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Es war einer dieser Pokalabende, an denen selbst der Stadionkaffee irgendwann zu zittern beginnt. 46.221 Zuschauer sahen im Old Borough Stadium, wie die Manchester Devils nach zähem Kampf einen 0:1-Rückstand in ein 3:2 nach Verlängerung verwandelten - und dabei mehr Nerven ließen als so mancher Fan in den 120 Minuten. Schon der Auftakt versprach Drama. Margate, vom unerschütterlich gestikulierenden Ata Lameck angetrieben, spielte mutig nach vorne. In der 39. Minute traf Harold Coeyman nach feiner Vorarbeit von Kai Marley - ein Schuss aus 18 Metern, der so trocken war wie Lamecks anschließender Kommentar: "Wir wollten nicht nur zuschauen, wie Manchester Fußball spielt." Der Satz saß - und die Devils wirkten tatsächlich, als hätten sie die Einladung zum Spiel vergessen. Trainer Ronnie Ekström stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, während seine Defensive die Ordnung suchte. "Ich sagte in der Pause: Entweder wir wachen auf, oder wir werden im eigenen Stadion zum Sightseeing-Team", verriet er später mit einem Schmunzeln. Nach dem Seitenwechsel dann das, was die Fans erhofften: mehr Feuer, weniger Angst. Die Devils erhöhten das Pressing, Asen Christow und Logan Nolan wirbelten endlich über die Flügel. In der 72. Minute fiel der Ausgleich - Nolan traf nach einem cleveren Pass von Jamie Kirwan. Der Jubel war laut, aber nicht euphorisch: zu frisch war die Erinnerung an die vielen vergebenen Chancen (16 Torschüsse am Ende, aber lange nur ein Treffer). Margate blieb gefährlich, konterte geschickt, und als Zivojin Basta in der 92. Minute nach einer Flanke von Innenverteidiger Gottfried Hoffman per Kopf das 2:2 markierte, glaubte wohl jeder an das Elfmeterschießen. Doch Ekström hatte noch einen Joker: Mika Kuqi, der erst kurz zuvor für Christow gekommen war. Der Finne, bekannt für seine rustikale Art, hatte nur einen Gedanken - draufhalten. In der 114. Minute tat er genau das. Ein Schuss aus spitzem Winkel, der Keeper Joshua Hannigan auf dem falschen Fuß erwischte - 3:2, das Stadion explodierte. "Ich wollte einfach nicht mehr laufen", grinste Kuqi nach dem Spiel. "Also dachte ich, ich beende das Ganze." Ein Satz, der wohl in die Vereinsfolklore eingehen wird. Die Margate Reds, tapfer bis zum Schluss, warfen in den letzten Minuten alles nach vorne. Lameck brachte sogar noch den jungen Henderson, der prompt einen Distanzschuss abfeuerte - vorbei. "Ein Tor mehr, und wir hätten Geschichte geschrieben", seufzte der Coach. Stattdessen schrieb sie Manchester. Die Statistiken erzählen von einem ausgeglichenen Spiel: 52 Prozent Ballbesitz für die Devils, 14 Torschüsse der Gäste, zwei Gelbe Karten (beide Margate). Ellis Malfoy sah sie, weil er Swetlow beim Sprint kurzerhand den Arm reichte - allerdings etwas zu herzlich. "Ich wollte ihn nur bremsen", sagte Malfoy später lachend, "aber der Schiedsrichter hat wohl keinen Humor." In der Verlängerung spielten die Devils mit offenem Visier, während Margate zunehmend auf dem Zahnfleisch ging. Ekström hatte seine Mannschaft umgestellt, auf volles Risiko: Pressing "YES", Aggressivität "STRONG", wie die Statistik trocken festhält. Auf dem Platz sah das nach purem Chaos aus - aber nach effektivem. Nach dem Schlusspfiff war Erleichterung greifbar. Ekström umarmte Kuqi, Nolan und selbst Torhüter Amram Hanegbi, der in der 118. Minute noch einen gefährlichen Kopfball von Basta parierte. "Das war kein schönes Spiel", gab der Coach zu, "aber ein ehrliches." Für Margate bleibt der Trost, den Favoriten fast gestürzt zu haben - und für Manchester die Erkenntnis, dass Pokalnächte selten planbar sind. "Wir waren tot und sind wieder auferstanden", fasste Kapitän Bancroft zusammen, "typisch Devils eben." Als die letzten Fans das Stadion verließen, summte einer von ihnen: "Nach so einem Spiel braucht man Urlaub." Der Reporter neben ihm notierte: Nach so einem Spiel braucht man eigentlich nur eins - Verlängerungspillen. 04.05.643994 01:45 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
Otto Rehhagel