Diarios de Futbol
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Diablos brennen kurz auf - Lima löscht das Feuer eiskalt mit 3:1

Es war einer dieser Abende in der Copa Libertadores, an denen die Hitze von Coatepeque nur mühsam über die Spannung im Stadion hinwegkam. 35.750 Zuschauer schwitzten, fluchten, hofften - und sahen am Ende zu, wie die Diablos Coatepeque gegen eine abgeklärte Academia Lima mit 1:3 untergingen. "Wir haben die Flügel zu früh gestutzt bekommen", murmelte Heimtrainer Alex Sch nach dem Abpfiff, als er in Richtung der Bank blickte, wo sein verletzter Mittelfeldmotor Liam Featherstone mit bandagiertem Oberschenkel saß.

Dabei hatte alles so ordentlich begonnen. Die Diablos, taktisch ausgewogen aufgestellt, liefen in den ersten Minuten giftig an. Der 17-jährige Fabio Maniche prüfte Limas Torwart Eric Brun schon nach einer Minute - ein Schuss, der mehr Mut als Wucht hatte. "Ich wollte zeigen, dass ich keine Angst habe", grinste der Teenager später, "aber der Ball hatte wohl Angst vor dem Tor."

Lima ließ sich davon nicht beeindrucken. Das Team von Olli Kahn - ja, der Olli Kahn - spielte so, wie man es von einem Team unter seiner Leitung erwarten darf: aggressiv, kontrolliert, beinahe stoisch. Christiano Meireles und Pieter Tilleman wirbelten auf den Flügeln, während im Zentrum Ivan Anicic die Bälle verteilte, als habe er einen Kompass im Fuß. Trotzdem blieb es zur Pause beim 0:0. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Geduld, irgendwann fällt er", verriet Kahn später mit einem Lächeln, das nur entfernt an Zähneknirschen erinnerte.

Dann kam die 53. Minute - und mit ihr der Dosenöffner. Wieder war es Tilleman, der nach einer butterweichen Vorlage von Anicic ins lange Eck traf. "Der Ball hat sich verliebt in den Pfosten, ist aber zum Glück trotzdem reingegangen", witzelte der Belgier. Coatepeque war kurz geschockt, dann aber auch ideenlos. Nur zehn Minuten später wiederholten die beiden das Kunststück: Anicic chipte, Tilleman nickte - 0:2.

Trainer Alex Sch warf die Hände in die Luft, forderte mehr Mut - und bekam wenigstens Herzblut. In der 77. Minute schraubte sich Roberto Costinha nach einer Ecke von Joseba Gomez hoch und köpfte zum 1:2 ein. Der Jubel im Stadion: ein Vulkan, der endlich ausbrach. "Da dachte ich, jetzt drehen wir’s", sagte Costinha hinterher, "aber dann kam Lima wieder mit dem Eimer Wasser."

Denn in der Nachspielzeit machte David Galindo alles klar. Nach Vorarbeit von Luís Makukula traf er zum 3:1-Endstand - eiskalt, wie ein Tropfen Eis in der Hölle von Coatepeque. Kahn ballte die Faust, Sch trat gegen eine leere Trinkflasche.

Die Statistik erzählte eine Geschichte von Gleichgewicht und Effizienz: 50 Prozent Ballbesitz für die Diablos, 49 für Lima - aber 16:10 Torschüsse für die Gäste. "Das ist der Unterschied zwischen Malen und Treffen", analysierte Kahn trocken. Sein Gegenüber Alex Sch hingegen suchte Trost in der Jugend: "Wenn man so viele junge Spieler hat, lernt man mehr aus einer Niederlage als aus einem Sieg. Hoffe ich jedenfalls."

Taktisch blieb es ein spannendes Schachspiel. Während die Diablos über weite Strecken in einer ausgewogenen Formation agierten, schaltete Lima nach der Pause auf Offensive - ein Zug, der sich bezahlt machte. Besonders auffällig war das sichere Passspiel der Gäste; kurz, präzise, ohne Zirkus. Coatepeque versuchte es häufiger mit langen Bällen - und verlor sie noch häufiger an Seidel und Egressy im Zentrum.

Ein kurzer Aufreger in der 17. Minute, als Featherstone verletzt raus musste, brachte Unruhe. Ersatzmann Tomas Kerbr rief seinem Trainer noch zu: "Ich bin Abwehrspieler, kein Zauberer!" - was sich später als prophetisch herausstellte. Ohne Kreativität im Zentrum blieb Coatepeque harmlos.

Am Ende standen enttäuschte Gesichter und ein tosende Gästeblock, in dem ein Transparent prangte: "Kampfgeist made in Lima." Das passte. Pieter Tilleman, zweifacher Torschütze und Mann des Abends, wurde von seinen Mitspielern auf Schultern getragen. "Ich hab’ einfach gemacht, was Kahn mir gesagt hat", grinste er. "Schieß, wenn’s passt - und sonst tu so, als wär’s Absicht."

Und so endete ein heißer Abend in Coatepeque mit einem kühlen Resultat. Die Diablos brannten, aber sie verbrannten sich selbst. Für Academia Lima hingegen war es ein weiterer Schritt Richtung Achtelfinale - und für Olli Kahn ein Grund, mal wieder zu lächeln. "Ich mag’s, wenn ein Plan funktioniert", sagte er, bevor er verschwand. Man glaubt ihm.

Schlusswort: Wenn Fußball eine Wissenschaft ist, dann hat Lima an diesem Abend promoviert - und Coatepeque die Hausaufgaben vergessen.

07.03.643994 08:43
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