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Ein lauer Märzabend, 35.856 Zuschauer im Stadion und zwei Mannschaften, die sich offenbar auf ein Offensivfeuerwerk geeinigt hatten - das waren die Zutaten für das 1:1 zwischen dem FC Den Haag und Sparta Nijkerk am 12. Spieltag der 1. Liga Niederlande. Doch was die Fans sahen, war ein Spiel zwischen Genie, Wahnsinn und der allgegenwärtigen Frage: Warum eigentlich kein zweites Tor? Den Haag begann forsch, mit einer Taktik, die Trainer Xurxo Zabajone wohl am Reißbrett als "offensiv, aber bitte mit Stil" beschrieben hätte. Schon in der zweiten Minute prüfte Alessandro Lago den Nijkerker Torhüter Benjamin Giles mit einem satten Schuss. "Da wollte ich mal wachrütteln", grinste Lago nach dem Spiel. Und tatsächlich - Sparta wachte auf, allerdings mit etwas Verspätung. In den ersten 45 Minuten war Den Haag das aktivere Team, druckvoll über die Flügel mit Taylor Boissieu als quirligem Motor auf der rechten Seite. Boissieu war es auch, der in der 43. Minute mit einem perfekt getimten Pass Lago fand - und der Italiener schob eiskalt ein. 1:0, das Stadion bebte, Zabajone ballte die Fäuste, und selbst der sonst stoische Linienrichter grinste kurz. "Wir hätten das 2:0 machen müssen, ganz klar", haderte Zabajone später. Und er hatte recht. Nur zwei Minuten nach dem Führungstor vergab Cafer Sedef eine Riesenchance, als er freistehend über das Tor zielte. Der Ball segelte in die Nacht von Den Haag - wahrscheinlich noch immer im Landeanflug auf Rotterdam. Wer dachte, die Pause würde Nijkerk demoralisieren, wurde eines Besseren belehrt. Trainer Markus Kuzmich, bekannt für seine ruhige Art (und dafür, dass er nie ruhig bleibt), muss in der Kabine deutliche Worte gefunden haben. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn wir schon Flügel haben, dann fliegen wir auch!", lachte er später. Und tatsächlich - ganze 46 Sekunden nach Wiederanpfiff zappelte der Ball im Netz. Valerio Bortolin, eigentlich Innenverteidiger, drosch den Ball nach einer Ecke in den Strafraum, wo Zeeman Voores goldrichtig stand. Mit der Wucht eines Presslufthammers köpfte er zum 1:1 ein. "Ich dachte erst, der Pfiff kommt - aber dann hab ich einfach draufgehalten", erzählte Voores, der später noch Gelb sah, weil er es mit der Leidenschaft etwas zu wörtlich nahm. Von da an war es ein offener Schlagabtausch. Nijkerk schoss, Den Haag konterte, und der Ballbesitz pendelte sich fast perfekt ausgeglichen ein - 50,6 Prozent für die Gäste, 49,4 für die Hausherren. Aber die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Sparta hatte ganze 16 Torschüsse, Den Haag deren acht, doch Torhüter Juriaan Van Buren avancierte mit mehreren Glanzparaden zum heimlichen Helden. "Ich kann ja nicht alles halten - aber fast", witzelte er nach dem Abpfiff und erntete dafür Applaus von den Fans, die längst wussten, wem sie das Unentschieden zu verdanken hatten. In der Schlussphase wurde es hektisch: Bortolin und Voores sahen beide Gelb, offenbar weil sie dachten, dass körperliche Präsenz zur Kunstform erhoben werden müsse. Kuzmich nahm’s gelassen. "Wenn du 90 Minuten so spielst, darfst du auch mal Farbe bekennen", grinste der Coach. Auf der anderen Seite tobte Zabajone an der Linie, warf seine Jacke auf den Boden und schrie in Richtung viertem Offiziellen: "Das war doch nie im Leben ein Foul!" - nur um Sekunden später seinem Spieler zuzuraunen: "Doch, war’s wohl." Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie gerecht wurde und doch keinem so richtig schmeckte. "Wir hatten sie am Haken", meinte Lago, "aber dann haben wir den Fisch wieder schwimmen lassen." Statistisch betrachtet war Sparta das aktivere Team, kämpferischer, mit leicht besserer Zweikampfquote (53,5 Prozent). Doch Den Haag zeigte mehr Herz und Kreativität - wenn auch nicht genug Präzision. Als die Flutlichter erloschen und die Fans sich auf den Heimweg machten, blieb vor allem eines hängen: das Gefühl, ein gutes Stück Fußballtheater erlebt zu haben - mit allem, was dazugehört. Tore, Emotionen, Missverständnisse und ein Trainer, der seine Jacke opferte. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Für so ein Spiel zahlt man gerne Eintritt - aber bitte das nächste Mal mit Happy End." Und vielleicht, wer weiß, übt Den Haag ja schon an der Chancenverwertung. Zur Sicherheit - für den 13. Spieltag. 18.03.643994 20:50 |
Sprücheklopfer
So schnell wie ich heute gelaufen bin, konnte mich keine Kamera einfangen.
Mario Basler