Tatsächlich: 15 Torschüsse für Lima, 3 für Vallejo, Ballbesitz nahezu ausgeglichen (49 zu 51 Prozent), aber die Statistik lügt nicht - die Hausherren hatten mehr Biss, mehr Wille und wohl auch den lauteren Trainer an der Seitenlinie. Colegio Vallejo, in dieser Saison eher für gepflegtes Kurzpassspiel bekannt, hatte einen rabenschwarzen Tag. Vier Gelbe Karten (Morte, Minguez, Jaroslawzew, Eliot) sprechen eine deutliche Sprache. "Wir waren zu brav in der ersten Halbzeit", grummelte Vallejo-Verteidiger James Eliot, der dann prompt selbst Gelb sah. "In der zweiten wollten wir mehr, aber Lima stand wie eine Betonwand." Einmal blitzte Vallejos Offensivgeist auf: George Payne zog in der 12. Minute beherzt ab, Lima-Keeper Eric Brun musste sich ganz lang machen, um den Ball aus dem Winkel zu kratzen. Doch das blieb der einzige Moment, in dem die Gäste gefährlich wurden. Nach der Pause verflachte das Spiel - Vallejo suchte verzweifelt nach Ideen, Lima nach der Uhr. Jordi Roy kam für Quixano (59.) und brachte frischen Wind, allerdings auch eine Gelbe Karte (67.) nach einem etwas zu enthusiastischen Einsteigen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte sich der 21-Jährige. "Kahn meinte danach: ’Jordi, das war’s wert.’" Kahn selbst stand während der letzten Minuten an der Seitenlinie wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Als sein Team in der 87. Minute noch einmal durch Christiano Meireles aufs Tor feuerte, schrie der Trainer: "Zwei Null, das wär’s!" Doch der Ball rauschte knapp vorbei. Zum Ende hin wurde ausgewechselt, was das Regelwerk zuließ - der 17-jährige Marco Verratti durfte in der Nachspielzeit noch einige Sekunden Rasenluft schnuppern, während die Fans bereits den Sieg feierten. Delgado, der Torschütze, verließ das Feld unter Applaus. "Ich dachte, Olli würde mich nach dem Tor lieber drin lassen", lachte er. "Aber er meinte, ich hätte genug für die Defensive getan. Das war wohl ein Kompliment." Colegio Vallejo versuchte es bis zum Schlusspfiff mit langen Bällen, blieb aber ohne Fortune. Kein Pressing, kein Risiko - taktisch blieb man brav, fast zu brav. "Wir wollten nicht ins offene Messer laufen", erklärte Trainerassistent Carlos Ramos. "Leider sind wir trotzdem hineingestolpert." Das Publikum bekam also kein Spektakel, aber einen verdienten Sieger. Lima kämpfte, rannte, biss - und hatte mit Kahn an der Linie einen, der jeden gewonnenen Zweikampf feierte, als hätte er ihn selbst geführt. "Ein 1:0 ist wie ein Espresso", bilanzierte der Coach trocken. "Kurz, stark, und wenn du’s zu schnell trinkst, bleibt dir die Pumpe stehen." So stand am Ende ein knapper, aber verdienter Sieg für Academia Lima - mit einem unerwarteten Matchwinner und einem Trainer, der bewiesen hat, dass Leidenschaft auch in 10.000 Kilometern Entfernung von München noch dieselbe Lautstärke hat. Und während die Fans im Abendlicht sangen und tanzten, fasste ein älterer Herr auf der Tribüne das Spiel wohl am besten zusammen: "Nicht schön, aber selten. Und genau deshalb kommen wir her." 06.04.644000 07:40 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme