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Es war ein kühler Maiabend in Den Bosch, aber auf dem Platz kochte die Luft. 21.944 Zuschauer sahen ein Fußballspiel, das so begann, wie man es sich als Heimmannschaft nicht wünscht - und so endete, wie es nur der Fußball kann: mit einem Comeback, das selbst Hollywood zu kitschig wäre. Feyenorth Rotterdam - pardon, Feyenoord-Fans werden jetzt die Stirn runzeln, aber der Name bleibt in Den Bosch so hängen - trat selbstbewusst auf. Trainer Marco Schneider hatte seine junge Garde auf "balanciert" eingestellt. Keine wilden Pressing-Experimente, aber mit jugendlicher Frechheit. Und die zeigte sich früh. Schon in der vierten Minute prüfte der 18-jährige Henrick De Graff den gegnerischen Keeper Pauel Van Cortlandt - ein Veteran mit grauen Schläfen und Reflexen aus einer anderen Zeit. "Ich dachte, die schießen uns heute aus dem Stadion", gab Van Cortlandt später grinsend zu. "Aber dann haben sie wohl gemerkt, dass man ein Spiel nicht in der ersten Halbzeit gewinnt." Ganz so falsch lag er nicht. In der 27. Minute stand es 0:1 - wieder De Graff, diesmal eiskalt. Nach einem feinen Pass von Linksverteidiger Gottfried Groesbeck schob der Teenager den Ball flach ins Eck. Kein Zucken, kein Jubel-Exzess - einfach die kühle Selbstverständlichkeit eines Spielers, der noch gar nicht weiß, wie jung er ist. Und Feyenorth roch Blut. Kurz vor der Pause, in der 42. Minute, erhöhte der nächste 18-Jährige: Rikki Westerveldt, ebenfalls blutjung, aber schon mit der Kaltschnäuzigkeit eines erfahrenen Stürmers. Bastiaan Van Tassel hatte ihm das Leder mustergültig aufgelegt. 0:2, und im Stadion herrschte betretenes Schweigen - nur die Gästefans sangen sich heiser. "In der Kabine hat’s ordentlich gerumpelt", verriet SC-Trainer Lui Viton später halb lachend, halb seufzend. "Ich hab gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens mit Stil. Und dann haben sie Stil gezeigt - und Tore." Tatsächlich kam Den Bosch mit Feuer aus der Pause. Offensiv, wie es ihre taktische Marschroute ohnehin vorsah. Die alten Haudegen Gabor Szucs (36) und Vlassis Papastathopoulos (35) schickten Bälle in die Spitze, während die Jungen vorne endlich begannen, an sich zu glauben. In der 65. Minute fiel der Anschluss: Vincent Antonio, 32, legte all seine Routine in einen flachen Abschluss nach Vorlage von Szucs. 1:2 - und plötzlich glaubte das Stadion wieder an Wunder. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Antonio später trocken. "Wenn du 2:0 hinten bist, gibt’s keinen Grund, zimperlich zu sein." Zwei Minuten später bebte das Stadion. Gerard Ring, erst 21, traf nach einem Eckball von Innenverteidiger Issac Voorhees per Nachschuss. 2:2! Der Jubel war ohrenbetäubend - und der bis dahin so souveräne Feyenorth-Keeper Brandon Balzac wirkte plötzlich so nervös, als hätte man ihm die Handschuhe vertauscht. Den Bosch drückte weiter, als wolle man das Spiel völlig drehen. Zivojin Vucicevic (20) hatte in der 74. und 89. Minute noch zwei glänzende Chancen, verzog aber knapp. Feyenorth versuchte zu kontern, doch die Luft war raus. Stattdessen holte sich Rikki Roorback in der 85. Minute noch Gelb - sinnbildlich für eine Mannschaft, die das Spiel aus der Hand gegeben hatte. Am Ende blieb es beim 2:2. Die Statistiken erzählten eine gerechte Geschichte: Feyenorth mit mehr Ballbesitz (54 Prozent) und 14 Torschüssen, Den Bosch mit Herz, Mut - und acht guten Abschlüssen, die zwei Treffer wert waren. "Das ist Fußball", sagte Trainer Schneider nach dem Abpfiff und zuckte mit den Schultern. "Zwei junge Torschützen, zwei verschenkte Punkte. Vielleicht lernen sie was daraus. Vielleicht auch nicht." Lui Viton hingegen grinste breit in die Kameras: "Ich hab gesagt, wir sind keine Laufkundschaft. Heute waren wir eher die Ladenbesitzer." Und während die Fans von Den Bosch noch lange nach Abpfiff sangen, standen die jungen Feyenorth-Spieler ratlos auf dem Rasen. De Graff, der Torschütze des ersten Treffers, soll leise gesagt haben: "Ich wusste gar nicht, dass 90 Minuten so lang sein können." Ein Satz, der wohl im Gedächtnis bleibt - ebenso wie dieses Spiel, das zeigte, dass Erfahrung manchmal eben doch gegen jugendliche Leichtigkeit gewinnt. Oder zumindest: ein Unentschieden rettet. Denn in Den Bosch weiß man jetzt wieder, warum man Fußball liebt. Wegen Spielen wie diesem - voller Drama, Fehler, Emotion und einem Schluss, den kein Drehbuch besser schreiben könnte. 16.04.644000 09:19 |
Sprücheklopfer
Es war von vornherein klar, dass Leverkusen die stärkere Mannschaft ist. Wir haben derzeit niemanden, der gegen Neuville hätte spielen können - außer mir vielleicht.
Felix Magath