El Peruano
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Domino Melgar wacht zu spät auf - Academia Lima siegt 3:2

Ein lauer Abend in Melgar, 20.000 Zuschauer, ein Rasen, der so grün war, dass man fast Mitleid mit den Spielern bekam, die ihn in 90 Minuten zertrampeln mussten. Es war das versprochene Spitzenspiel des 25. Spieltags der 1. Liga Peru - und es hielt, was es versprach: Tore, Drama, ein bisschen Chaos und ein Trainer, der nach Abpfiff fast philosophisch wurde.

Academia Lima, angeführt von Trainer Olli Kahn - ja, jener Olli Kahn, der inzwischen lieber Sonnencreme als Torwarthandschuhe trägt - legte los wie ein tropischer Sturm. Schon in der 13. Minute krachte der Ball von Pieter Tilleman nach Zuspiel von Ivan Anicic ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Tilleman später, "Olli brüllt ja immer: Wenn du denkst, du sollst schießen - dann hast du schon zu lange gedacht." Drei Minuten später legte Javier Santos nach, wieder nach einer Vorlage von Dauerläufer Jukka Hietanen, der an diesem Abend mehr Kilometer machte als ein Postbote in der Weihnachtszeit.

Domino Melgar stand da wie ein Team, das noch auf den Bus zur eigenen Partie wartete. Kaum ein Ball kam an, kaum ein Zweikampf wurde gewonnen - und als kurz vor der Halbzeit David Galindo das 3:0 erzielte, wirkte es, als sei die Messe gelesen. "Ich hab in der Kabine nur gesagt: Jungs, das war’s noch nicht", erzählte Melgar-Kapitän Joaquin Godo später, "ich glaub, keiner hat mir geglaubt - bis wir plötzlich wieder Fußball gespielt haben."

Denn nach der Pause kam die Wende. Vielleicht hatte Coach Melgar - dessen Name der Vereinsführung offenbar so geheim ist, dass er in keiner Aufstellung auftaucht - in der Kabine die richtigen Worte gefunden. Vielleicht war’s auch nur der Stolz. Schon in der 56. Minute traf Godo selbst, nach einer feinen Vorarbeit von Aitor Gamoneda. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Gamoneda zu, "aber der Ball war zu schön, um nicht ins Tor zu gehen."

Und dann, nur neun Minuten später, war plötzlich wieder Leben in der Bude: James Devaney, Melgars quirliger Rechtsaußen, brachte die Gastgeber mit seinem Treffer zum 2:3 zurück ins Spiel. Ruben Celis hatte das Tor mit einem butterweichen Pass vorbereitet, der selbst Olli Kahn kurz zum Klatschen brachte - und das will was heißen.

Das Stadion bebte, die Fans sangen, als würde es um die Meisterschaft gehen. "In dem Moment dachte ich: Wir packen das", sagte Devaney. Und tatsächlich drückte Melgar, kam zu weiteren Chancen - zehn Torschüsse insgesamt, fast gleichauf mit Limas 17. Der Ballbesitz war ausgeglichen (51 zu 49 Prozent), doch die Effizienz blieb das Problem.

Academia Lima verteidigte die Führung mit einer Mischung aus Routine und Nervosität. Kahn, am Spielfeldrand in weißem Hemd und mit jener bekannten Stirnfalte, rief in der 80. Minute seinem jungen Ersatzmann Paulo Benito zu: "Nicht träumen, Junge, wir führen!" Benito nickte - und schoss zwei Minuten später prompt über das Tor. "Ich wollte zeigen, dass ich offensiv denke", sagte der 19-Jährige nach dem Spiel schmunzelnd.

Für einen kurzen Moment schien es, als könnte Melgar das Wunder schaffen. In der 84. Minute zog Gamoneda noch einmal ab - doch Limas Keeper Luis Enriquez fischte den Ball aus dem Winkel, als hätte er unsichtbare Fangarme. Ein Raunen ging durchs Stadion, gefolgt von einem kollektiven Seufzen. Danach passierte nur noch eines: Olli Kahn wechselte fleißig seine Stürmer durch, Santos humpelte verletzt runter, Seppo Uusimäki kam rein - und schoss in der 91. Minute noch einmal aufs Tor. Es war der Schlusspunkt, sozusagen das Ausrufezeichen unter einem wilden, aber sehenswerten Spiel.

"Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit gewonnen und in der zweiten überlebt", bilanzierte Kahn anschließend gewohnt trocken. Sein Kollege von Melgar sah es ähnlich: "Wenn wir künftig nur 45 Minuten verschlafen, gewinnen wir vielleicht wieder."

Am Ende stand ein 2:3, das gerechter kaum sein konnte: Lima war cleverer, Melgar kämpferischer, das Publikum begeistert. Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball manchmal keine Mathematik ist - sondern pure Emotion.

Und irgendwo im Stadion, zwischen Plastiksitzen und Popcorngeruch, sagte ein älterer Fan: "Wenn die immer so spielen, kauf ich mir wieder eine Dauerkarte." Vielleicht war das das schönste Fazit des Abends.

25.03.644000 17:04
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