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Wenn 21.826 Zuschauer an einem frostigen Februarabend ins Rudolf-Harbig-Stadion pilgern, dann erwarten sie Leidenschaft, ein bisschen Chaos und - wenn’s gut läuft - drei Punkte. Sie bekamen alles. Dinamo Dresden fegte den FC München mit 3:0 vom Platz und ließ dabei keinen Zweifel, wer an diesem 17. Spieltag der 2. Liga Deutschland das Sagen hatte. Schon in den ersten Minuten war klar, dass die Münchner lieber auf Sicherheit als auf Spektakel setzten. Trainer Franz Kuntz hatte sein Team defensiv eingestellt - "Wir wollten erstmal stabil stehen", sagte er später mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Selbstschutz und Selbstironie pendelte. Stabil stand sein Team auch: wie eine Gartenmauer, die man vergessen hat zu verputzen. Dresden hingegen spielte von Beginn an, als hätten sie den Kaffee intravenös bekommen. Arne Mohr, der 31-jährige Dauerläufer im Mittelfeld, dirigierte das Spiel wie ein Konzertmeister mit leichtem Hang zum Dramatischen. Schon nach einer halben Stunde belohnte er sich selbst: In der 33. Minute traf er nach einem klugen Pass von Claus Albert zum 1:0. Der Ball zappelte im Netz, und Mohr breitete die Arme aus, als wolle er sagen: "Seht ihr, so einfach ist das!" München reagierte - zumindest theoretisch. Filipe Sanchez versuchte es aus allen Lagen, schoss in der 3., 17., 19. und 31. Minute, aber Torwart Wilhelm Schiller hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend keine Geschenke zu verteilen. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball trifft", grinste Schiller später. Es klang bescheiden, passte aber zu seiner Leistung: unaufgeregt, souverän, unüberwindbar. Mit 1:0 ging’s in die Pause. Trainer Maikma Nauskas blieb ruhig. "Ich hab den Jungs gesagt: spielt weiter, als wärt ihr hinten", erzählte er nach dem Spiel. "Das irritiert den Gegner." Und tatsächlich, irritiert war München. Dresden blieb offensiv, während die Gäste weiterhin auf Konter lauerten, die so selten kamen wie Busse im Schneesturm. In der 70. Minute wurde es kurz unruhig: Fernando de Freitas sah Gelb, kurz darauf auch Linksverteidiger Jay Malfoy - beide wegen zu viel Temperament und zu wenig Diplomatie im Zweikampf. Nauskas winkte ab: "Ich mag das, wenn’s brennt. Nur nicht im eigenen Strafraum." Dann kam die 75. Minute: De Freitas startete über rechts, flankte halb Schuss, halb Eingebung - und Hermann Sommer drosch die Kugel volley unter die Latte. Ein Tor wie ein Statement: kompromisslos, laut, wunderbar unnötig schön. 2:0. Das Stadion tobte, und irgendwo auf der Tribüne fiel wahrscheinlich das erste Bierglas des Abends. Das dritte Tor war dann reine Kür. Wieder Mohr, wieder eiskalt - diesmal nach Vorlage von Sommer (84.). Der Kapitän lief jubelnd zur Bank, klatschte Nauskas ab, der ihm zuflüsterte: "Mach das nächste bitte in der 33., damit’s statistisch bleibt." München indes wechselte jung und verzweifelt: Rodriguez raus, Gerlach rein, später noch der 19-jährige Heinemann für Quaresma. Kuntz hoffte auf frische Beine, bekam aber nur frische Ratlosigkeit. Am Ende blieb’s beim 3:0 - und beim Gefühl, dass Dresden an diesem Abend alles im Griff hatte: Ballbesitz 59 zu 41 Prozent, 13 zu 9 Schüsse aufs Tor, und mindestens doppelt so viel Spielfreude. "Wir wollten mutig sein", murmelte Münchens Keeper Friedrich Hess beim Abgang. "Hat wohl nicht ganz geklappt." Neben ihm lachte Filipe Sanchez bitter: "Wenn du neunmal schießt und keiner reingeht, weißt du, wie dein Tag läuft." In Dresden dagegen grinste man breit. Hermann Sommer, erst 21, wurde gefragt, ob er sein Tor nochmal beschreiben könne. "Klar", sagte er, "Ball, Fuß, Netz." Mehr war dazu wirklich nicht zu sagen. Am Ende verabschiedete sich das Publikum mit Gesängen, die weder druckreif noch jugendfrei waren, aber das Herz des Abends trafen: Dresden lebt, Dresden spielt, Dresden siegt. Und irgendwo in der Kabine klopfte Maikma Nauskas seinem Mittelfeldchef Mohr auf die Schulter und meinte trocken: "Wenn du so weitertriffst, muss ich dich bald als Stürmer anmelden." Ein Abend, an dem alles passte - außer Münchens Abwehr. 01.12.643990 06:50 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni